Von Pingyao nach Datong

25. bis 28. April ⋅ ☀️ 26 °C

Wie so oft bekommen wir auch in diesem Homestay beim Checkout ein Abschiedsgeschenk. Zwei verschiedene kleine Flaschen mit dem Essig, für den die Provinz Shanxi bekannt ist, dem sogenannten Shanxi Laochencu, einem traditionell gereiften dunklen Essig. Er wird vor allem aus Sorghum, einem Süßgras, sowie verschiedenen Getreidesorten hergestellt und anschließend über längere Zeit gereift. Irgendwie haben wir es verpasst diesen hier zu verkosten. Nun aber dürfen wir zwei Fläschen davon als kulinarische Erinnerung mitnehmen.

Für den Abreisetag haben wir eigentlich einen Abholservice gebucht, der uns vom Homestay zum Bahnhof bringen soll.
So zumindest die Theorie.

Rein praktisch passiert erst mal gar nichts. Wir stehen vor dem Haus wie bestellt und nicht abgeholt. Den Bellboy interessiert das herzlich wenig und so fragen wir noch einmal an der Rezi nach. Dort versichert man uns immer wieder, dass gleich jemand kommen wird.

Als es langsam ziemlich eng mit der Zeit wird und wir unseren Unmut nun doch etwas deutlicher äußern, stellt sich heraus, dass unsere bereits bezahlte Reservierung offenbar vergessen wurde.
Na prima. Irgendwie doppelt doof.

Pingyao Railway Station,China2026,born4travel.de

Jetzt kommt plötzlich Bewegung in die Sache und man ist geschäftig bemüht, eine Lösung zu finden. Trotzdem taucht niemand auf.
Am Ende bleibt uns nichts anderes übrig, als gemeinsam mit zwei Angestellten unser Gepäck doch über diesen langen Weg zu schleppen, über den wir schon bei unserer Ankunft gemeckert haben. Dort steht der ein Buggy bereit, der uns zum bereits wartenden Taxi bringt. Und was für eins!
Ein Maybach.
Na bitte – geht doch! 😄

Eine Viertelstunde später stehen wir wieder vor dem Bahnhof. Dem ohne Rolltreppe. 🙄

Pingyao Railway Station,China2026,born4travel.de

Blick aus dem Fenster

Datong - noch eine Ancient City…
Langsam kennen wir die doch alle, denke ich, als wir nach zwei Stunden Fahrt am Bahnhof ankommen.
Die Zweifel kommen leise, aber hartnäckig. Ich bin der Planer und fühle mich für den Verlauf so etwas wie verantwortlich. Momentan erwarte ich leider nichts mehr. Nichts, das uns auf dieser Reise noch wirklich überraschen kann.
Alles, was jetzt noch kommt, wird wohl nur noch „ganz nett“ sein.

Wir werden abgeholt. So war es ausgemacht. Ein Mann und eine Frau stehen mit einem Schild auf dem unser Name geschrieben steht am Ausgang. Die Unterkunft, Five Blessings, bietet einen kostenlosen Shuttle an. Mit uns kommt eine andere Mehrgenerationen-Familie aus Frankreich. Wir alle wohnen im gleichen Anwesen.

Unsere Unterkunft in Datong heißt Five Blessings Hotel. Ich würde es nicht „Hotel“ im eigentlichen Sinne bezeichnen. Es ist ein kleines Homestay mit gerade einmal fünf Zimmern, mit einen hübschen Innenhof.
In Chinesisch heisst dieses Haus Wufuju (五福居). Das bedeutet sinngemäß „Haus der fünf Segnungen“.
Und die finden sich in den Namen der einzelnen Zimmer. Sie heissen Glück, Wohlstand, Langlebigkeit, Freude und Reichtum. Na, wenn das mal kein gutes Omen für unseren Aufenthalt in Datong ist. 😉
Das Haus orientiert sich am traditionellen chinesischen Siheyuan, einem Hofhaus, bei dem sich die einzelnen Räume um einen gemeinsamen Innenhof gruppieren. Historisch alt ist unsere Unterkunft allerdings nicht.

Five Blessings Hotel,Datong,China2026,born4travel.de
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Fünfzig Quadratmeter ist unser Zimmer groß. Schön weiträumig. Und luftig und ganz klar eingerichtet. Nichts ist hier zu viel.
Wir fühlen uns sofort wohl. Vor allem nach der Zeit in Pingyao, wo das Zimmer mitt allerlei Dekoration etwas unübersichtlich war.
Es trägt den Namen Xi (喜) - was für „Freude“ oder „Glück“ steht. Na ja - wir werden sehen.

Five Blessings Hotel,Datong,China2026,born4travel.de

Was dieses kleine Homestay aber besonders macht, sind die Menschen, die sich hier um die Gäste kümmern. Vor allem die beiden Damen geben sich unglaublich viel Mühe. Sie sind irgendwie immer da. Und gleichzeitig nie zu sehen. 😉

Five Blessings Hotel,Datong,China2026,born4travel.de

Sobald wir allerdings in die untere Etage kommen, dauert es meist keine Minute und eine der beiden erscheint wie aus dem Nichts. Ob wir etwas brauchen? Einen Tee? Hilfe? Irgendetwas? Dabei ist ihre Aufmerksamkeit niemals aufdringlich, sondern einfach nur unglaublich herzlich.
Auch ein Mann gehört zum Team. Für Rainer zelebriert er sogar eine kleine Teezeremonie und erklärt ihm dabei die verschiedenen Tees und die chinesische Art der Zubereitung.

Die drei sind übrigens nicht die Besitzer des Hauses, sondern kümmern sich um die Gäste und den täglichen Betrieb. Und das mit einer Aufmerksamkeit, die wir so nicht erwartet hätten.
Das zeigt sich auch beim Frühstück. Hier gibt es keine festen Zeiten, zu denen man gefälligst zu erscheinen hat. Stattdessen werden wir gefragt, wann wir frühstücken möchten. Und zur gewünschten Uhrzeit steht Frisches bereit. Warmes wird zubereitet.

