Von Datong nach Mutianyu - The Great Wall

28. bis 30.April ⋅ ☀️ 22 °C

Die Große Mauer gehört wohl zu den Topzielen eines jeden Chinareisenden.
Natürlich müssen auch wir dahin.

Bei der Auswahl des „richtigen“ Abschnitts stehen allerdings gleich mehrere Möglichkeiten zur Verfügung.
Badaling – der wohl bekannteste Zugang – sollte man, so steht es jedenfalls in jedem Reiseführer, besser meiden. Zu touristisch und viel zu voll. Also versuche ich, einen anderen Abschnitt zu finden. Am besten einen, in dessen Nähe wir auch noch übernachten können.

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Das gestaltet sich aus der Ferne gar nicht so einfach. Sicherlich gibt es auch an anderen Abschnitten genügend Unterkünfte. Aber was nützt mir das, wenn sie keine Website haben und auch über die üblichen Buchungsportale nicht zu finden sind?
Und so fällt die Wahl schließlich auf das kleine Dorf Mutianyu.
Hier finde ich eine Art Mini-Hotel, das buchbar ist und auf den Fotos ganz nett aussieht.
Für gerade einmal 50 € die Nacht - inklusive Frühstück, denke ich, kann man da nicht viel falsch machen.  Wie wir allerdings nach Mutianyu kommen, darüber habe ich mir bei der Planung keine gesteigerten Gedanken gemacht. Irgendetwas wird es schon geben – hoffe ich.

Jetzt, wo es so weit ist, kontaktiere ich die Unterkunft per WeChat.
Und enttäuschenderweise gibt es keine einzige Zugverbindung bis Mutianyu. Und das in einem China, in dem man gefühlt jeden Quadratkilometer mit dem Zug erreichen kann. Wir sollen mit dem Zug bis Beijing fahren und von dort mit dem Bus weiter. Oder mit dem Taxi.
Hm.
Bus kommt nicht infrage. Also Taxi.
Das wird teuer. Das ahne ich schon jetzt.

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Auch am letzten Morgen in Datongs Five Blessings gibt es wieder ein ausgezeichnetes Frühstück. Rainer bekommt seine westliche Variante und ich meine Nudelsuppe.
Der Tag könnte also schön entspannt beginnen. Wenn, ja wenn es mit dem Shuttle zum Bahnhof genauso perfekt geklappt hätte wie alles andere in dieser Unterkunft. Denn entweder wurde es nicht bestellt oder was auch immer das Problem ist.

Jedenfalls stehen wir gefühlt eine Ewigkeit in der Tiefgarage und warten auf unseren Fahrer. Und weil Taxifahren in China nun wirklich nicht die Welt kostet, ärgern wir uns insgeheim darüber, dass wir nicht einfach darauf zurückgegriffen haben. Diesen Nervenkitzel am frühen Morgen brauchen wir wirklich nicht.
Na gut.

Irgendwann erscheint unser Fahrer dann doch und bringt uns dafür in Raketengeschwindigkeit zum Bahnhof.
Der Rest läuft wie immer.

Knapp zwei Stunden später erreichen wir Beijingbei.
Dieser Bahnhof wird mir wohl als derjenige in Erinnerung bleiben, der von allen bisher gesehenen am deutlichsten in die Jahre gekommen ist. Erst geht es vom Bahnsteig über Rolltreppen nach oben, anschließend über eine zwar vollkommen glatte, dafür aber ordentlich ansteigende Verbindung Richtung Ausgang.
Mit unserem Gepäck, das im Laufe der Reise auf wundersame Weise immer mehr geworden ist, ist das absolut kein Vergnügen mehr.

Die Geschwindigkeit kann man dem Zug ansehen...

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Entspannung setzt erst wieder ein, als wir in unserem Didi-XL-Auto sitzen. In dieser bequemen Sänfte gleiten wir beinahe lautlos durch die vollgestopften Straßen Beijings. Dass wir dabei immer wieder im Verkehr feststecken, stört uns überhaupt nicht. So können wir ganz in Ruhe die ersten Eindrücke der chinesischen Hauptstadt auf uns wirken lassen.

