Pingyao - wie einst im alten China

22. bis 25. April ⋅ ☀️ 20 °C

Nach unseren Tagen in Xi’an heißt es heute Abschied nehmen. Xi’an zeigt sich am Abreisetag bei schönstem Wetter.
Das ist so unfair... Na ja. Nicht zu ändern.

Unser heutige Zug geht spät. Es wäre also Zeit genug, um noch die ein oder andere Attraktion zu besichtigen. Wir entscheiden uns letztendlich dagegen. Lieber frühstücken wir entspannt beim besten Breakfastbuffet der ganzen Reise und kaufen ein weiteres Andenken: Im Jahr des Feuerpferdes ein Xi’an Pferd entworfen von einem Künstler der Stadt.

Unser heutiges Didi-Komfort-Taxi verdient eigentlich nicht die schnöde Bezeichnung „Taxi“. Es ist ein Voyah Dream, ein luxuriöser chinesischer Großraumvan der Premium-Marke Voyah mit dem wir da gefahren werden. Im Inneren erwartet uns viel Platz, bequeme Sitze und jede Menge Technik. So lässt es sich stilvoll zum Bahnhof fahren.
Und während draußen die Stadt an uns vorbeizieht, sind wir gespannt auf unser nächstes Ziel… Pingyao.

Voyah Dream in Xi'an,China2026,born4travel.de

Im Zugfahren sind wir mittlerweile Profis. Aber ehrlich gesagt, muss man kein Profi sein.
Man muss einfach nur dem Zugsystem vertrauen.
Aber das ist man in 🇩🇪 nun mal nicht gewohnt.

2:25 Stunden braucht unser Zug bis Pingyao.
Sobald wir Xi’an verlassen verändert sich die Landschaft langsam aber sicher. Breite Flussdeltas und viele Felder ist das, was wir aus dem Fenster sehen können. Denn rund um Xi’an und später in Shanxi werden vor allem Weizen und Mais angebaut.
Zwischendurch führt uns die Strecke sogar auf etwa 1.200 Höhenmeter. Die Landschaft wird hügeliger, trockener und irgendwie ursprünglicher. Einfach dörflicher. Ein Kontrast zu den Millionenstädten, in den wir in den letzten Tagen waren.

Xi'an to Pingyao,China2026,born4travel.de
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Wir sind wieder einmal in der 1. Klasse unterwegs. Die Fahrt kostet für uns beide zusammen 73 Euro.
Und natürlich gibt es auch diesmal wieder diese kostenlosen Boxen mit ein paar kleinen Snacks sowie einem Getränk nach Wahl. Man kann zwischen Wasser, Saft oder Tee wählen.
Ich liebe diese Verpackungen! Anfangs wollte ich sie sogar sammeln. Ich dachte, das sei etwas Einmaliges und bestimmt ein schönes Souvenir.
Tja … falsch gedacht. 😄
Die Boxen gibt es auf jeder Fahrt in der 1. Klasse. Immer mit anderen Umverpackungen und immer wieder hübsch anzusehen. Also wird ab jetzt nicht mehr gesammelt sondern nur noch fotografiert. 😉

Unsere chinesischen Banknachbarn können zwar kein Wort Englisch, versorgen uns aber ganz liebevoll mit selbstgebackenem Kuchen und Erdnüssen. Sprachbarrieren? Gibt es nicht. Gastfreundschaft funktioniert auch ohne Worte.

Xi'an to Pingyao,China2026,born4travel.de

In Pingyao Gucheng, so der Name des Bahnhofs, erreichen wir zum ersten Mal auf dieser Reise einen Bahnhof ohne Rolltreppen. In diesem fortschrittlichen und modernen China ist das tatsächlich ein Novum. Zumindest auf unserer bisherigen Reise.
Dafür erwarten uns unendlich viele Treppen. Glücklicherweise führen sie nach unten! Da kommt Rainer wieder einmal zu seinem schmerzlich vermissten Workout. 🤭