Gleich am ersten Abend ziehen wir noch los.
Es sind noch angenehme 20 Grad. Und das auf etwas über 1.000 Metern Höhe. Damit hatten wir nicht unbedingt gerechnet. Also kommen wieder meine Sandaletten zum Einsatz.

Wir laufen einfach los und erkunden die Umgebung. Alles wirkt noch sehr neu.
Aber auch unbelebt. Es sind wohl mehr Unterkünfte für Besucher als Wohnräume. Große Bäume stehen hier noch nicht. Dafür gibt es überall diese wunderbar dezente Beleuchtung. Das können die Chinesen wirklich gut. Die Häuser sind so in Szene gesetzt, dass alles stilvoll wirkt und niemals aufdringlich grell.
Genau das gefällt uns richtig gut. Rainer überlegt schon, wie wir unsere Weihnachtsbeleuchtung ebenso gestalten könnten

Wir kommen an eine Kreuzung. Hier steht der Kuixing Tower. Sieht toll aus. Aber zugegeben irgendwie seltsam. So neu. So clean. Tatsächlich wurde der ursprüngliche Bau aus dem Jahr 1610 - damals ein konfuzianischen Schul-/Tempelkomplex - 1934 durch Kriegseinwirkungen zerstört. 2012 bis 2013 wurde der 31,24 Meter hohe, achteckige Turm mit fünf Ebenen rekonstruiert.

 Ancient Town Datong,China2026,born4travel.de

Hier auf dieser Straße ist deutlich mehr Leben. Wir spazieren weiter. Schließlich haben wir seit heute früh noch nichts gegessen.

Ich habe uns – mal wieder – ein Nudelsuppen-Restaurant ausgesucht. Ein neuer Anlauf also, uns mit dem chinesischen Essen doch noch ein bisschen anzufreunden.
Das Restaurant ist gut besucht, was ja bekanntlich immer ein gutes Zeichen ist. Allerdings gibt es zu wenige Plätze und so werden wir kurzerhand zu einer jungen Frau an den Tisch gesetzt, die bereits beim Essen ist.
Recht schnell kommen wir ins Gespräch und erfahren, dass sie aus Shanghai kommt. Sie spricht ausgezeichnet Englisch. Was für eine angenehme Überraschung!
Im Laufe des Gesprächs spüren wir, wie stolz sie auf ihr Land ist. Und sie freut sich ganz offensichtlich darüber, dass wir uns so viel Zeit nehmen, China kennenzulernen. Dass wir mit dem Zug durchs Land reisen, Didi nutzen und uns damit eigentlich genauso fortbewegen wie die Chinesen selbst. Vor allem aber scheint sie sich darüber zu freuen, dass wir vieles hier so positiv erleben und ihr Land wirklich mögen.

Während wir uns unterhalten, versuche ich mir vorzustellen, wie weit Shanghai eigentlich von Datong entfernt ist. Rund 1.500 Kilometer liegen zwischen den beiden Städten. Das entspricht ungefähr der Strecke von Berlin nach Rom.
Als ich sie darauf anspreche, versteht sie meine Verwunderung überhaupt nicht. Für sie sei das kein Problem. Die Züge seien schnell und zuverlässig. Datong? Für sie einfach ein Wochenendausflug.
Na klar. Mal eben 1.500 Kilometer übers Wochenende fahren. Mal zwei sind 3.000! Willkommen in China. 😉

Und am Ende ist nicht nur unsere Nudelsuppe mit Salat und Spießen hervorragend, sondern auch die Unterhaltung.
Solche zufälligen Begegnungen sind doch ein echter Mehrwert einer jeden Reise.

Ansonsten geht hier Übersetzungs-App gar nichts.
Also Handy draufhalten und schon wissen wir zumindest ungefähr, was sich hinter den chinesischen Schriftzeichen verbirgt.
„Ei Ball“, „Schinkenwurst“ oder „Rindfleischgluten“ lassen zwar noch ein bisschen Raum für Interpretationen – aber irgendwie kommen wir damit inzwischen ganz gut zurecht.

 Ancient Town Datong,China2026,born4travel.de

Noch ein paar Impressionen vom Rückweg durch die abendliche Altstadt Datongs:

 Ancient Town Datong,China2026,born4travel.de
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Auch am nächsten Tag meint es die Sonne gut mit uns. Die Sonne scheint bei über 20 Grad.
Der Himmel ist klar und unglaublich dunkelblau.
Wir machen uns auf in die Umgebung. Geplant ist der Besuch der Yungang Grottoes und der Hanging Temple beziehungsweise Hanging Monastery. Letztere sind ausgerechnet zu unserer Zeit hier wegen Sicherungs- und Sanierungsarbeiten geschlossen.
Das ist echt ärgerlich!

Unser Homestay bietet Fahrten zu den nah gelegenen Yungang Grottoes an. Aber wir wollen individuell bleiben. Unabhängig entscheiden, wie lange wir bleiben und nehmen uns ein Didi.
Wir zahlen für die Fahrt 33,7 CN¥ was etwa 4,23 € sind.

Yungang Grottoes

Etwa 16 Kilometer westlich von Datong liegen die Yungang Grottoes, eine der bedeutendsten buddhistischen Höhlenanlagen Chinas.

Ihre Geschichte beginnt um 460 n. Chr.. Damals hieß Datong noch Pingcheng und war Hauptstadt der Nördlichen Wei-Dynastie. Im Auftrag der Kaiser wurden hier über Jahrzehnte ganze Tempelräume direkt aus dem Felsen geschlagen und mit unzähligen Buddhafiguren, Reliefs und Ornamenten ausgeschmückt.
Und mit „unzählig“ ist wirklich unzählig gemeint. Insgesamt gibt es 252 Höhlen und Nischen mit rund 51.000 Figuren. Manche sind gerade einmal wenige Zentimeter groß, andere Buddhas dagegen mehrere Meter hoch.

Didi setzt uns hier am Eingangstor ab.

Yungang Grottoes near Datong,,China2026,born4travel.de

Der Eintritt von insgesamt 240¥ entfällt wieder einmal für alle über 60-jährigen. Wir lieben es!