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Gut eine Stunde dauert die Fahrt nach Mutianyu. Für die rund 70 Kilometer Fahrt zahlen wir etwa 75€ .
Bis dahin wird die Landschaft ein bisschen grüner.
Beim Aussteigen fragt uns der Fahrer ob er warten soll. Das irritiert mich jetzt ein wenig. Kennt er etwa die Unterkunft und erwartet, dass wir gleich wieder das Gelände verlassen?

Unsere Unterkunft hat – das muss als Erstes erwähnt werden – eine gute Ausgangslage für das, was wir hier machen wollen.

Hinter dem Eingangstor erwartet uns eine grüne, inzwischen allerdings ziemlich überwucherte Anlage. Man sieht, dass es hier irgendwann einmal richtig toll gewesen sein muss.
Jetzt würde ein ordentlicher Subbotnik helfen. 😉

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Zwei Mädels nehmen uns in Empfang und zeigen uns unser Zimmer.
Und das ist wirklich nett eingerichtet und hat sogar eine kleine Terrasse. Wir sind sehr zufrieden.

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Die kostenlosen Getränke, die für uns auf dieser Reise durch China längst zur Gewohnheit geworden sind, können wir uns im großen Frühstücksraum jederzeit und in beliebiger Menge holen.

Ich finde diesen Getränkeservice wirklich ausgezeichnet. Auf unseren sonstigen Reisen mit dem Mietwagen steht bei uns immer ein Mehrfachpack Wasserflaschen im Kofferraum. Aber wie sollte das hier funktionieren? Wer soll das alles schleppen?
In China müssen wir uns darüber überhaupt keine Gedanken machen. In den Hotels gibt es eigentlich immer kostenloses Wasser und selbst in den besseren Didi-Autos stehen meistens ein paar Flaschen für die Fahrgäste bereit.
Ein kleiner Service, den man irgendwann gar nicht mehr missen möchte.

Das ist übrigens unser Frühstück. Sieht seltsam aus, ist aber richtig gut. Es gibt eine kalte Hühnersuppe, einen absolut leckeren asiatischen Gurkensalat, fermentiertes Gemüse und diese Youtiao, die auf dem ersten Blick wie Baguettes aussehen. Es sind aber lange, frittierte Teigstangen, die außen knusprig und innen wunderbar luftig sind.
Und auch wenn das Frühstück sehr einfach und vielleicht übersichtlich aussieht – wir mögen es. Sehr sogar.

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Diese Aussicht haben wir zwar nicht aus dem Zimmerfenster, aber gleich wenn wir die Zimmertür öffnen....
Da kann man einfach nicht meckern.

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Ansonsten haben die beiden offenbar keine Vorstellung davon, dass wir vielleicht noch ein paar Informationen benötigen könnten. Also müssen wir ihnen alles einzeln aus der Nase ziehen.
Zum Beispiel, wo wir heute Abend etwas zu essen bekommen könnten.

Ja, wir können etwas von einer Liste bestellen. Aber mit den chinesischen Bezeichnungen können wir nun wirklich nichts anfangen.
Letztendlich entlocken wir ihnen immerhin noch den Weg zum Zugang der Gondel, die uns morgen auf die Mauer bringen soll.


Nach einer kurzen Verschnaufpause machen wir uns also noch einmal auf den Weg dorthin. Zwar würde man die Tickets für die Gondel auch in unserer Unterkunft für uns buchen, aber irgendwie trauen wir dem Ganzen nicht so recht. Zumal wir als „Senioren“ bisher fast überall kostenlos oder zumindest für einen kleinen Obolus hineingekommen sind.

Wie auch immer.
Der angeblich kurze Weg zur Gondel entpuppt sich als gar nicht so kurz. Und vor allem als steil. Extrem steil!

Unterwegs sehen wir, dass dieses kleine Dorf offenbar Großes vorhat. Erstaunlich viele neue Unterkünfte befinden sich gerade im Aufbau. Und wenn ich mir die Werbeplakate für die jeweiligen Häuser so ansehe, wird es hier künftig wirklich tolle Übernachtungsmöglichkeiten geben. Mutianyu scheint sich auf noch deutlich mehr Besucher einzustellen.