Pingyao,China2026,born4travel.de

Hier in Pingyao scheint so einiges anders zu sein. Und nicht immer nur negativ. Nein, die Taxifahrer sind hier längst nicht so aufdringlich wie anderswo. Sie bleiben einfach in ihren Autos sitzen und lassen uns in Ruhe, während wir unser Didi bestellen.
Pingyao gehört zu den kleineren Orten und entsprechend überschaubar ist die Auswahl bei Didi. Komfortautos gibt es nicht. Eigentlich wäre das kein Problem – wenn da nicht unser Gepäck wäre.
Aber wir haben Glück mit unserem Fahrer. Er bekommt tatsächlich alles irgendwie verstaut und ordentlich eingestapelt. Dass die Handkoffer auf dem Beifahrersitz landen, daran haben wir uns inzwischen schon gewöhnt.
Neu ist seit Xi’an allerdings, dass ich zusätzlich noch eine Tasche auf dem Schoß haben muss. Schließlich wollen unsere beiden Tonfiguren und das Pferd heil ankommen. Die sind zwar gut verpackt, nehmen dafür aber auch ordentlich Platz ein. 🤭

Die Adresse, zu der wir gebracht werden wollen, haben wir extra auf Chinesisch eingegeben.
Eigentlich kann also gar nichts schiefgehen. Eigentlich…
Unser Fahrer hält am Rand einer Parkanlage. Hier sollen wir aussteigen. Zu Fuß seien es noch etwa 15 Minuten, erklärt er uns – und lädt dabei mit einer frisch angezündeten Fluppe im Mund unser Gepäck aus.

„Niemals! Mit dem Gepäck?“
Das ist alles, was wir vollkommen entsetzt hervorbringen. Das kann unmöglich sein Ernst sein.
Wir bitten ihn, unsere Unterkunft anzurufen. Das tut er tatsächlich. Obwohl wir von dem Gespräch Null verstehen, erkennen wir an seinem Gesichtsausdruck, dass er offenbar eine Lösung für uns parat hat.
Also wird alles wieder eingeladen und wir fahren weiter.
Bis zu einem Stadttor. Für unseren Fahrer ist hier offenbar endgültig Schluss. Rundherum herrscht reger Betrieb, ständig flitzen kleine Buggys hin und her. Unser Fahrer ruft einem der Buggy-Fahrer etwas zu und deutet uns an, dass wir ihm folgen sollen.

Also tun wir, was man uns sagt und steigen in einen Buggy. Damit fahren wir tatsächlich ein Stück durch die Altstadt. Irgendwann werden wir wieder abgesetzt. Bevor der Buggy weiterfährt, gestikuliert man uns, dass wir durch eine schmale Gasse zwischen den Häusern weitergehen sollen.
Wir stehen etwas lost da. Eigentlich total hilflos und ziemlich geklatscht. 🤨
Ein Blick auf A-Map zeigt: Von unserem Ziel sind wir noch ein ganzes Stück entfernt.
Und jetzt?
Ich bin total bedient!
Wir laufen erst einmal ein Stück, bevor wir uns schließlich entscheiden, dass Rainer prüfen soll, ob dieser Weg überhaupt der richtige ist.
Ja. Ist er.

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Unsere Unterkunft hat nämlich eine exquisite Lage. Nicht nur mitten im Herzen der Altstadt, sondern auch noch in einem absolut autofreien Bereich.
Eigentlich ideal für Reisende mit Handtasche. 😎
Wir haben nun aber mal leider etwas mehr dabei als eine Handtasche…

Wir übernachten wieder einmal in einem Homestay. Einem renovierten, traditionellen chinesischen Haus mit mehreren Innenhöfen. Alles ist mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Genau so stellt man sich das alte China vor.

Tatsächlich ist das Gebäude ein traditioneller Hofkomplex, wie ihn wohlhabende Jin-Kaufleute während der Ming- (1368–1644) und Qing-Dynastie (1644–1912) errichten ließen. Gleich fünf Innenhöfe reihen sich hintereinander.

Pingyao Songsheng Chang Inn,China2026,born4travel.de

Fast wie in einem Museum. Irgendwie unwirklich und gleichzeitig wunderschön. Ich kann mich gar nicht sattsehen an den Innenhöfen, den alten Holztüren, Schnitzereien und all den kleinen Details.

An der Rezeption ist man dagegen - na ja, wie soll ich es beschreiben? Nicht gerade so freundlich und herzlich, wie wir es bisher in China erleben durften.
Alles wirkt ein wenig chaotisch und unorganisiert. Irgendwie haben wir das Gefühl, dass hier gerade alles ein bisschen zu viel ist. Wir - mit denen sie gar nicht kommunizieren können - möglicherweise auch.