An einem Stand mit Andenken verliebe ich mich in einen Anhänger. Irgendwie bin ich zu faul umzurechnen…
Tja. Das war wohl ein Fehler. Als ich mich auf dem weiteren Weg über meine neue Anschaffung freue, klickert es irgendwie in meinem Hirn: 280¥ sind keine 2.80€ sondern 35€ ! Oh nein...😫

Die Anlage beginnt mit einem langen Spazierweg durch bewaldetes Gebiet.
Wie immer an solchen Orten ist hier mächtig was los.

Yungang Grottoes near Datong,,China2026,born4travel.de
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Ähnliche Grotten haben wir uns schon einmal angeschaut, damals in der Nähe von Shaxi, dort waren es die Shizongzhan Grottoes.
Aber das hier hat ganz andere Dimensionen. Das sind wirkliche Grotten!

Yungang Grottoes near Datong,,China2026,born4travel.de
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Besonders beeindruckend sind die mehrstöckigen hölzernen Tempelfassaden, die sich direkt an den Felsen schmiegen.
Sie wurden vor einigen der bedeutendsten Grotten errichtet, um die dahinter liegenden Höhlen und Buddhafiguren zu schützen. Mit ihren geschnitzten Holzbalken und den typisch geschwungenen Dächern sehen sie fast aus, als würden sie am Felsen kleben.

Yungang Grottoes near Datong,,China2026,born4travel.de

Wir lassen uns von Höhle zu Höhle treiben.
Und irgendwie haben wir das Gefühl, dass es mit jeder weiteren noch ein bisschen imposanter wird.
Überall Buddhas. Große, kleine, winzige. Manche sitzen in kleinen Nischen, andere füllen mit ihrer gewaltigen Größe fast den gesamten Raum. Und je weiter wir kommen, desto aufwendiger und farbiger scheint alles zu werden.

Yungang Grottoes near Datong,,China2026,born4travel.de
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Immer wieder bleiben wir einfach nur stehen und staunen.
Wie hat man das vor mehr als 1.500 Jahren geschafft? Ohne moderne Maschinen wurden hier ganze Räume aus dem Felsen geschlagen und anschließend Figuren, Gesichter, Gewänder und feinste Ornamente aus dem Stein herausgearbeitet.

Was für eine Arbeit muss das gewesen sein. Wie viele Menschen hier wohl Tag für Tag gehämmert, gemeißelt, geschliffen und gemalt haben? Und wie viele Jahre ihres Lebens sie damit verbracht haben? Wenn man vor diesen riesigen Buddhas steht, kann man kaum begreifen, was für eine unglaubliche Leistung dahintersteckt.

Yungang Grottoes near Datong,,China2026,born4travel.de
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Wir gehen weiter. Von einer Höhle in die nächste.
Und obwohl wir inzwischen wirklich schon viele Tempel und noch mehr Buddhas gesehen haben, wird es hier irgendwie nicht langweilig.
Im Gegenteil. Hinter jedem Eingang wartet etwas Neues.

Yungang Grottoes near Datong,,China2026,born4travel.de
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Und dann die Farben.
Vieles ist heute verblasst, aber an manchen Stellen leuchten Rot, Grün und andere Farbtöne noch richtig gut.
Tatsächlich waren die Figuren ursprünglich bemalt.
Wie bunt müssen diese Höhlen vor 1.500 Jahren erst ausgesehen haben!

Yungang Grottoes near Datong,,China2026,born4travel.de
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Ganz am Ende erwarten uns die berühmtesten Motive der Yungang Grottoes.
Es sind die sogenannten Tan-Yao-Höhlen 16 bis 20. Jede von ihnen wurde für eine monumentale Buddhafigur geschaffen.

Das eigentliche Wahrzeichen der gesamten Anlage steht in Höhle 20. Wobei „Höhle“ heute eigentlich nicht mehr ganz stimmt.
Die Vorderwand und Teile der Decke sind irgendwann eingestürzt und so sitzt der 13.75 Meter hohe Buddha heute unter freiem Himmel direkt im Felsen.
Und obwohl wir inzwischen wirklich viele, viele Buddhas gesehen haben - wahrscheinlich reicht's für den Rest dieser Reise - ist dieser noch einmal etwas Besonderes. Vielleicht auch, weil er so frei sitzt.
Natürlich bekommt auch er sein Foto.

Yungang Grottoes near Datong,,China2026,born4travel.de
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Und natürlich gibt es ein eher seltenes Selfie von uns.
So als Beweis: Ja wir waren auch da!

Yungang Grottoes near Datong,,China2026,born4travel.de
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Nach unserer Rückkehr aus Yungang lassen wir uns am Rand unseres Wohnviertels absetzen.
Schnell einen Kaffee getrunken und dann geht’s auch schon wieder auf Achse. Datong ist schließlich gespickt mit wunderschönen Tempeln und ein bisschen was wollen wir heute noch sehen.

Zugegeben, inzwischen sind wir allerdings etwas fußlahm. Und so lassen wir uns selbst die kurze Strecke zum Fahua Temple ganz bequem mit einem Didi fahren. Man muss es ja nicht übertreiben. 😉

Fahua Tempel

Vom ursprünglichen Fahua-Tempel ist kaum etwas erhalten geblieben. Über die Jahrhunderte verfiel die Anlage immer mehr, bis schließlich im Wesentlichen nur noch die dominante, weiße Stupa übrig war. In den Jahren 2008 bis 2010 wurde der Tempel auf dem historischen Gelände umfassend und detailgetreu rekonstruiert. Nun gilt die Anlage als architektonisches Schmuckstück. Das können wir definitiv bestätigen.

Der Tempel wurde ursprünglich an der Wende von der Yuan- zur Ming-Dynastie erbaut. Und er ist deutlich vom tibetischen Buddhismus geprägt.
Das erkennen sogar wir, obwohl wir nun wirklich keine Experten sind.

Fahua Tempel,Datong,China2026,born4travel.de

Besonders auffällig ist die 18 Meter hohe weiße Stupa.
Sie steht etwas abseits der großen Hallen und ist heute das eigentliche historische Herzstück der Anlage.

