Von Chongqing nach Xi’an

19. bis 22. April ⋅ ☁️ 15 °C

Wir verlassen Chongqing bei suboptimalem Wetter. Genau wie schon am Anreisetag ist es heute eher trüb bis nebelig. Da haben wir während unserer Zeit in dieser Megacity wohl ziemlich viel Glück mit dem Wetter gehabt.

>

Mit einem Komfort-Taxi geht es zum Bahnhof Chongqingxi.
Hier startet der Zug nach Xi’anbei. 730 Kilometer sind zu überwinden.
Wir „fliegen“ zum ersten Mal BC.
Für diese Strecke braucht der G2206 nur 5:39h. Und nicht mehr. Darauf kann man sich verlassen.

G2206 Chongqing nach Xi’an,China2026,born4travel.de

Zum ersten mal sind wir mit der BC - der höchsten Kategorie in Chinas Zügen - unterwegs. Die sieht nicht nur stylisch aus. Die ist zudem mit ihren Liegesitzen wesentlich komfortabler als die 1.Klasse.
Hier gibt es - wie auch im Flugzeug eine Auswahl aus zwei Speisen, die zur gewünschten Zeit serviert wird.

G2206 Chongqing nach Xi’an,China2026,born4travel.de

Worauf wir uns so gar nicht verlassen können ist das Wetter in Xian.
Schon kurz vor dem Erreichen unseres Ziels sieht die Luft irgendwie komisch undurchsichtig aus.
Unser Didi-Auto sieht aus, als wenn er eine mehrtägige Offroadtour gefahren wäre. Die anderen Autos sehen aber nicht besser aus. Das scheint dem vielen Sand in der Luft geschuldet zu sein.
Ein Blick auf die WetterApp zeigt nichts Erfreuliches. Xi’an überrollt gerade ein Sandsturm aus der Wüste Gobi.
Der AQI-Wert für Luftqualität ist 200. Normalerweise dümpelt er ja hier so um die 15-30.
Dazu kommt noch die Vorhersage für eine ankommende außergewöhnliche Kältewelle…
Na so werden Xi‘an und wir keine Freunde mehr.

Wir steigen im Sofitel Xi'an on Renmin Square ab.
Dieses liegt an einem ganz besonderen Ort, dem Renmin Square. Einem weitläufigen, parkähnlichen Areal mit alten Bäumen. Springbrunnen und Gebäuden. Und das Ganze mitten in der Stadt.
Doch hinter dieser schönen Anlage verbirgt sich ein Stück chinesischer Geschichte.
Der Ursprung des Komplexes reicht bis in die frühen 1950er-Jahre zurück.
1953 wurde hier das People’s Grand Hotel (Renmin Dasha) eröffnet.
Es war damals das bedeutendste Hotel im Nordwesten Chinas und diente vor allem als staatliches Gästehaus. Hier wurden ausschließlich ausländische Delegationen, Regierungsvertreter und sowjetische Fachleute untergebracht. Für die normale Bevölkerung war dies ein abgeschirmtes und bewachtes Gelände und nicht zugänglich.

In den folgenden Jahren wuchs die Anlage weiter. 1954 kam das People’s Grand Theatre hinzu.
1956 ein weiteres Gebäude, das vor allem ausländische Experten beherbergte.
So entstand nach und nach ein großes Ensemble aus Hotels, Theater, Konferenzgebäuden und Gärten.

Sofitel Xi'an on Renmin Square,China2026,born4travel.de

Mit Chinas wirtschaftlicher Öffnung in den 1980er-Jahren öffnete sich der einst streng abgeschirmte Komplex allmählich für die Öffentlichkeit.
Anfang der 2000er-Jahre wurde das gesamte Areal umfassend modernisiert und unter die Führung der französischen Hotelgruppe Accor gestellt.
Heute befinden sich hier mehrere Hotels verschiedener Accor-Marken.
Unser Sofitel Xi'an on Renmin Square ist dabei eines der moderneren Gebäude.
Gleich dahinter steht jedoch das historische Hauptgebäude von 1953, das heute als Sofitel Legend People’s Grand Hotel geführt wird.