Pingyao Songsheng Chang Inn,China2026,born4travel.de
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Schließlich werden wir zu unserem gebuchten Duplex-Zimmer gebracht. Schon auf dem Weg dorthin kommen wir wieder aus dem Staunen kaum heraus. Einer der Innenhöfe folgt auf den nächsten und jeder sieht ein bisschen anders aus.

Pingyao Songsheng Chang Inn,China2026,born4travel.de

Und dann sind wir gespannt auf unser Zimmer.
Abgesehen davon, dass die Fotos bei Trip.com offenbar mit ordentlich Weitwinkel aufgenommen wurden, entspricht alles weitgehend den Aufnahmen, nach denen ich die Unterkunft gebucht habe. Für etwa 50 € inklusive Frühstück pro Nacht kann man insgesamt wirklich nicht meckern.

Pingyao Songsheng Chang Inn,China2026,born4travel.de

Das Bett befindet sich in der oberen Etage. Es gibt zwei Wasserkocher, allerdings weder Tee noch Kaffee. Dafür ist der Kühlschrank mit verschiedenen Softdrinks gefüllt, die wir kostenlos nutzen können.
Das ist übrigens etwas, das wir in China erstaunlich häufig erleben. Jedenfalls war es auf unserer bisherigen Reise fast immer so.

Eigentlich wäre alles sehr gut, wenn das ansonsten wunderschöne Hotel nicht gleichzeitig als Fotolocation genutzt würde.
Offenbar kommen auch externe Besucher einfach herein, um sich alles anzusehen und natürlich jede Menge Fotos zu machen.

So etwas haben wir schon einmal in einem Hotel in Lecce in Italien erlebt. Dort beschränkte sich der Zugang allerdings auf den Blick in den historischen Innenhof.
Hier dagegen laufen die Besucher sogar über die Balkongänge der oberen Etage. Und nicht nur das: Manche haben überhaupt keine Hemmungen, neugierig in die Zimmer zu schauen. Selbst dann nicht, wenn sie sehen, dass wir gerade im Wohnzimmer sitzen.
Privatsphäre scheint dabei jedenfalls niemanden sonderlich zu interessieren.
Manches ist in China eben doch ein bisschen anders, als wir es gewohnt sind.

Am Abend drehen wir noch eine Runde durch die Altstadt und stellen ziemlich schnell fest, dass Pingyao zwar wunderschön, aber auch ganz schön touristisch ist.
Wir schlendern über die South Street (Nan Dajie), die historische Hauptstraße Pingyaos. Von hier ist es auch nicht weit bis zum Yingxun-Tor, dem imposanten Südtor der alten Stadtmauer.
Aber dazu später.

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Gefühlt alle zwei Meter werden wir gebeten, doch in das jeweilige Restaurant einzukehren. Manche werben sogar mit einem englischsprachigen Menü. Dabei ist fast jedes Gericht auf großen Bildern vor den Restaurants zu sehen. Aber irgendwie kann uns das alles heute nicht überzeugen. In unseren Augen sieht eh alles gleich aus. Nach so vielen Wochen chinesischer Küche wäre uns inzwischen einfach mal nach einem ordentlichen Steak. Oder Kartoffeln.
Irgendetwas, das nicht nach Reis oder Nudeln aussieht.

Am Ende landen wir dann doch im Restaurant unserer Unterkunft.
Es schmeckt ganz gut. Aber fast noch wichtiger ist, es ist glücklicherweise nicht so scharf.

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About Pingyao

Pingyao liegt in der Provinz Shanxi und blickt auf eine mehr als 2.700-jährige Geschichte zurück. Schon vor mehr als tausend Jahren, während der westlichen Zhou-Dynastie (1046–771 v. Chr.) gab es hier eine befestigte Siedlung. Aber erst während der Ming-Dynastie, 1370, bekam Pingyao seine mächtige Stadtmauer.

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Seinen großen Wohlstand verdankte Pingyao allerdings weniger seiner Stadtmauer und dem Handel – sondern vor allem dem Geld. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Stadt zum wichtigsten Finanzzentrum Chinas. Hier entstand um 1823 mit Rishengchang die erste chinesische Piaohao, eine Art Vorläufer moderner Banken. Statt große Mengen Silber auf gefährlichen Reisen quer durchs Land transportieren zu müssen, konnten Händler Geld einzahlen und sich an einem anderen Ort wieder auszahlen lassen. Ein Netz von Filialen machte solche Geldtransfers schließlich über weite Teile Chinas möglich.