Fahua Tempel,Datong,China2026,born4travel.de
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Heute reihen sich wieder mehrere Innenhöfe und Tempelhallen hintereinander.
Und obwohl wir inzwischen wissen, dass vieles hier neu entstanden ist, tut das der Wirkung keinen Abbruch.
Eine echt schöne Anlage.

Fahua Tempel,Datong,China2026,born4travel.de
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Die rekonstruierten Tempelhallen wurden in traditioneller chinesischer Bauweise errichtet. Es sind massive Holzsäulen, Balkenkonstruktionen und kunstvolle, wirklich beeindruckend schöne Dougong-Elemente zu sehen. Dougong sind diese kunstvoll ineinandergesteckten Holzkonsolen, die man direkt zwischen den Säulen und dem Dach sieht. Die Wände sind allerdings aus Stein beziehungsweise Ziegel gebaut.
Außer die weiße Pagode. die ist aus Ziegeln gebaut und eins der letzten Bauwerk die weder dem Krieg noch der Witterung zum Opfer gefallen ist.

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Fahua Tempel,Datong,China2026,born4travel.de
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Im offenen Glockenpavillon hängt die große Tempelglocke. Wie in buddhistischen Klöstern üblich. Diese Glocken sind nicht nur Zeitgeber, sondern gehören auch zu den religiösen Zeremonien.

Dieser Glockenturm, hier im Farua Tempel, ist nicht historisch.
Auch dieser wurde beim Wiederaufbau der Tempelanlage neu errichtet.
Schön anzusehen ist er trotzdem.

Fahua Tempel,Datong,China2026,born4travel.de
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Immer wieder begegnen uns in China die sogenannten Mondtore (Moon Gates), das sind diese kreisrunden Durchgänge in Mauern und Innenhöfen.
Die runde Form symbolisiert einen Vollmond und steht in der chinesischen Kultur unter anderem für Harmonie, Vollkommenheit und Zusammengehörigkeit. Gleichzeitig dient so ein Mondtor als eine Art natürlicher Rahmen für den Blick auf den nächsten Innenhof, einen Garten oder ein besonders schönes Gebäude.

Für mich sind diese Mondtore irgendwie so typisch asiatisch.
Und ich bin mir ziemlich sicher, dass wir solche Tore auch schon in Japan gesehen haben. Tatsächlich stammen sie ursprünglich aus der chinesischen Gartenarchitektur und fanden später auch ihren Weg nach Japan.
Und das Wichtigste für mich als Urlaubsfotograf: Es sind natürlich wunderschöne Fotomotive. 😉

Fahua Tempel,Datong,China2026,born4travel.de
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Und gerade als wir am Verlassen der Tempelanlage sind, begegnen uns zwei Chinesinnen in wunderschönen traditionellen Kostümen. Das Handy wird kurzerhand aufgestellt, die perfekte Pose eingenommen und los geht’s.
Ich könnte ihnen stundenlang dabei zusehen. Diese Freude am Verkleiden, Posieren und fotografiert zu werden ist einfach herrlich. Und wir bekommen so fantastische Motive.

Fahua Tempel,Datong,China2026,born4travel.de

Nine Dragon Wall

Es ist kurz nach 18 Uhr, als wir durch das Tor des Fahua Temple gehen.
Jetzt flitzen wir noch zu einer anderen Attraktion in der gleichen Straße.
Wir wollen noch eines der ältesten und original erhaltenen Bauwerke Datongs sehen: die Nine Dragon Wall.
Leider ist es schon zu spät und die Anlage ist geschlossen.
Tja. Es ist wie überall. Wer zu spät kommt, den bestraft auch in China die Öffnungszeit.
Also begnüge ich mich mit ein paar Aufnahmen durch den Gitterzaun. Wer weiß schon, ob wir es morgen früher hierher schaffen. Und ob morgen die Sonne überhaupt rauskommt. Was ich hab, das habe ich.

Nine-Dragon Wall,Datong,China2026,born4travel.de

Die Drachenwand wurde bereits 1392 während der Ming-Dynastie errichtet. Sie gehörte ursprünglich zum Palast des Prinzen von Dai, einem Sohn des ersten Ming-Kaisers. Der Palast selbst wurde später zerstört und inzwischen rekonstruiert. Die Drachenwand dagegen hat die Jahrhunderte tatsächlich überstanden.
Mit rund 45,5 Metern Länge, acht Metern Höhe und zwei Metern Dicke ist sie ziemlich beeindruckend. Neun bunte Drachen verzieren die Wand. Sie gilt als die älteste und größte erhaltene "Nine Dragon"-Wall Chinas.

Heute ist Sonntag und entsprechend viele Menschen sind unterwegs.
Wir schlendern noch Richtung der großen Kreuzung, an der wir schon gestern Abend waren.
Unterwegs bettelt noch das ein odere ander Motiv...

Datong,China2026,born4travel.de
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Das auffällige Bauwerk an der Kreuzung der zwei Hauptmagistralen in der Altstadt heißt Sipailou.
Wörtlich übersetzt bedeutet das „Vier-Pfeiler-Torbogen“. Tatsächlich handelt es sich um eine Torstruktur mit vier Durchgängen, die nicht nur einst sondern auch heute noch einen wichtigen Verkehrsknotenpunkt innerhalb der Stadtmauer bildet.
Schön anzusehen ist diese Bau auch noch.

Sipailou,Datong,China2026,born4travel.de

Jetzt können wir uns Zeit lassen.

Wir kommen an einem Gebäude vorbei, das so gar nicht in das Bild einer chinesischen Altstadt passen will.
Es ist die katholische Cathedral of the Immaculate Heart of Mary, errichtet Ende des 19. Jahrhunderts von italienischen Franziskanermissionaren. Heute ist die Kirche die Kathedrale des katholischen Bistums Datong.
Unpassend wirken irgendwie die beiden Glockentürme. Sie sehen aus wie Minarette mit Dächern im typisch chinesischen Stil.
Echt seltsam.

Cathedral of the Immaculate Heart of Mary in Datong,China2026,born4travel.de

Für weitere Besichtigungen ist es jetzt nicht nur zu spät. Aber ganz ehrlich... auch die Festplatte im Hirn ist einfach voll von all den Impressionen des Tages.