Sofitel Legend People’s Grand Hotel,China2026,born4travel.de

Dahinter kommen das Grand Mercure, das historische Theater und Konferenzbereiche.
So wohnen wir eigentlich an einem ziemlich ungewöhnlichen, historischen Ort für ein Hotel mitten in einem über 70 Jahre alten Ensemble, das die Geschichte Xi’ans und Chinas widerspiegelt.
Zugegeben, habe ich das bei der Buchung gar nicht gewusst.

Sofitel Xi'an on Renmin Square,China2026,born4travel.de

Nun - nach dieser Vorgeschichte ist es nicht verwunderlich, dass wir hier wie in einem internationalen Hotel empfangen werden, wo das Personal wirklich Englisch spricht. Nicht nur unter Zuhilfenahme einer App.
Schon die Lobby verspricht eine kleine Auszeit von China. Die Lage könnte besser kaum sein: Mitten in Xi'an, innerhalb der alten Stadtmauer und trotzdem liegt das Hotel wie eine kleine grüne Insel inmitten des Großstadttrubels.

Wir bekommen gleich mal ein Upgrade auf eine Luxussuite nebst Lounge-Nutzung. Das ist allerliebst. Das Zimmer hat ein separates Wohn- und Schlafzimmer und zwei Bäder. Etwas dunkel ist es. Aber wo soll auch das Licht herkommen, wenn es draußen gar nicht erst taghell wird.

Bei diesem Wetter scheucht man keinen Hund auf die Strasse, heißt es. Genau!
Unter diesen Bedingungen müssen und werden wir das Haus heute nicht mehr verlassen und futtern uns am Abend in der Lounge mit kleinen Häppchen satt.

Sofitel Xi'an on Renmin Square,China2026,born4travel.de
Sofitel Xi'an on Renmin Square,China2026,born4travel.de
Sofitel Xi'an on Renmin Square,China2026,born4travel.de

Das morgendliche Frühstücksbüffet ist mit Abstand das Beste auf der bisherigen Reise.
Die Auswahl ist gigantisch. Eine Wohltat für Rainer.
Für mich gibt es natürlich auch Nudelsuppe mit einer Wahl verschiedener Nudelsorten beziehungsweise Nudelsäckchen und verschiedenster Toppings. Leider ist so ein Magen auch nur endlich dehnbar 😉
Was hier sofort auffällt: Auch hier spricht das Personal Englisch.

Sofitel Xi'an on Renmin Square,China2026,born4travel.de

Xi’an

Xi'an ist heute die Hauptstadt der Provinz Shaanxi und mit rund 13 Millionen Einwohnern eine echte Großstadt.
Die Stadt liegt in der fruchtbaren Guanzhong-Ebene, im Norden vom Wei-Fluss und im Süden vom Qinling-Gebirge begrenzt. Hier werden Gemüse und Obst wie Äpfel, Birnen, Kiwis und Weintrauben angebaut. Aber auch Baumwolle und Raps. Besonders interessant ist die jährliche Wechselnutzung eines einzigen Feldes. Das heisst es wird Winterweizen im Wechsel mit Sommermais angebaut.

Was Xi'an allerdings von vielen anderen chinesischen Großstädten unterscheidet, ist seine Geschichte.
Diese reicht nämlich mehr als 3.100 Jahre zurück.
Über mehr als 1.100 Jahre war Xi'an – damals hieß es Chang'an – Hauptstadt von insgesamt 13 Dynastien.
Darunter waren so bedeutende wie die Qin-, Han-, Sui- und Tang Dynastie.
Seinen heutigen Namen Xi'an trägt die Stadt übrigens erst seit 1369.

Besonders spannend finde ich, dass hier - und nicht etwa in Peking - gleich mehrere chinesischen Dynastien mit ihrere Geschichte zusammenkommen:
Die Qin-Dynastie schuf das erste geeinte Kaiserreich Chinas.
Unter den Han wurde Chang'an (der damalige Name des Ortes) zum Ausgangspunkt der Seidenstraße und während der Tang Dynastie entwickelte sich die Stadt zu einer der größten und weltoffensten Metropolen ihrer Zeit.

In Xi'an gibt es alte Pagoden, Überreste kaiserlicher Paläste und natürlich die weltberühmte Terrakotta-Armee.

Mit Universitäten, Hightech, Luft- und Raumfahrt und moderner Industrie ist die Stadt heute eines der wichtigsten Zentren im Nordwesten Chinas.