Damit wurde das heute so beschaulich wirkende Pingyao für einige Jahrzehnte zu einer Art Wall Street des kaiserlichen China. Erst mit dem Aufstieg moderner Banken und der zunehmenden Bedeutung von Städten wie Shanghai und Hongkong verlor Pingyao Anfang des 20. Jahrhunderts seine führende Rolle als Finanzzentrum.

Frühstück gibt es nur bis 8:30 Uhr. Ein großes chinesisches Büfett, bei dem ich mir meine Suppe selbst zusammenstellen darf. Rainer entdeckt immerhin Toastbrot. Allerdings weder Butter noch Marmelade.
Tja, so ist das mit uns – den unangepassten Essern. 😉

Aber egal. Spätestens um 8:30 Uhr beim Frühstück zu sitzen? Ach nö. Für ein Frühstück, das uns sowieso nicht so richtig zusagt, ist uns das eindeutig zu früh.

Also kommen wir auf die Idee, uns einfach mit Obst und Joghurt einzudecken. Das reicht uns vollkommen zum Frühstück. Und Joghurt ist in China übrigens unglaublich lecker. Das sage ausgerechnet ich, die zu Hause absolut kein Joghurt-Fan ist.

Nach dem Frühstück scheint die Zeit für uns günstig, weitere Aufnahmen unserer Unterkunft zu machen. Die ersten Gäste haben ihre Zimmer verlassen. Die neuen sind noch nicht da. Die Shootings haben auch noch nicht begonnen. Also haben wir die Gänge in den Höfen für uns allein:

Pingyao Songsheng Chang Inn,China2026,born4travel.de
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Wir starten einen ausgiebigen Spaziergang durch die wirklich schöne Altstadt, besuchen auch das ein oder andere Museum - die für Senioren übrigens stets kostenlos sind.
Außerdem folgen natürlich unendliche Fotos. Denn Pingyao ist sehr fotogen.

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Das hier ist ein Papierkorb.
Sieht der nicht hübsch aus?

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Was uns in Pingyao sofort auffällt, sind die unglaublich vielen Besucher, die in historischen chinesischen Kostümen durch die Altstadt laufen. Das Ganze nennt sich Hanfu. Wobei nicht jedes Kleidungsstück, das wir hier sehen, historisch ganz korrekt dieser traditionellen Kleidung zuzuordnen ist. Aber egal. Es sieht klasse aus.

Alles rund um dieses Verkleiden ist hier in China ein richtig großes Geschäft geworden. Überall gibt es Läden, in denen man sich Kostüme ausleihen, aufwendig schminken und frisieren lassen kann. Wer möchte, bucht den Fotografen gleich dazu. Lǚpāi nennt sich diese Art der „Travel Photography“, bei der die historische Altstadt kurzerhand zur riesigen Fotokulisse wird.

Pingyao ,China2026,born4travel.de
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Und ich genieße das sehr. Ich liebe es an den Chinesen, dass sich so viele von ihnen unglaublich gern fotografieren lassen. Kaum jemand scheint ein Problem damit zu haben, wenn ich frage, ob ich ein Foto machen darf. Ganz im Gegenteil. So kommen immer wieder richtig schöne und vor allem ganz besondere Aufnahmen zustande.

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Lei Jushu Former Residence ist das ehemalige Wohnhaus des Kaufmanns Lei Jüshu, ein bedeutender Vertreter der berühmten Jin-Kaufleute aus Shanxi. Der traditionelle Hofkomplex vermittelt einen guten Eindruck davon, wie wohlhabende Kaufmannsfamilien in Pingyao während der Qing-Dynastie lebten.
Auf der erhöhten Fläche im Hof beginnt gerade eine Vorstellung. Aus der Handlung entnehme ich, dass es um eine Gerichtsverhandlung geht. Überall auf den Promenadengängen sitzen Besucher. Auch diese Drei, die absolut happy darüber sind, dass ich sie fotografiere.

Pingyao ,China2026,born4travel.de
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So das reicht für's Erste.
Nach diesem ausgiebigen Spaziergang geht’s raus aus der Altstadt. Schließlich wollen wir etwas für unser Frühstück kaufen. In der Altstadt gibt es aber außer Andenken nichts zu kaufen. Mit viel Mühe finden wir einen Buggy der ein paar Brocken englisch spricht und versteht wohin wir wollen.