An der Sipailou-Kreuzung befindet sich das Zini369, ein auffallend großes Restaurant, das wir uns schon gestern ausgeguckt haben.
Es ist extrem gut besucht. Also muss es gut sein.
Was natürlich sofort auffällt, ist, dass wir die einzigen Ausländer hier im Restaurant sind. Um einen Tisch am Fenster mit Blick auf den vierfachen Torbogen zu bekommen, müssen wir etwas warten.
Englisch spricht natürlich hier zwar niemand, dafür gibt es eine Speisekarte, die eher an ein Bilderbuch erinnert. Riesige Fotos zeigen die einzelnen Gerichte. Da fällt die Auswahl nicht ganz so schwer. Nur ob es scharf ist oder nicht - das sieht man nicht. Also vergewissern wir uns noch, damit unsere Auswahl nicht zu scharf für unsere empfindlichen Gaumen ist. Inzwischen haben wir ja gelernt, dass man das in China besser vorher klärt. 😉

Wir bestellen vier verschiedene Gerichte. Die werden - auch das ist typisch chinesisch - nicht alle zusammen serviert. Und so sitzen wir anfänglich vor diesem herrlichen Salat, dessen Blätter wie Pack Choi nur in Mini aussehen. Entweder wir hatten so lange nichts Frisches oder es ist wirklich das Knackige des Salats. Jedenfalls bestellen wir den Salat gleich noch einmal. Bevor die anderen Speisen gebracht werden.
Am Ende zahlen wir gerade einmal 72 ¥, umgerechnet etwa 9 € für all das Essen und beschließen morgen gleich wieder herzukommen.

Zini369,Datong,China2026,born4travel.de

Mit dieser guten Erfahrung sind wir auch wieder ein bisschen versöhnt mit dem chinesischen Essen. Es trifft zwar längst nicht immer unsere persönlichen Vorlieben. Aber heute passt einfach alles: frisch zubereitet, lecker und nicht zu scharf.
Geht doch! 😉


Datong

Datong ist eine der ältesten Städte Nordchinas und blickt auf eine mehr als 2.300-jährige Geschichte zurück. Besonders bedeutend wurde sie im Jahr 398, als sie unter dem Namen Pingcheng zur Hauptstadt der Nördlichen Wei-Dynastie wurde. Fast 100 Jahre lang war sie politisches und kulturelles Zentrum Nordchinas. Später trug die Stadt unter anderem den Namen Xijing – „Westliche Hauptstadt“. Datong heißt sie seit 1048.

Die Altstadt von Datong sieht anders aus als die bisherigen Altstädte Pingyao, Shaxi, Dali oder Lijiang.
Graue Ziegel, kantigere Häuser, alles ein wenig strenger im Erscheinungsbild.
Die Geschichte, wie es dazu kam, ist ziemlich interessant:
Datong hatte ein Problem. Die Stadt war jahrzehntelang vor allem als Kohlestadt bekannt. Der Bergbau hatte Wohlstand gebracht, aber auch Umweltprobleme, ein wenig attraktives Stadtbild und eine starke wirtschaftliche Abhängigkeit von der Kohle.

Der entscheidende Mann, der alles veränderte, war Geng Yanbo, der 2008 das Amt des Bürgermeisters von Datong übernahm. Nach seinem Start ins Amt verwirklichte er seine Vision für Datong und startete sofort ein gewaltiges Programm zur Umgestaltung der Stadt.
Er wollte Datong ein völlig neues Image geben. Weg von der grauen Industriestadt, hin zu einer Kultur- und Tourismusstadt.
Die historische Altstadt innerhalb der Ming-Stadtmauer sollte ihr altes Erscheinungsbild möglichst weitgehend zurückbekommen.
Gleichzeitig entstand östlich des Yu-Flusses eine moderne Neustadt. Historisches Datong auf der einen, modernes Datong auf der anderen Seite.

Deshalb ist das Datong von heute zwar eine „Ancient City“ – nur eben in neu.

Es ist Montag. Der letzte vor dem 1. Mai, der dieses Jahr auf einen Donnerstag fällt.
Auch der zweite Tag beginnt wettertechnisch vielversprechend. Die Sonne scheint, und am Himmel ist keine Wolke zu sehen.
Nach einem schönen Frühstück, das eigens für uns zubereitet wird, weil wir heute die einzigen Gäste sind, starten wir den zweiten Versuch die riesige Prince Dai Residence zu besichtigen. Diese Residenz kann man nicht übersehen. Es ist - so behaupte ich es mal - das bunteste Gebäude ganz Chinas.

Prince Dai Residence

Der Palastkomplex wurde ab 1392 für Zhu Gui, den 13. Sohn des ersten Ming-Kaisers Zhu Yuanzhang, errichtet. Mit zahlreichen Höfen, Hallen und Toren war er einst einer der größten Fürstenpaläste der Ming-Dynastie.
Vom ursprünglichen Palast ist heute allerdings nichts mehr erhalten, denn die gesamte Anlage wurde 1649 während der Kämpfe zwischen Anhängern der untergegangenen Ming-Dynastie und den neuen Qing-Herrschern zerstört.
2011 begann man mit dem Wiederaufbau und am 31. Juli 2023 wurde dieser riesige und im Stadtbild sehr dominante Prince Dai Palace für Besucher geöffnet.
Das zum Basiswissen.

Wir sind also zur richtigen Zeit hier.
Am Eingang ist erstaunlich wenig los. Die Tore sind verschlossen.
Kenner der chinesischen Sprache sind hier eindeutig im Vorteil und lesen einfach mal, was auf den großen Aufstellern geschrieben steht. Wir dagegen denken, es sei leer, weil heute Montag ist. Also laufen wir zum anderen Ende und fragen jemanden, der gerade durch einen Seiteneingang in den Palast geht.
Und wir müssen erfahren, was wir eigentlich nicht hören wollen:
Ausgerechnet heute ist die Anlage geschlossen. Der Grund: Heute laufen die Vorbereitungen für den 1. Mai.