Für den zweiten Tag ist Schlechtwetter prognostiziert. Allerdings soll es nur ein Schlechtwettertag werden.
Für morgen ist dann Dauerregen angesagt. Deshalb bleiben wir heute in Xi'an und versuchen, das Beste daraus zu machen.

Wir lassen uns also bis zum Südtor bringen. Jedenfalls ist das der Plan.
Aber wir werden an der nächstgelegenen Kreuzung abgesetzt, ein Drop-off näher am Tor ist offenbar nicht möglich. Macht gar nichts.

Direkt an dieser Ecke beginnt nämlich ein Shoppingcenter. Auch das kommt uns gelegen. Wir benötigen noch etwas aus der Watsons-Drogerie. Und als ich einen Ecco-Shop entdecke, schaue ich natürlich gleich, ob ich vielleicht meine geliebten, aber inzwischen ziemlich runter gerittenen Trackingsandalen bekomme. Insgeheim hatte ich natürlich auf ein Schnäppchen gehofft.
Aber genau wie schon im Apple Store muss ich feststellen: China ist kein Billigland. Leider!

Xi'an,China2026,born4travel.de

City Wall of Xi'An

Die City Wall wurde während der Ming-Dynastie, zwischen 1374 und 1378, gebaut. Also vor etwa 650 Jahren.
Diese gewaltige Stadtmauer aus der Ming Dynastie (1368 bis 1644) ist keine moderne Rekonstruktion. Allerdings wurde die Anlage über die Jahrhunderte immer wieder repariert und vor allem seit den 1980er-Jahren aufwendig restauriert.

Die Stadtmauer von Xi’an ist schon ein ziemlich beeindruckendes Bauwerk.
Sie umschließt die komplette historische Altstadt wie ein riesiges Rechteck und bringt es auf einen Umfang von unglaublichen 13,74 Kilometern. Die Altstadt innerhalb der Mauer ist etwa 4,25 Kilometer von Ost nach West und rund 2,75 Kilometer von Nord nach Süd groß.
Die Mauer selbst ist etwa 12 Meter hoch.

City Wall Xi'an,China2026,born4travel.de

Über einen Tunnel gelangen wir zur gewaltigen Anlage des Südtores (Yongning).
Es ist der südliche Zugang zur Stadtmauer.
Von außen ist das Ganze ziemlich beeindruckend. Hier geht es nicht einfach durch einen Durchgang in der Stadtmauer.
Das Zhalou, eine Art Schleusentor- oder Wehrturm, ist der äußerste, dem Haupttor vorgelagerte Torturm. Er steht separat vor dem Wassergraben und diente vor allem dazu, die Zugbrücke über den Graben herabzulassen oder hochzuziehen. Hier befindet sich auch die Konstruktion des ehemaligen Zugbrückenmechanismus. Ein ziemlich ausgeklügeltes Verteidigungssystem. Das heutige Gebäude wurde allerdings erst 1989/1990 rekonstruiert.
Anschließend überqueren wir den ehemaligen Stadtgraben über die Zugbrücke.

City Wall Xi'an,China2026,born4travel.de
City Wall Xi'an,China2026,born4travel.de
City Wall Xi'an,China2026,born4travel.de
City Wall Xi'an,China2026,born4travel.de

Es folgen mehrere große und beeindruckende Gebäude. Immer wieder geht es entlang hoher Mauern. Alles wirkt gewaltig und unglaublich massiv.
Noch vor einem Monat waren wir im Oman unterwegs und haben dort auch die eine oder andere Festung gesehen. Aber eine solche monströse Festungsanlage – wenn man das überhaupt so nennen darf – habe ich tatsächlich noch nie gesehen.

City Wall Xi'an,China2026,born4travel.de
City Wall Xi'an,China2026,born4travel.de
City Wall Xi'an,China2026,born4travel.de
City Wall Xi'an,China2026,born4travel.de

Letztendlich folgen noch – ganz China-like 😉 – unendlich viele Treppen, bevor wir endlich auf der Mauer stehen können.
Oben angekommen, stehen wir auf einer bis zu 14 Meter breiten Mauerkrone. Natürlich gehen wir darauf spazieren. Ich hatte keine Vorstellung von solchen Stadtmauern. Aber dass der Weg obendrauf etwa 12 bis 14 Meter breit ist, das hatte ich mir nun wirklich nicht vorgestellt. das sieht aus wie eine ganz normale Strasse. Das hatte ich nur von der "Großen Mauer" erwartet.
Auf den Feindabwehrplattformen gibt es Verkaufsstände mit Andenken und natürlich auch mit Essen.
Man könnte sogar ein Fahrrad mieten und die Mauer einfach mal umrunden.
Ja, bei schönem Wetter wären wir sofort dabei. Aber bei diesem Wetter ist das Ganze doch eher wenig einladend.
Also nehmen wir, was wir bekommen, und genießen den Überblick in alle Richtungen.