Das Shoppingcenter gleich hinter der City Wall beherbergt einen Supermarkt.
Und was für einen! Einen Walmart - nur in modern, hell, sauber und mit hochglänzendem Boden, wie wir es bei den Lulu’s im Oman erleben durften. Hier gibt es alles, was der nach westlichem Essen lechzende Gaumen begehrt. Wir decken uns ein mit allerlei Müsli, weißen Pfirsichen, Heidelbeeren und Yoghurt.
Die nächsten Tage gibt es kein Chinesisch mehr.
Im KFC nebenan schieben wir noch Hühnerkeulen ohne kleinteilige Knochen nach. Mit Chinesisch kann uns keiner mehr vor‘m Ofen vorlocken.

Am frühen Abend ist das Licht so herrlich, dass wir uns auf einen weiteren Spaziergang machen. Denn Motive gehen in Pingyao nicht aus!

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Zum Abschluss gehen wir zum nahgelegenen Südtor.
Bei tiefliegender Sonne ist das hier die Fotolocation.
Egal ob mit oder ohne Kostüm.

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Eigentlich reicht für die Besichtigung von Pingyao ein einziger ganzer Tag. Das habe ich vorher nicht geahnt und wohl definitiv etwas zu großzügig geplant.

Deshalb nehmen wir uns am zweiten Tag einen Spaziergang auf der Stadtmauer vor. Das Wetter ist perfekt dafür.

Pingyao City Wall

Die Ursprünge der Befestigung sollen sogar bis in die Westliche Zhou-Dynastie (827–782 v. Chr.) zurückreichen. Die Stadtmauer, wie wir sie heute sehen, stammt im Wesentlichen aus dem Jahr 1370, also aus der frühen Ming-Dynastie. Sie ist gut sechs Kilometer lang, etwa zehn Meter hoch und umschließt die historische Altstadt nahezu vollständig. Sechs Stadttore führen hinein und hinaus, dazu kommen 72 Wachtürme. Letztere sollen symbolisch für die 72 bedeutendsten Schüler des Konfuzius stehen.
Ok. Das zu den Fakten.

Pingyao City Wall ,China2026,born4travel.de

Wir beginnen unseren Rundgang am nahe gelegenen Yingxun-Tor, dem Südtor der Altstadt. Schon von unten wirkt die gewaltige Wehrmauer ziemlich beeindruckend. Beeindruckender als auf dem Foto. Sie ist an ihrer Basis etwa acht bis zwölf Meter breit und verjüngt sich nach oben auf immer noch mehrere Meter.
Das Südtor, an dem wir starten, hat sogar eine besondere Bedeutung. Der Grundriss der ummauerten Altstadt wird mit einer Schildkröte verglichen. Das Südtor bildet den Kopf, das Nordtor den Schwanz und die jeweils zwei Tore im Osten und Westen ihre vier Beine. Deshalb wird Pingyao auch „Turtle City“ genannt.

Pingyao City Wall ,China2026,born4travel.de

Der mehrstöckige Torturm über dem Südtor gehört zu den markantesten Punkten der gesamten Befestigungsanlage. Besonders hübsch finde ich seine geschwungenen Dächer. Ich mag diese typisch chinesische Dachform einfach.

Oben entdecken wir drei… ja, was ist das denn? Sind die echt?
Drei Chinesinnen stehen dort und bewegen sich kaum. Erst als sie uns zuwinken, sind wir überzeugt, dass es sich um lebende Personen handelt. Aber andererseits… wir sind in China. Roboter sind hier schließlich keine Weltneuheit. 😉

Sie winken jedenfalls auffällig schön und gleichmäßig. Echt oder unecht? Egal. Jede bekommt ein Foto, denn wir finden die drei einfach schön!

Pingyao City Wall ,China2026,born4travel.de

Blick von oben auf den Platz vor dem Wehrturm

Pingyao City Wall ,China2026,born4travel.de

Die Stadtmauer selbst ist ungefähr 10 Meter hoch. An seiner Basis ist sie etwa 8 bis 12 Meter breit. Oben angekommen fühlt es sich deshalb weniger nach einer Mauer als vielmehr nach einem breiten Spazierweg an. Eigentlich wie eine normale Straße.

Pingyao City Wall ,China2026,born4travel.de

Es läuft sich einfach gut.
Wir sind alleine hier oben. Und es ist einfach nur toll.
Abgesehen von dem schönen Blick über die Dächer der Altstadt und auf die vielen blühenden Bäume ist es hier oben herrlich entspannt und ruhig. Unterwegs stehen immer wieder Bronzestatuen. Es gibt keine Beschreibung. Aber das stört so gar nicht. Ganz klar erkennbar ist, dass es sich um verschiedene Szenen des damaligen Lebens handelt.