Das ärgert mich sehr. Denn morgen wäre der Zutritt wieder möglich. Aber da sind wir schon auf dem Weg zu unserer nächsten Basis.
So schade! ☹️

Na gut. Dann gibt es eben nur ein paar Aufnahmen von außen:

Fahua Tempel,Datong,China2026,born4travel.de

Glücklicherweise hat Datong noch weit mehr zu bieten.
Da wäre zum Beispiel noch ein weiterer Tempel, der Huayan Tempel
Der ist fußläufig vom Residenzpalast zu erreichen.

Auf dem großen Platz vor dem Huayan Temple ist ebenfalls alles konsequent auf historisch getrimmt.
Dass hier so ziemlich alles neu ist, sehe selbst ich, ohne mich vorher darüber zu informieren. 😉
Aber hübsch gemacht ist es trotzdem.

Datong,China2026,born4travel.de

Huayan Tempel

Der Huayan Temple ist eine der bedeutendsten buddhistischen Tempelanlagen Nordchinas.
Die Errichtung der Tempelanlage ist nicht ganz eindeutig nennbar.
Während man auf einem Balken der Halle des Bhagavat-Sutrenspeichers eine Bauinschrift aus dem Jahr 1038 entdeckte, datieren andere Quellen die Gründungszeit des Tempels auf 1062. Es folgten Kriegsbrände, Wiederaufbau unter den Jin, Erneuerung unter den Yuan. Im Jahr 2008 begann die Stadt Datong mit dem Wiederaufbau des Huayan-Tempels, der 2010 abgeschlossen wurde. Untersuchungen der Neuzeit und Erweiterungen im 21. Jahrhundert können es nicht genauer bennenen und so vor alten Liao- und Jin-Bauten und einem neu ausgebreiteten Hofgelände und verbindet fast ein Jahrtausend von Aufstieg und Verfall.

Gleich hinter dem Eingang befindet sich ein weiter Hof mit dem ersten Tempel. Noch auffälliger hier sind aber die vielen Besucher in traditioneller Kleidung, die sich professionell fotografieren lassen. Gleich das erste Pärchen spreche ich gleich unterwegs an. Und wie immer freuen sie sich, dass ich an einem Foto von ihnen interessiert bin.

Hanfu,Huayan Tempel,Datong,China2026,born4travel.de
Hanfu,Huayan Tempel,Datong,China2026,born4travel.de
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Die Wandmalereien im ersten Gebäude, dem Hall of Universal Brightness, sehen so wahnsinnig imposant aus, wie ich solche noch nie gesehen habe.
Es gibt auf den Wänden unglaublich viel zu entdecken. Zwischen Bergen, Wolken, Tempeln und Landschaften gibt es neue Figuren und Szenen auf. Alles geht ineinander über. Ein einziges riesiges Gemälde eben.

Fast alle Wände sind mit riesigen, unglaublich detailreichen Malereien bedeckt. Und obwohl sie aussehen, als wären es Originale, sind sie tatsächlich im Zuge der Rekonstruktion entstanden. Die Wandmalereien sind moderne Arbeiten unter der Leitung von Professoren der Central Academy of Fine Arts in Peking. Historischen Vorbildern und traditionelle chinesische Techniken waren hier die Vorlage.
In dieser Halle entstanden nahezu 1.000 Quadratmeter Wandmalereien.

Hanfu,Huayan Tempel,Datong,China2026,born4travel.de
Hanfu,Huayan Tempel,Datong,China2026,born4travel.de

Kein Wunder also, dass ausgerechnet diese Halle ganz offensichtlich die absolut beliebteste Fotokulisse des ganzen Tempel ist. Wir dürfen dem Ganzen zusehen und fotografieren.

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Aber auch draußen finden unentwegt Fotoshootings statt.
Ich könnte ihnen hier ewig zuschauen. Vor allem fasziniert mich, mit welcher Akribie eine jede Pose fast wie ein Kunstwerk entsteht. Die Frauen haben dabei wirklich nichts zu lachen. 😉
Ich verstehe zwar kein einziges Wort von den Anweisungen der Fotografen, aber man sieh schon, dass es oft nur um winzigste Veränderungen geht. Was aber am Ende auf den Fotos zu sehen ist, ist ziemlich hart erarbeitet. Einfach nur hinstellen und hübsch gucken ist nicht. So eine perfekte Pose ist eine Wissenschaft.

Hanfu,Huayan Tempel,Datong,China2026,born4travel.de
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Nicht nur die einzelnen Tempelhallen sind sehenswert.
Das gesamte Gelände ist wunderschön angelegt. Zwischen den roten Mauern und dunklen Holzbauten stehen alte Kiefern, überall blüht es und dazwischen tauchen immer wieder kleine Höfe, Pavillons und Türme auf.

Einer davon ist der Bell Tower, der Glockenturm. Mit seinem roten Untergeschoss, der dunklen Holzkonstruktion und dem weit ausladenden Dach sieht er zwischen den blühenden Bäumen einfach wunderschön aus.

Hanfu,Huayan Tempel,Datong,China2026,born4travel.de
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Auch in den anderen Hallen gibt es ständig neue Details zu entdecken.
Es sind die kunstvoll gestalteten Decken, die Altäre vor den riesigen vergoldeten Buddha- und Bodhisattvafiguren, die prächtigen blaugrundigen Vasen, Räuchergefäße und anderen Ritualgegenstände. Dazwischen Blumen und Früchte als Opfergaben. Alles ist so beeindruckend. So reich verziert.

Andererseits merke ich schon, wie fremd mir eigentlich diese religiöse Welt ist.
Fast ist es mir ein bisschen unangenehm, dass ich all das bestaune und fotografiere, ohne wirklich zu verstehen, welche Bedeutung die einzelnen Figuren, Gesten und Opfergaben für die Gläubigen haben.
Denn während ein solcher Tempelbesuch für uns eher so etwas wie Rundgang durch ein faszinierendes Museum ist, hat eben der gleiche Ort für andere eine andere Bedeutung. Immer wieder sehen wir Menschen vor den Altären kniend beten. Letztendlich ist es eben nicht nur eine wunderschöne historische Anlage, sondern der heute gelebte Buddhismus.