City Wall Xi'an,China2026,born4travel.de
City Wall Xi'an,China2026,born4travel.de

Blick Richtung Bell Tower:

City Wall Xi'an,China2026,born4travel.de
City Wall Xi'an,China2026,born4travel.de
City Wall Xi'an,China2026,born4travel.de
City Wall Xi'an,China2026,born4travel.de

Anschließend schlendern wir noch die Hauptstraße bis zum Bell Tower, machen ein paar Fotos und „heben“ uns die Besteigung für den heutigen Abend auf.
(Ich greife mal vor: Das fällt dann wegen Regen aus)

City Wall Xi'an,China2026,born4travel.de

Nicht weit von hier befindet sich die Touri-Meile schlechthin.
Wir erreichen die über einen Tunnel, der wie ein riesiger Kreisverkehr aufgebaut ist. Die Beschriftung ist gut gemacht. Es sind jederzeit Übersichtskarten zu sehen, so dass man wirklich nicht die Orientierung verlieren kann.
Das Wetter wird zunehmend ungemütlich.
Also beschränken wir uns ab sofort auf Innenaktivitäten. Da wäre zum Beispiel das Schokoladenmuseum.

Choc Choco Schokoladenmuseum

Also gehts zuerst in das Choc Choco Schokoladenmuseum.
Gleich am Eingang stehen Bauwerke und Szenen aus der Geschichte. Natürlich aus echter Schokolade nachgebaut. Das Museum wurde fast drei Jahre lang vorbereitet und erst vor zwei Jahren, also 2024 eröffnet. Insgesamt wurden dafür rund 100 Tonnen Schokolade verarbeitet.

Es gibt unter anderem einen Schokoladen-Glockenturm, eine Nachbildung der historischen Stadt Chang’an mit ihren 108 Stadtvierteln und am beeindruckendsten finde ich die Figuren der Terrakotta-Krieger im Maßstab 1:1. Die leicht weißliche Oberfläche soll die typische Anmutung der echten Terrakottafiguren darstellen.

Choc Choco Schokoladenmuseum Xi'an,China2026,born4travel.de

Eigentlich ist dieses Museum gar keines. 😉
Es ist ein ziemlich cleverer Gag, um uns nach der Ausstellung direkt zum Kaufen zu verführen.

Denn hier gibt es anschließend eine Verkaufsausstellung mit Unmengen an verschiedenster Schokolade. Vieles davon kann man probieren. Etwas überraschend stellen wir fest, dass die Schokolade tatsächlich richtig gut schmeckt. Nicht einfach nur süß, sondern richtig schön schokoladig, mit einem hochwertigen Geschmack und einem hohen Kakaoanteil.
Am Ende kommt's wie es kommen muss: Auch wir werden zum Opfer. Dabei entscheiden wir uns für kleine Täfelchen mit Mangostücken, verpackt in einer schönen Dose mit Xi’an-Aufschrift.

Am Drum Tower kehren wir um. Es ist extrem voll und außerdem beginnt es zu nieseln.
Dann machen wir uns auf die Suche nach dem von Conny empfohlenen Restaurant. A-Map zeigt uns genau, wo es sein soll, und dennoch brauchen wir gefühlt ewig, um es zu finden. Denn der Eingang befindet sich in der oberen Etage. Und selbst dort sind wir uns nicht sicher, ob dies wirklich das Restaurant namens De Fa Chang ist. Alles sieht irgendwie etwas verwirrend aus. Aber wir sind richtig.

