Neun Tage Denver
8.–17. Okt. 2025 in den USA ⋅ ☀️ 26 °C
Denver im Oktober ist eine Augenweide. Die Blattfärbung erreicht gerade während unserem Aufenthalt ihren Höhepunkt.
In den Wohngebieten freut man sich auf Halloween und das Klima tut gut. Insbesondere, nach dem bei uns zu Hause die Blätter von herbstlichen Stürmchen
von den Bäumen gefegt sind und das unbeliebte Grau Einzug gehalten hat.
Es ist eine Art Sommerverlängerung. Im Oktober waren wir noch nie in den USA. Nach dem Kälteschock in Oslo ist das Wetter ein Träumchen.
Die Luft ist trocken und der Himmel hier ist so dunkelblau, dass man in den Kosmos schauen kann.
Am Tag steigt das Thermometer bis auf 24 Grad. Nachts fällt es allerdings auf um die 10 Grad.
Echt beneidenswert.
„Ausnahmen bestätigen die Regel“ sagte immer mein Mathelehrer und das gilt auch für unsere Zeit in Denver.
Denn einen Vormittag regnet es. Die Leute hier freut‘s und wir finden auch für dieses Wetter Passendes.

Aber eigentlich ist es nicht die Stadt, die wir so einzigartig finden und deshalb so lange an einem Ort verweilen.
Nein. Wir sind hier, um unseren Sohn nebst Familie zu besuchen. Abgesehen davon, dass in dieser Zeit gleich zwei Geburtstage gefeiert werden,
ist der Herbst die Zeit der Pumpkins und Halloween. Wir übernachten im neuen Haus, das einen Block vom City Park entfernt steht und auch generell
sehr zentral gelegen ist.

Unsere Tage hier sind proppevoll durchgeplant.
Denver Botanic Gardens
Ganze zwei Nachmittage verbringen wir in den Denver Botanic Gardens.
Ich gebe zu, dass wir auf den sonstigen Reisen niemals auf die Idee gekommen wären diesen zu besuchen.
Aber Junior besitzt eine Jahreskarte und schwärmt so oft von diesem Park. Da müssen wir einfach auch mal hin.
Und tatsächlich sind auch wir restlos begeistert über diese herrlich und gut gepflegte Anlage.

Die Denver Botanic Gardens gehören zu den bekanntesten botanischen Gärten der USA.
Das Besondere ist wie hier die einzelnen Bereiche gegliedert sind. Hier ist für jeden etwas dabei.
Auf etwa neun Hektar sehen wir nicht nur diverse Pflanzen sondern ausgefallene Architektur. Alles ist sehr weitläufig angelegt.
Man kommt hier nicht nur um Pflanzen zu betrachten. Nein. Man verbringt hier einfach mal einen Tag. Wie in einem Park eben.
Der Garten wurde 1951 gegründet.
Gleich in der Nähe des Haupteinganges gibt ein architektonisch einzigartiges Tropenhaus aus Beton und Plexiglas, das - wie der
Name schon vermuten lässt - eine große Vielfalt tropischer und subtropischer Pflanzen beherbergt.


Die Gärten verfügen über zahlreiche Themenbereiche.



... und die weitläufigen Wasserlandschaften mit Seerosen und Teichen.
Sowie sorgfältig gestaltete mediterrane, alpine und nordamerikanische Pflanzzonen.




In der Science Pyramid und im Freyer-Newman Center wird Wissen über Ökologie, Biodiversität und Umweltwissenschaften interaktiv
vermittelt. Für Familien bietet der Mordecai Children’s Garden besondere Möglichkeiten, die Natur spielerisch zu entdecken.
Regelmäßig finden in den Denver Botanic Gardens Veranstaltungen statt. Halloween steht vor der Tür, und der Garten ist schon
jetzt wunderbar dekoriert. Für Konzerte, Kunstausstellungen und die vielen Illuminationen im Winter sind wir leider zur falschen
Zeit oder viel zu kurz hier. Diese Mischung aus Pflanzenvielfalt, Rückzugsort und beeindruckender Architektur ist etwas Besonderes.
Ein vergleichbarer Ort in Berlin fällt mir nicht ein.


Bis Halloween sind es nur noch zweieinhalb Wochen. Nicht nur im Botanischen Garten wird schon dekoriert. Auch an den Häusern entlang unseres Weges entdecken wir überall Kürbisse, Skelette und andere gruselige Gestalten. Vor dem einem Haus sitzen die Skelette sogar auf dem Dach und der Veranda, woanders ein riesiger Sensenmann im Vorgarten. Unglaublich, welchen Aufwand manche dafür betreiben!