Pingyao City Wall ,China2026,born4travel.de
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Wir umrunden die Mauer zur Hälfte, vom Südtor bis zum Nordtor.
Erst kurz bevor wir es erreichen, kommt uns ein anderes Besucherpaar entgegen.

Pingyao City Wall ,China2026,born4travel.de

Pingyao Catholic Church

Pingyao gefällt uns. Und so können wir noch nicht loslassen und einfach wieder in die Unterkunft gehen.

Unterwegs haben wir eine katholische Kirche gesehen. Das ist ja interessant. Gibt es hier etwa Christen?
Also spazieren wir noch einmal ein ganzes Stück zurück, stehen dann aber vor verschlossenen Toren.
Wir fragen an einem kleinen Kiosk, wann die Kirche denn öffnet, denn laut Schild müsste sie eigentlich geöffnet sein.
Die Antwort ist allerdings nicht das, was wir hören wollen: Die Kirche öffnet nur sonntags. Und da sind wir längst nicht mehr in Pingyao.
Schade eigentlich. Jetzt wären wir wirklich neugierig gewesen, wie eine katholische Kirche mitten in dieser alten chinesischen Stadt von innen aussieht.

Ein kurzer Check im Netz gibt uns etwas Einsicht: Die Kirche namens Pingyao Catholic Church, auch Anjia Street Catholic Church genannt, geht auf das Jahr 1910 zurück. Katholische Missionare waren bereits seit 1886 in der Gegend aktiv. Die ursprüngliche Kirche wurde während der Kulturrevolution schwer beschädigt, das heutige Gebäude stammt im Wesentlichen aus dem Jahr 1984. Und tatsächlich gibt es bis heute eine kleine katholische Gemeinde in Pingyao.

Pingyao Catholic Church,China2026,born4travel.de
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Schon von der Stadtmauer aus haben wir unglaublich viele blühende Bäume gesehen. Aber diesen hier mit seinen helllila, fast handtellergroßen Blüten kenne ich noch nicht.

Es ist ein Blauglockenbaum, eine Paulownie. Und wo sonst könnte der ursprünglich zu Hause sein? Natürlich in China. 😉 Im Frühjahr trägt er seine großen violetten Blüten noch bevor sich das Laub vollständig entwickelt hat. Kein Wunder also, dass uns die Bäume von der Stadtmauer aus so ins Auge gefallen sind.

Pingyao Catholic Church,China2026,born4travel.de

Pingyao City God Temple

Auf dem weiteren Rückweg entdecken wir noch den Pingyao City God Temple (Chenghuangmiao) und schauen natürlich hinein.
Schon der Innenhof ist wunderschön. Entlang der überdachten Wandelgänge hängen unzählige kleine Wunschtäfelchen und rote Laternen. Zusammen mit den alten Gebäuden entsteht genau diese typisch chinesische Atmosphäre, die wir so mögen.

Die Ursprünge des Tempels reichen bis in die Nördliche Song-Dynastie (960–1127) zurück. Nach Bränden wurde die Anlage immer wieder aufgebaut und verändert, sodass die Gebäude, die wir heute sehen, vor allem aus späteren Epochen stammen. Die Besonderheit hier ist, dass es sich eigentlich um drei Tempel in einem handelt. Neben dem Stadtgott, der über die Stadt und ihre Bewohner wachen soll, wurden hier auch der Gott des Reichtums und der Küchengott verehrt. Eine für uns ziemlich ungewöhnliche Mischung. Aber für das traditionelle China ist da nix Ungewöhnliches.

Pingyao Chenghuangmiao,China2026,born4travel.de
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Am späten Abend lassen wir uns zum zweiten Mal in China massieren.
Es ist eine Mischung aus Tuina und Akupressur. Ich bin ja kräftiges Kneten von meiner Physio zu Hause schon gewöhnt. Aber hier kocht am Ende mein Gewebe 🤣


So geht es weiter

Das war also unsere Zeit in Pingyao.

Nun geht’s weiter nach Datong. Noch eine Altstadt.
Und von Altstädten sind wir inzwischen eigentlich schon ziemlich gesättigt. Ob Datong uns da überhaupt noch überraschen kann?
Ich sag’s mal so: Datong wird’s schwer haben!