Gefüllte Teigtaschen sind uns auf unseren Reisen schon oft begegnet.
Während wir in Russland Pelmeni gegessen haben, in Polen Pierogi, in Indien Samosas, in Nepal & Tibet Momos, in Japan Gyozas und in Bolivien Salteñas, heißen sie in China Jiaozi.
Als Laie sehe ich dabei erst einmal Teig mit einer Füllung. Mal gedämpft, mal gebraten, mal gekocht. 😉
Wahrscheinlich tue ich den einzelnen Spezialitäten damit ziemlich unrecht, denn natürlich unterscheiden sie sich in Teig, Form, Füllung und Zubereitung ganz erheblich. Aber sie alle haben eins gemeinsam: Sie schmecken immer verlässlich lecker. 😋

Im De Fa Chang, das es schon seit 1936 gibt, gibt es Jiaozi in unterschiedlichen Formen, Farben und Füllungen. Zusammengestellt sehen sie fast schon zu schön aus, um gegessen zu werden.
Übrigens hält dieses Restaurant den Guinness-Rekord für 318 verschiedene Dumpling-Formen.
Ganz so viele bestellen wir dann doch nicht. Uns reicht eine kleine Auswahl. Aber sie schmecken alle durchweg ausgezeichnet.

De Fa Chang  Xi'an,China2026,born4travel.de

Pappesatt bestellen wir anschließend ein Didi-Taxi, das uns zurück ins Hotel fährt.
Damit beenden wir auch unsere ziemlich kurz geratene Stadtbesichtigung. Aber bei diesem ungemütlichen Wetter kriegt uns hier auch keiner mehr raus. 😉
In der Lounge verbringen wir die restliche Zeit des Tages.
Zwischen Häppchen und Sekt lese ich mich in das spannende Leben des ersten Kaisers Qin Shihuangdi ein.

Qin Shihuangdi - Der erste Kaiser von China

Gelebt hat er von 259 bis 210 v. Chr. Das sind fast unvorstellbare mehr als 2.200 Jahre her.
Bis heute gilt der erste Kaiser Chinas als umstritten. Einerseits ist seine brutale und äußerst autoritäre Regierungsweise kaum zu rechtfertigen. Andererseits hat er China erstmals unter einer zentralen Herrschaft vereinigt und zahlreiche Reformen durchgesetzt, deren Auswirkungen teilweise bis heute nachwirken.

 Xi'an,China2026,born4travel.de

Qin Shihuangdi war gerade einmal 13 Jahre alt, als er den Thron des Staates Qin bestieg.
Kurz danach begann man schon mit dem Bau seines Mausoleums. Bis zu seinem Tod im Jahr 210 v. Chr. wurde daran gearbeitet. Etwa 36 bis 39 Jahre dauerte die Fertigstellung.

Qin Shihuangdi wurde nur 49 Jahre alt.
Das bedeutet, dass er fast sein gesamtes Erwachsenenleben in den Bau seiner eigenen letzten Ruhestätte involviert war.
Was für eine Vorstellung!
Schon als Teenager ließ er eine gigantische Grabanlage für sein späteres Leben im Jenseits errichten. Und als er starb, war sie noch immer nicht vollständig fertig.

Der Bau des Mausoleums war jedoch nicht das einzige Großprojekt des Ersten Kaisers von China. Nach der Vereinigung Chinas im Jahr 221 v. Chr. ließ er nämlich die bereits vorhandenen Befestigungsanlagen im Norden verbinden und ausbauen. Das war der Beginn dessen, was wir heute als Chinesische Mauer kennen.

Für all diese gigantischen Projekte wurden Hunderttausende Menschen zwangsverpflichtet.
Man geht davon aus, dass insgesamt bis zu 700.000 Menschen allein an dem Bau des Mausoleums beteiligt waren. Arbeiter wurden aus verschiedenen Teilen des Reiches zusammengezogen. Darunter waren Handwerker, Soldaten und auch verurteilte Straftäter. Was für eine unglaubliche Dimension dieses Bauvorhaben gehabt haben muss!

Qin Shihuangdi hatte offenbar auch im Jenseits große Pläne.
Statt – wie bei früheren Herrschern – sein engstes Umfeld mit ins Grab nehmen zu lassen, sollte eine komplette Armee aus Ton ihn in der nächsten Welt beschützen. Dass er dafür keine Menschen opfern ließ, wird ihm bis heute zugutegehalten.

Ganz so human war das Ende des Bauprojekts dann allerdings offenbar doch nicht.
Historische Quellen berichten, dass Handwerker und Arbeiter nach Fertigstellung getötet wurden, damit sie keine Geheimnisse über die Anlage verraten konnten. Archäologisch lässt sich nicht jede Einzelheit dieser Überlieferung eindeutig bestätigen, aber Massengräber mit Arbeitern wurden tatsächlich in der Umgebung des Mausoleums gefunden.
Gruselig. Das macht sprachlos.