Pumpkin Festival
Gleichzeitig aber ist Herbst. Und Herbst steht für Pumpkin. Die gibt es überall zu kaufen.
Die schönsten findet man natürlich, wenn man eine Pumpkin-Plantage besucht.
Und das machen wir auch.
Zum Denver Botanic Gardens gehören auch die Chatfield Farms. Das ist ein weitläufiges Farm- und Naturgelände südwestlich der Stadt.
Ganz klar, dass dies mit einem Pumpkin Festival verbunden werden muss. Hier kommt man mit Familie. Eine Kutschfahrt durch‘s Feld,
Hüpfburgen, ein Labyrinth durchs Kornfeld, Schlemmen und am Ende der Kauf verschiedenster Kürbisse… All das gehört dazu.




An einem anderen Tag findet die große Birthday Party für unsere Cessie statt. Echt spannend für uns dabei sein zu dürfen.
Während ich früher die Party selbst ausgerichtet habe und danach fix und foxy war, feiert man in den USA ganz anders.
Eine Art Gallery nebst zwei Betreuerinnen ist der Austragungsort für dreizehn Kinder und ebensoviele Helikoptereltern 😉
Für die Feier unter dem Motto Unicorn - also 🦄 - ist alles perfekt organisiert und vorbereitet. Der Preis für diesen Spaß ist enorm.
Aber so ist das eben in den USA.
Ich jedenfalls bin neidisch auf unsere kleine Cessie für diesen wundervollen Nachmittag.

Nun. Ich hatte es ja schon geschrieben. Wir werden auch so einige Orte besuchen, die wir schon kennen.
Der erste ist der Paint Mines Interpretiv Park in der Nähe von Colorado Springs.
Calhan Paint Mines Interpretive Park
Knapp zwei Stunden dauert die Anfahrt bis zu den Paint Mines.
Wir waren 2018 zum ersten Mal
hier und waren sofort von den Steinformationen begeistert, deren Farben unwirklich bunt aussehen.
Damals konnten wir uns noch frei zwischen den Formationen bewegen.
Heute führen ausgewiesene Wege durch das Gelände und Absperrungen halten Besucher von besonders empfindlichen Bereichen fern. Der Landkreis
begann Ende 2020 mit den Schutzmaßnahmen. 2021 wurden Wege verbessert und Absperrungen errichtet. Die bunten Lehmformationen sind durch Erosion
entstanden und entsprechend empfindlich. Dass sie geschützt werden müssen, kann ich gut verstehen.





Der Name Paint Mines ist ein wenig irreführend. Obwohl man vom oberen Rand - übrigens bei 2.065 Höhenmetern - an dem man ankommt,
in eine etwa 25 Meter tiefere Ebene schaut, war dieses Areal niemals eine Mine die eingestürzt ist. Indigene Bewohner sammelten seit je her die
farbigen Tonschichten, um daraus Pigmente und Keramik herzustellen. Später wurde der Ton in offenen Gruben auch gewerblich abgebaut und unter anderem
für die Ziegelproduktion verwendet.
Die bizarren Schluchten, Höhlen und Felstürme entstanden wie so oft hauptsächlich durch natürliche Erosion.









Rocky Mountain National Park
Eine Neueroberung im nahegelegenen Rocky Mountain NP stand dann doch auf dem Programm.
Hier waren wir 1998 zum ersten Mal. Damals haben wir mehrere Tage hier verbracht. Auf dem weiteren Weg sind wir die Trail Ridge Road gefahren.
Die Fahrt bis zur Alpinen Tundra ist unser Ziel.
Die Rocky Mountains erstrecken sich über die Länder Kanada und USA. In Kanada verlaufen sie durch die Provinzen British Columbia und Alberta,
in den USA durch Montana, Idaho, Wyoming, Utah, Colorado bis nach New Mexico. Von Norden nach Süden erreicht das Gebirge eine Länge von ungefähr
5.000 Kilometern.
Der Rocky Mountain National Park ist nur ein Teil der südlichen Rocky Mountains und liegt vollständig im Norden Colorados.
Er umfasst eine Fläche von rund 1.076 Quadratkilometern und wurde am 26. Januar 1915 von Präsident Woodrow Wilson zum Nationalpark erklärt.
Die Höhenlagen reichen von etwa 2.400 Metern bis zum 4.346 Meter hohen Longs Peak. Mitten durch den Park verläuft die kontinentale Wasserscheide, die das
Wasser entweder in Richtung Atlantik oder Pazifik abfließen lässt. Fast 95 Prozent der Fläche sind heute als besonders geschützte Wildnis ausgewiesen.
So weit so gut.
Kurz nach halb Elf sind auch wir bereit und starten gen Norden.
"Der Weg ist das Ziel" - das kann man hier definitiv gelten lassen.