Am Ziel angekommen, stehen wir allerdings vor verschlossenen Kiosken. Schade. Wir hatten gehofft, hier noch ein paar Informationen für morgen zu bekommen.
Zum ersten Mal denke ich: Pauschalreisende haben es in solchen Momenten eindeutig leichter. Sie müssen sich um nichts kümmern. Denn ein wenig macht uns das nämlich ein wenig nervös. Jetzt schon ein Ticket in der Hand zu halten würde mich beruhigen. Denn nach Xi’an ist dies der zweite Ort auf unserer Reise, der zu den absoluten Highlight Chinas gehört. Und den praktisch jeder Chinareisende besucht.
Aber so ist das nun mal. Uns bleibt nichts weiter übrig, als darauf zu hoffen, dass morgen alles klappt.

Gern würden wir noch so weit wie möglich zu Fuß nach oben laufen. Aber der Aufpasser lässt zunächst nicht mit sich reden. Weiter geht’s nicht. Dann drückt er doch noch ein Auge zu und lässt uns wenigstens bis zu den großen Übersichtstafeln vor. Darauf ist das begehbare Areal der Great Wall eingezeichnet und ein bisschen über ihre Geschichte zu erfahren.
Und...Wir sind dem Ziel so nahe...

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Auf dem Rückweg sondieren wir noch die Lage bei den Restaurants. Hier gibt es zwar eine Handvoll, aber bis auf zwei sind alle geschlossen. Das Dorf lebt offenbar ausschließlich von den Tagestouristen, die am Nachmittag wieder nach Beijing zurückkehren. Kaum jemand übernachtet – so wie wir – am Fuße der Mauer.

Wir kehren in eines der beiden geöffneten Restaurants ein, in dem bereits eine andere Familie sitzt.
Es ist ein einfacher Laden, aber die Auswahl ist erstaunlich groß. Und – welch ein Luxus – es gibt sogar eine englische Speisekarte.

Wir entscheiden uns für chinesische Dumplings und Orange Chicken. Kennen wir schließlich von Panda Express aus den USA. Und dort lieben wir es.
Als aber das "Orange Chicken" vor uns steht, sind wir uns einig: Dem Koch muss die Farbe in den Topf gefallen sein. 😂
Aber egal. Es schmeckt oberlecker. Und von irgendwelchen Knochenstückchen ist weit und breit nichts zu sehen.

Merke: Wahrscheinlich haben wir mit diesem Ort endgültig das touristische China erreicht.
Das merken wir übrigens auch am Preis.
Für 92 ¥ (12 €) bekommen wir hier deutlich weniger auf den Tisch als noch gestern in Datong.
Es scheint die Nähe zu Beijing zu sein, die den Preis in diese Höhe treibt.

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Gab es gestern noch eine ganze Reihe Wolken am Himmel, ist das Wetter heute einfach perfekt.
Blauer Himmel, Sonne. Besser kann man es für die Große Mauer wohl kaum erwischen.

Schon seit dem frühen Morgen beobachten wir die vielen Busse, die alle Richtung Gondelauffahrt fahren. Einer nach dem anderen. Doch während wir unser Frühstück genießen – und wir frühstücken bekanntlich ziemlich spät – bewegt sich die Armada irgendwann wieder in die andere Richtung.
Was lernen wir? Der frühe Vogel kann uns mal.
Wir machen uns erst kurz nach Mittag zu Fuß auf den Weg.
Und diese Entscheidung erweist sich als goldrichtig.

Am Kassenschalter kaufen wir unsere Tickets für die Gondel. Nein, für Senioren gibt es diesmal keine Extrawurst. Wir zahlen den vollen Preis. Auch von den befürchteten Menschenmassen - keine Spur. Niemand steht vor uns an. Wahrscheinlich gehören wir zu den wenigen Individualreisenden, die ihr Ticket nicht schon lange vorher irgendwo gebucht und bezahlt haben.

Und dann beginnt endlich unser Abenteuer „Chinesische Mauer“ – mit der Fahrt in einer Doppelmayr-Gondel hinauf zur Great Wall.
Alleine die Fahrt mit der Gondel entpuppt sich als Augenweide. Was will ich mehr...

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Die Große Mauer - The Great Wall

Landläufig wird ja immer von einer Gesamtlänge mit x Kilometern gesprochen. Genau betrachtet aber ist so eine Aussage falsch.
Das war auch uns neu.
Die Mauer war nämlich niemals ein durchgehendes Bauwerk, sondern immer schon ein komplexes System aus Mauern, Wällen und natürlichen Barrieren. In dieser Ausdehnung erstreckte sich die gesamte Anlage zusammen auf geschätzte mehr als 21.000 Kilometer.