Morgen also wird dieser Mann die Hauptrolle spielen. Denn morgen ist es endlich so weit. Morgen werden wir uns eins seiner beeindruckendsten Vermächtnisse – die Terrakotta-Armee von Xi’an anschauen. Der eigentliche Grund, warum wir überhaupt nach Xi’an gekommen sind.


Der Besuch des Mausoleum des ersten Kaisers von China, mit den unzähligen Terrakotta Kriegern war bei der Planung der Reise ein gesetzter Punkt. Genau so wie eben die Stadt Chongqing. Die Armada an Kriegern, die man so von Bildern kennt, wollte ich unbedingt mit den eigenen Augen sehen.

Mit Didi geht’s also zunächst in den kleinen Ort Lintong.
Als wir das Auto verlassen, regnet es in Strömen. Die freischaffenden Guides kleben an uns wie Kletten. Wir haben eine Klette erwischt, die uns einfach nicht mehr von der Seite weicht. Während wir also mit dem Auspacken unserer Regenmäntel kämpfen, die wir noch vom Ausflug nach Wulong besitzen, folgt sie uns unentwegt und textet uns zu. Sie behauptet tatsächlich, dass wir ohne sie nicht reinkommen würden. Ich werde langsam sauer.
Anscheinend haben wir jetzt den Teil Chinas erreicht, in dem Heerscharen an ausländischen Touristen wie Freiwild behandelt werden. Entsetzt muss ich dann auch noch Rainer zurechtweisen, der ihr das tatsächlich alles abkauft und damit geradewegs dabei ist, zum leichten Opfer zu werden. 🙄

Natürlich benötigen wir keinen Guide.
Da vermutlich 90 % der Besucher als organisierte Reisegruppen hier auftauchen, ist die Schlange an der Kasse kurz. Obwohl ich irgendwo gelesen habe, dass täglich etwa 70.000 Besucher kommen, ist eine Ticketreservierung nicht nötig.

Zum ersten Mal gibt es auch keinen Seniorenrabatt. Wir zahlen 240 ¥, also etwa 30 € pro Person. Dafür bekommen wir null Plan oder sonstige Hinweise.
Willkommen im touristischen China!

Terrakotta-Armee im Mausoleum des ersten Kaisers von China

Die Terrakotta-Armee ist nur Teil der Gesamtanlage des Mausoleums des ersten Kaisers von Chinas.
Die eigentliche Grabkammer des Kaisers ist allerdings bis heute nicht geöffnet worden.
Was wir heute besichtigen dürfen, sind nur einige Gruben mit Teilen seiner Armee.

Entdeckt wurde die Terrakotta-Armee eher zufällig.
An einem kalten Frühlingstag im März 1974 wurden drei chinesische Bauern aus dem kleinen Dorf Xiyang angewiesen, einen Brunnen zu graben. Sie gruben ein Loch und stießen auf eine Schicht harter verbrannter Erde. Sie gruben weiter und entdeckten Fragmente dieser Tonfiguren und damit das Mausoleum von Qin Shihuangdi.

Nach dieser sensationellen Entdeckung reisten Archäologen aus der ganzen Welt an und halfen bei den Ausgrabungen.
Was wohl weniger bekannt ist, dass dies nicht die erste Entdeckung solcher Tonfiguren war. Ähnliche Tonfiguren wurden schon in den Gräbern der Han-, Qing- und Ming-Dynastie gefunden.

Mit diesem Fund aber wurde nicht nur die Grabanlage des Ersten Kaisers von China entdeckt. Es lieferte gleichzeitig völlig neue Erkenntnisse über die Kriegsführung der Qin-Zeit. Obwohl die Qin für ihre militärische Stärke und ihren ausgeprägten Militarismus bekannt waren, wusste man vorher wenig darüber, wie ihre Armeen tatsächlich organisiert und ausgerüstet waren.
Historiker wussten zwar, dass Streitwagen und Armbrüste eine wichtige Rolle spielten. Wie aber die militärischen Formationen aussahen, wie die Soldaten gerüstet waren, wie die Wagen eingesetzt wurden und welche Waffen tatsächlich zum Einsatz kamen, war jedoch weitgehend unbekannt.