Als erstes erreichen wir den Ort Estes Park. Der Ort liegt auf rund 2.293 Metern Höhe am östlichen Eingang des Rocky Mountain National Parks.
Umgeben von hohen Bergen wirkt er trotz der vielen Hotels, Restaurants, Souvenirläden und Besucher noch immer wie eine typische amerikanische Mountain Town.
Benannt nach Joel Estes, der sich 1859 mit seiner Familie in dem weiten Tal niederließ und hier Viehzucht betrieb, wurde er erst 1917 offiziell
als Gemeinde eingetragen. Schon früh entwickelte er sich zu einem Ferienort, der vor allem von seiner Nähe zum Nationalpark lebte.
Das hat sich bis heute nicht geändert.
Allerdings hatten wir damals nicht so ein grandioses Wetter. Die Oberfläche des Estes Lake ist spiegelglatt. Was haben wir für ein Glück! Weniger Glück haben wir mit der Sichtung von Wapitis. Die sollen gerade im Herbst durch den Ort spazieren.

Am Rangerhäuschen, an dem man normalerweise den Eintritt bezahlt, werden wir heute einfach durchgewunken. Wegen des Shutdowns müssen wir nichts zahlen.
Eine Map bekommen wir trotzdem, damit wir nicht irgendwo in den Weiten des Parks verloren gehen.
Einerseits finden wir es natürlich grandios, dass uns der Eintritt erspart bleibt.
Andererseits ist uns durchaus bewusst, welche negativen Folgen ein solcher Shutdown hat.
Hier erfahren wir auch, dass die Trail Ridge Road geschlossen ist. Ich kann und will es gar nicht glauben. Es ist doch so ein schönes Wetter.
Die Straße ist doch trocken. Aber danach geht es nicht. Schlecht recherchiert, würde ich sagen. Tatsächlich habe ich überlesen, dass diese
landschaftlich besonders schöne Straße im Herbst witterungsbedingt geschlossen werden kann. Ärgerlich, aber nicht zu ändern.
Also fahren wir einfach so weit, wie es heute möglich ist.
Und wir können uns wirklich nicht beschweren.
Alles was wir sehen, ist so schön. Und die Laubfärbung ist grandios!








Am Rainbow Curve Overlook ist dann endgültig Schluss.
Es gibt ein paar Beweisaufnahmen, dass wir hier waren und dann geht es in einen anderen Teil des Parks.


Ein echter Vorteil des Shutdowns ist der Zugang zum Bear Lake, für den man eigentlich Monate vorher ein Permit ergattern muss. Der ist heute offen für jedermann. Wir sind mittlerweile etwas müde. Der Jetlag macht sich bemerkbar. Und wieder haben wir Glück, denn als wir den obersten Parkplatz erreichen, den begehrtesten sozusagen, werden wir nicht wie andere zurückgewiesen. Wir sollen etwas warten. Denn sicher wird bald etwas frei. Wahrscheinlich war Cessie unser Joker, weshalb man uns den längeren Weg ersparen wollte.

Wir spazieren den halben Rundweg und erreichen dann den Ort, wo wir schon vor 27 Jahren standen. Damals mit Töchterli und Sohn. Heute mit Enkelin und Sohn. Wer hätte das damals geahnt. 😉



Chapel on the Rock
Die Chapel on the Rock heißt eigentlich Saint Catherine of Siena Chapel. 1916 entdeckte Monsignore Joseph Bosetti diesen Felsen und hatte die Vision,
darauf eine Kirche zu bauen. Bis zur Umsetzung vergingen allerdings fast 20 Jahre. Erst 1936 wurde die Kapelle fertiggestellt.
1993 besuchte Papst Johannes Paul II. die Chapel on the Rock, betete in der Kirche und verbrachte einige Zeit in der umliegenden Berglandschaft.
Bemerkenswert ist, dass die Kapelle mehrere Katastrophen nahezu unbeschadet überstand. 2011 zerstörte ein Feuer große Teile des benachbarten Retreat
Centers, und 2013 verwüsteten Hochwasser und Erdrutsche das umliegende Gelände. Die kleine Kirche auf ihrem Felsen blieb jedoch stehen.
Um nun endlich auch das Innere der Chapel on the Rock zu sehen, machen wir einen kleinen Umweg und fahren über den Highway 7.
Entdeckt haben wir die Kirche bereits im Winter 2021 im Vorbeifahren. Damals war sie vollkommen zugefroren und draußen wütete ein
Schneesturm. Uns war einfach nicht danach, auszusteigen und eine Kirche zu besichtigen.
Heute steht sie als allerletzter Punkt auf unserer Wunschliste. Bis 16 Uhr soll die Kapelle geöffnet sein. Leider verspäten
wir uns um ein paar Minuten. Noch hoffen wir, dass man es mit der Schließzeit nicht ganz so genau nimmt.
Doch sämtliche Türen sind bereits verschlossen. Ach, wie schade!


So geht es weiter
Die neun Tage sind schneller vorbei, als es uns lieb ist.
Schön so in das Leben einer amerikanischen Familie einzutauchen und zu sehen, wie die Feste gefeiert werden.
Am Ende der Zeit heißt‘s Abschied zu nehmen. Das Gute aber: In sechs Wochen werden wir uns wiedersehen. Dann ist nämlich Thanksgiving.