Begonnen hat der Bau der Chinesischen Mauer bereits im 7. Jh. v. Chr. Damals errichteten einzelne chinesische Staaten erste Grenzbefestigungen.
Erst unter dem ersten Kaiser von China, Qin Shihuangdi (dessen Mausoleum wir in Xi’an besichtigt haben) gab es den Versuch, diese Einzelstücke erstmals zu erweitern und zu verbinden. Man spricht von 300.000 Soldaten, die daran gearbeitet haben sollen.
Klingt viel. Aber wenn man weiß, dass 700.000 Soldaten zur gleichen Zeit an dem Mausoleum gearbeitet haben, dann ist das ziemlich wenig.

Es gibt heute nur noch wenige verbliebene Abschnitte, die erhalten, rekonstruiert und begehbar sind. Diese stammen aus der Zeit der Ming-Dynastie (14. bis 17. Jahrhundert).

Und das ist der Abschnitt in Mutianyu:

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Die Gondel bringt uns hinauf zum Wachturm Nr. 14 der Chinesischen Mauer.
Wie nicht anders zu erwarten, ist es direkt am Ausstieg noch ziemlich trubelig.

Dieser Gedenkstein erinnert daran, dass die Henkel-Gruppe 1989 die Restaurierung dieses Abschnitts der Chinesischen Mauer finanziell unterstützt hat.
Passend dazu steht darauf: Was einst trennte, soll heute Menschen verbinden.

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Wir starten zunächst Richtung Osten. Hinter dem Wachturm geht es steil bergab. Und auch die Menschenmenge löst sich hier nicht wirklich auf.
Das hat natürlich seinen Grund: Wer in diese Richtung weiterläuft, erreicht irgendwann die andere Abfahrt mit dem Sessellift.

Uns ist es hier jedenfalls zu voll. Also drehen wir um und laufen in die entgegengesetzte Richtung. Das war die beste Entscheidung. Mit jedem Meter werden die Besucher weniger. Außerdem scheint gerade die „Vormittagsschicht“ der Reisegruppen abzuziehen, während der Nachmittagsschwung noch nicht angekommen ist.
Perfektes Timing!
Und wir haben Traumwetter. Die Sicht ist fantastisch. In der Ferne können wir sogar die Skyline von Beijing erkennen.

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Der Weg auf der Mauer ist allerdings längst nicht so schön eben wie auf den Stadtmauern von Pingyao oder Datong. Die Große Mauer folgt hier konsequent dem Kamm der Berge. Es geht ständig bergauf und bergab.

Das erinnert uns ein bisschen an die kleinen Dorfstraßen im Osten Südafrikas, die ebenfalls immer genau oben auf den Bergrücken verlaufen.

Aber genau dieses Auf und Ab macht die Große Mauer so fotogen. Sie schlängelt sich über die Bergkämme, verschwindet hinter einer Kuppe und taucht auf der nächsten wieder auf.
Genau so haben wir sie uns vorgestellt.

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Insgesamt läuft es sich sehr gut. Die Platten sind fast eben.
Wenn es nicht ab und zu ein paar Treppen gäbe, wäre es ein feiner Spaziergang. Die Anstrengung besteht aus den Steilstücken bzw. der kurzen Stücke mit extrem hohen Stufen. Aber überwiegend ist die Höhe der Stufen etwa handbreit.
Die Chinesische Mauer sieht so aus wie man sie aus unzähligen Bildern kennt.
Wir laufen von Wachturm zu Wachturm. Mal geht es über lange Treppen steil nach oben, dann wieder hinunter. Dazwischen führen die Wege durch die alten Türme, in denen es angenehm kühl und dunkel ist. Natürlich bleiben wir immer wieder stehen. Zum Fotografieren. Zum Gucken. Oder einfach nur, weil diese Landschaft zusammen mit der Mauer wirklich spektakulär aussieht.
Bei diesem Wetter sowieso.

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Das Beste: Je weiter wir laufen, desto leerer wird es.
So hatten wir uns das gewünscht.