Letztendlich ist es mir gar nicht mehr wichtig, die einzelnen Hallen hier im Bericht alle beim Namen zu nennen und bis ins letzte Detail aufzudröseln. Es ist einfach zu viel, was hier auf uns einprasselt. Zu viele Figuren, Malereien, Altäre, Dächer, Details und Geschichten.
Es ist reine Reizüberflutung. Kaum haben wir eine Halle verlassen, wartet schon die nächste. Noch prächtiger, noch detailreicher und wieder vollkommen anders.
Ich vergleiche es mal mit einem viel zu üppigen Buffet: Man möchte am liebsten alles probieren, aber irgendwann kann man einfach nichts mehr aufnehmen. Und genauso geht es uns hier. Wir schauen, staunen und lassen uns treiben, ohne jedes Gebäude, jede Figur und jedes Detail genau einordnen zu müssen.

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Besonders ungewöhnlich sind diese schief stehenden Figuren, die zu beiden Seiten des großen Altars stehen.
Es sind die sogenannten Twenty Devas, zwanzig buddhistische Schutzgottheiten aus der Ming-Dynastie.
Jede von ihnen ist etwa 2,8 Meter hoch und natürlich gleicht keine der anderen. Manche wirken wie Krieger, andere wie vornehme Hofbeamte.
Dass sie schief stehen ist beabsichtigt. Die Körper der Figuren sind zwischen 15 und 19 Grad nach vorne geneigt. Mit dieser Haltung bringen sie ihre Ehrerbietung gegenüber den Buddhas zum Ausdruck.
So stehen sie hier seit rund 500 Jahren. Denn es sind erhaltene farbig gefasste Tonplastiken aus der Ming-Dynastie (1368–1644).

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Am Ende unseres Spaziergangs geht's zur 43,5 Meter hohe Huayan Pagoda. Diese wurde erst ab 2008 nach historischen Beschreibungen aus der Liao-Zeit rekonstruiert und 2011 eröffnet. Gebaut wurde sie ganz traditionell aus Holz. Das heisst ohne moderne Metallverbindungen, sondern nur mit ineinandergreifenden Holzverbindungen. Damit ist sie die zweithöchste reine Holzpagode in China.

Den aufzuglosen und damit sehr treppenlastigen Aufstieg nach oben macht nur Rainer. Die folgenden Aufnahmen sind also copyright Rainer 😎

Huayan Tempel,Datong,China2026,born4travel.de
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Ganze zwei Stunden lustwandeln wir durch diese herrliche Anlage, bevor wir uns per Didi noch einmal kurz zurück in unsere Unterkunft bringen lassen. Hier gibt’s einen kaffeelangen Boxenstopp und dann geht es auch schon wieder weiter.

Einen Ort möchte ich heute nämlich unbedingt noch sehen.
Einen, den ich schon im Vorfeld herausgesucht habe und bei dessen Fotos wohl kaum jemand auf die Idee kommen würde, dass diese Aufnahmen in China entstanden sind.

Rote Steine in Tulin

Etwa vierzig Minuten benötigen wir von der Altstadt Datongs bis nach Tulin. Unterwegs wird die Bebauung immer dünner und die Landschaft zunehmend ländlicher. Wir fahren vorbei an Feldern, kleinen Dörfern und weitläufigen landwirtschaftlich genutzten Flächen.

An einem Tor aus, das mich eher an einen Werkseingang erinnert, steigen wir aus.
Natürlich gibt es am Eingang nicht etwa ein Faltblatt, auf dem vielleicht auch noch eine Übersichtskarte zu sehen wäre. Nein. China ist ganz umweltfreundlich deshalb gibt es am Beginn des Trails einen Aufsteller für alle. Na gut.
Entstanden ist Tulin, das übersetzt so etwas wie „Erdwald“ bedeutet, aus den Zehntausende Jahre alten Ablagerungen eines uralten Sees, der sich einst im Datong-Becken befand. Über lange Zeit trugen Wasser und Verwitterung die weicheren Schichten ab, während die widerstandsfähigeren Teile stehen blieben und viele schöne und bizarre Formen entstehen ließen.
Die eigentliche Tulin-Landschaft zieht sich etwa drei Kilometer von Nord nach Süd und rund einen Kilometer von Ost nach West, wobei die spektakulären Formationen selbst ein deutlich kleineres Gebiet einnehmen.

Nun ja. Ich habe die unendlichen Weiten solcher Badlands in den USA im Kopf und frage mich, wie wir das hier bitteschön ohne Auto erkunden sollen. 🤷‍♀️

Gleich hinter dem Eingang steht immerhin jemand, der uns die Richtung weist. Aber außer zwei bunten Toilettenhäuschen und ein paar Kamelen hinter einem Verschlag kann ich zunächst nicht viel entdecken.

Rote Steine in Tulin,Datong,China2026,born4travel.de
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Das Wetter ist ein Träumchen. Wir reisen ja schon seit Guangzhou mit der Kirschblüte. Natürlich blühen auch andere Sträucher. Also erfreue ich mich wenigstens darüber, denn obwohl ich eher zu den Optimisten gehöre, glaube ich schon, dass ich einem ziemlichen Flop aufgesessen bin. Von Sandformationen ist jedenfalls nichts zu sehen.

Rote Steine in Tulin,Datong,China2026,born4travel.de
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Irgendwann erreichen wir dann doch die Senke und schon bald stellt sich allerdings heraus, dass sich das Gelände doch problemlos zu Fuß und ganz ohne Auto erkunden lässt. Die Dimensionen kommen ungefähr den Paint Mines östlich von Colorado Springs nahe. Auch dort haben Wind und Wasser aus weichem Gestein ungewöhnliche Formen herausgearbeitet.
Wir sind einfach "Rote-Steine-Fans".

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Ähnlich wie schon bei vergleichbaren Landschaften, zum Beispiel in Frankreichs Les Orgues d'Illa, dürfen die empfindlichen Gebilde nicht betreten werden. Das finden wir beide gut.
Besonders wenn ich an unseren Besuch im Fantasy Canyon im vergangenen Herbst denke, wo wirklich jeder auf den fragilen Formationen herumklettern durfte.