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Auf dem Weg von Wachturm 14 bis 19 haben wir eigentlich genug gesehen.
Ich hab schlichtweg auch keine Lust mehr. Schließlich muss das Stück wieder zurückgelaufen werden.
Der Stein markiert den Hǎohàn Pō – den „Heldenhang“. Der Name spielt auf Maos berühmten Ausspruch „Wer die Große Mauer nicht erreicht, ist kein wahrer Held“ an.

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Der Anstieg hinter Wachtturm 19 beginnt mit besonders hohen Stufen und einer fiesen Steigung. Das stimmt.
Rainer braucht noch (s)ein Workout. Vor ihm liegt jetzt der anstrengendste Teil. Zwischen den Wachtürmen 19 und 20 geht es über den sogenannten Hero Slope ziemlich steil nach oben. Der Berg erreicht hier eine Höhe von 1.039 Metern.

Hinter Turm 20 geht es inzwischen noch weiter bis zu den Wachtürmen 21, 22 und 23.
Dieser Abschnitt wurde erst am 8. April 2026 offiziell für Besucher geöffnet. Also noch nicht einmal vor einem Monat.
Rainer läuft bis zum Wachturm Nr. 23 – dem derzeit westlichsten Punkt des für Besucher geöffneten Abschnitts von Mutianyu.
Natürlich endet da nicht die Chinesische Mauer. Hinter Turm 23 zieht sie sich weiter durch die Berge. Für Besucher ist hier derzeit allerdings Schluss.
Am Ende bringt er fantastische Bilder mit.

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Für mich ist hier Schluss. Ich beschließe, kehrtzumachen.
Ich habe einfach keine langen Gazellenbeine und mir reicht völlig, was ich bisher gesehen habe.
Na gut. Bis zu dem Gedenkstein laufe ich auch noch.
Aber dann mache ich mich ganz gemütlich auf den Rückweg.

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Es fällt mir allerdings schwer, wirklich Schluss zu machen. Vor allem mit dem Fotografieren.
Je tiefer die Sonne steht, desto intensiver werden die Farben. Das Grün der Berge leuchtet, die Mauer hebt sich immer deutlicher davon ab und der Himmel könnte blauer kaum sein.

Auf die Gefahr hin, dass es ab hier ein bisschen langweilig wird: Diese Fotos müssen einfach noch rein.

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Zurück an unserem Ausgangspunkt, also am Wachturm 14, starten wir doch noch einmal in die andere Richtung. Aber schon nach kurzer Zeit drehen wir wieder um.
Abgesehen davon, dass uns dieser Abschnitt gar nicht so sehr anspricht, ist hier auch wieder deutlich mehr los. Und darauf haben wir nun wirklich keine Lust.
Wir haben die Chinesische Mauer gesehen, sind selbst ein ordentliches Stück auf ihr entlanggelaufen und haben dabei mehr erlebt, als wir uns erhofft hatten.
Gut ist’s. 😊

Und die Fahrt mit der Gondel hinunter ist sowieso der perfekte Abschluss. Besser kann man diesen Tag eigentlich nicht beenden.

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Auf dem Weg zurück zu unserer Unterkunft kehren wir wieder in dasselbe Restaurant ein wie gestern. Und wir bestellen auch genau das Gleiche.
Warum Experimente machen, wenn’s schmeckt?
Nach dem Motto: Never change a running system. 😉

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Der Aufenthalt hier war kurz aber ausreichend.

Im Nachhinein würde ich es übrigens genauso wieder machen: Hier draußen am Fuße der Mauer übernachten und nicht für einen Tagesausflug aus Beijing herkommen.
Wir konnten uns Zeit lassen, mussten keinem Reiseplan hinterherhetzen und haben genau den Moment erwischt, in dem sich die großen Besuchergruppen bereits wieder auf den Rückweg machten.
Für uns war das perfekt.


So geht es weiter

Morgen verlassen wir Mutianyu und lassen uns wieder mit einem Taxi nach Beijing bringen.
Was uns dort erwartet? Keine Ahnung.
Fest steht nur: Wir werden am eigenen Leib erfahren, wie es ist, ausgerechnet rund um den 1. Mai in Chinas Hauptstadt unterwegs zu sein.
Gewarnt wurden wir schließlich oft genug: Diese Tage sollte man in China möglichst meiden. Ja, schön und gut. Aber wie genau hätten wir das bei einer zweimonatigen Reise anstellen sollen?
Zwischendurch mal eben nach Hause fliegen? 😉

Beijing, wir kommen!