Nach etwa einer Stunde kürzen wir unsere Runde ein wenig ab. Nicht nur, weil sich eine ziemlich dunkle Wolke in unsere Richtung schiebt. Wir fragen uns auch langsam, wie lange es wohl dauern wird, einen Didi hierher ins gefühlte Nirgendwo zu locken.
Aber kaum hat Rainer die Anfrage abgeschickt, kommt auch schon die Bestätigung.
Da sind wir erst einmal baff.
Mit der Cleverness unseres ursprünglichen Fahrers hatten wir nämlich nicht gerechnet. Ihm war offenbar vollkommen klar, dass wir irgendwann wieder zurückmüssen.
Also hat er einfach gewartet. 😉

Zurück in der Altstadt von Datong regnet es zwar noch nicht, dafür ist es inzwischen ziemlich windig.
Ein Punkt steht trotzdem noch auf unserer Liste: eine Fahrt auf der Stadtmauer von Datong.

Datongs City Wall

Der nördliche Aufgang – und vermutlich auch einer der Hauptaufgänge – auf die Stadtmauer von Datong befindet sich unweit unserer Unterkunft. Und natürlich führen auch hier wieder gefühlt ixundneunzig Treppenstufen nach oben. Wie ich das mittlerweile hasse!

Viel schöner anzusehen ist dagegen dieses Paar, das sich hier fotografieren lässt. Die beiden sind nicht mehr die Jüngsten und sehen in ihren traditionellen Gewändern trotzdem einfach wunderbar aus.
Nach all den jungen Frauen, die wir während unserer Reise bei solchen Fotoshootings beobachtet haben, finde ich die beiden besonders schön. 😉

City Wall of Datong,China2026,born4travel.de

Was muss man also über diese Stadtmauer wissen:
Sie entstand in ihrer heutigen Form 1372 während der Ming-Dynastie und schützte das strategisch wichtige Datong an der nördlichen Grenze des chinesischen Reiches. Mit rund 7,2 Kilometern Länge, 14 Metern Höhe und bis zu 12 Metern Breite war sie eine mächtige Verteidigungsanlage mit vier großen Stadttoren und zahlreichen Wachtürmen.

Was heute allerdings so wunderbar vollständig aussieht, ist größtenteils rekonstruiert. Ab 2008 wurde die stark zerstörte Stadtmauer nach historischem Vorbild wieder aufgebaut. Seit 2016 ist der Mauerring wieder komplett geschlossen.

Oben angekommen wollen wir uns eigentlich einen dieser Tandemwagen ausleihen. Aber bei dem inzwischen ziemlich kräftigen Wind sieht das gar nicht mehr nach einer so guten Idee aus.
Also entscheiden wir uns für Fahrräder. Zur Auswahl stehen verschiedene Gefährte, wir nehmen zwei Räder mit richtig dicken Reifen.
Und schon nach den ersten Metern steht fest: Das war eine gute Entscheidung. Hier oben fährt es sich richtig gut.
Die Mauer ist so breit, dass man beinahe vergisst, dass man sich eigentlich auf einer Stadtbefestigung befindet.

City Wall of Datong,China2026,born4travel.de
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Eigentlich wollen wir nur ein kleines Stück fahren. Bis zum ersten Wehrturm vielleicht. Aber so ist das mit unserem "eigentlich". Als wir dort angekommen, heisst's: Ach komm, noch ein Stück.
Und dann noch eins.
Entlang der Mauer stehen bereits riesige Installationen für die bevorstehenden Feierlichkeiten zum 1. Mai. Manche traditionell chinesisch, andere sehen nach Zukunft und Science-Fiction aus. 😉

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Dazwischen immer wieder die historischen Wehr- und Tortürme.
Dieser Kontrast ist schon ziemlich schräg. Andererseits aber irgendwie auch typisch für das China, das wir auf dieser Reise immer wieder erleben.

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Mindestens genauso spannend ist der Blick von hier oben.
Auf der einen Seite liegt die Altstadt mit ihrem scheinbar endlosen Meer aus grauen Ziegeldächern. Erst von hier oben wird so richtig deutlich, wie konsequent Datong in diesem Bereich sein historisches Stadtbild wiedererschaffen hat.

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Auf der anderen Seite stehen die modernen Wohnblocks.
Altes und neues Datong liegen hier unmittelbar nebeneinander – und die Stadtmauer genau dazwischen.
Je weiter wir fahren, desto dunkler wird der Himmel. Der Wind nimmt zu und mit ihm sinkt die Temperatur ziemlich rasant. Aber inzwischen sind wir längst ist entschieden, dass wir die Runde voll machen. Als schließlich auch noch die Beleuchtung angeht und der Himmel langsam ins Abendblau wechselt, sieht die Stadtmauer noch einmal völlig anders aus.

City Wall of Datong,China2026,born4travel.de
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 Ancient Town Datong,China2026,born4travel.de
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Und irgendwann wird aus „noch ein bisschen weiter“ tatsächlich eine komplette Runde.

Am Ende haben wir die gesamte 7,2 Kilometer lange Stadtmauer umrundet.
Und es macht tierischen Spaß! Nicht nur wegen der Aussicht auf die Altstadt, die Dächer und die vielen Türme Datongs. Nach all den Tempeln, Hallen und dem ewigen Treppensteigen der vergangenen Tage tut es einfach gut, mal wieder in die Pedale zu treten. Dass aus der kleinen Fahrradrunde die komplette Umrundung werden würde, haben wir so nicht geplant.

Ein letzter Blick von unten auf die Stadtmauer.
Schön war's.

City Wall of Datong,China2026,born4travel.de
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Schön war’s! Und damit meine ich nicht nur unsere Runde auf der Stadtmauer, sondern den gesamten Aufenthalt in Datong.

Meine anfänglichen Bedenken kann ich am Ende jedenfalls guten Gewissens beiseiteschieben. Datong hat uns wirklich beeindruckt – viel mehr, als ich vorher erwartet hatte.
Vielleicht kommen wir sogar irgendwann noch einmal zurück.


So geht es weiter

Morgen geht es für uns aber erst einmal weiter Richtung Osten.
Zu einer anderen Mauer.
Zu der, die die ganze Welt kennt.