Insgesamt werden etwa 8.000 Terrakotta-Krieger auf dem gesamten Gelände vermutet.
Dazu weitere Pferde, Streitwagen und Waffen.
Die Figuren sind lebensgroß und erstaunlich individuell gestaltet. Keine sieht exakt aus wie die andere. In den drei Gruben (Pits) sind heute schätzungsweise 2.000 bis 3.000 Figuren zu sehen beziehungsweise bereits ausgegraben und restauriert.

Pit 1

Wie alle steuern auch wir als Erstes Halle 1 (Pit 1) an.
Das ist die Halle, die man von den berühmten Fotos kennt.
Hier steht die große Armeeformation mit rund 6.000 Figuren. Es ist überwiegend die Infanterie, dazu Pferde und Streitwagen. Das zu Theorie.

Terracotta Army – Mausoleum of the First Qin Emperor, Xi'an,China2026,born4travel.de
Terracotta Army – Mausoleum of the First Qin Emperor, Xi'an,China2026,born4travel.de

In der Praxis sieht man gleich hinter dem Eingang zur berühmten Halle - außer dass wir uns in einem riesigen Hangar befinden - erst einmal gar nichts. Jedenfalls nicht, wenn man so groß ist wie ich.
Das Gedränge ist unvorstellbar. Und es sind überwiegend ausländische Besucher, die mit ganzem Körpereinsatz arbeiten. Als ob es um den letzten Platz auf der Arche Noah gehen würde.
Ich lerne: Der ein oder andere Ellbogen kann ganz schön spitz sein.

Rainer macht da nicht mit, lässt sich ein wenig von der Masse treiben und wartet ab, ob er auf diese Weise irgendwann ebenfalls nach vorn gespült wird. Wird er aber nicht. Er profitiert von seiner Größe 😉
Es dauert eine Weile, bis ich mich überhaupt bis an die Reling vorgekämpft habe.
Letztendlich macht dieser Andrang den Besuch vom ersten Moment an irgendwie kaputt.

Meinen Fotoapparat muss ich verkrampft festhalten, um überhaupt eine einigermaßen ruhige Aufnahme hinzubekommen.
Bald aber gebe ich auf und verwende nur noch das Handy.

Terracotta Army – Mausoleum of the First Qin Emperor, Xi'an,China2026,born4travel.de
Terracotta Army – Mausoleum of the First Qin Emperor, Xi'an,China2026,born4travel.de
Terracotta Army – Mausoleum of the First Qin Emperor, Xi'an,China2026,born4travel.de
Terracotta Army – Mausoleum of the First Qin Emperor, Xi'an,China2026,born4travel.de
Terracotta Army – Mausoleum of the First Qin Emperor, Xi'an,China2026,born4travel.de

Jetzt, wo ich die Tonkrieger in Persona sehen kann, bin ich absolut nicht geflasht, hier sein zu dürfen.
Der Funke springt einfach nicht über.
Unwillkürlich vergleiche ich diesen Besuch mal mit meinem ersten Mal am Taj Mahal. Auch auf diesen Anblick hatte ich mich gefreut und war total aufgeregt, ihn endlich mit eigenen Augen zu sehen. In Natura ist das indische Mausoleum viel kleiner, als man es von den Bildern so erwartet. Und auch dort waren jede Menge Besucher unterwegs. Trotzdem stockte mir beim ersten Anblick der Atem.

Genau dieses Gefühl hatte ich bei der Terrakotta-Armee erwartet. Aber es stellt sich einfach nicht ein. Vielleicht liegt es am Gedränge, vielleicht daran, dass man die Krieger nur aus einiger Entfernung sehen kann. Der große Wow-Moment bleibt jedenfalls aus.
Wie schön wäre es, wenn man hautnah danebenstehen könnte. Aber bei dem unkultivierten Verhalten der Besucher geht das verständlicherweise nicht. Da müssen eben ein paar Zoomaufnahmen her, die man sich später auf einem größeren Bildschirm in Ruhe zu Gemüte ziehen kann.

Terracotta Army – Mausoleum of the First Qin Emperor, Xi'an,China2026,born4travel.de
Terracotta Army – Mausoleum of the First Qin Emperor, Xi'an,China2026,born4travel.de
Terracotta Army – Mausoleum of the First Qin Emperor, Xi'an,China2026,born4travel.de
Terracotta Army – Mausoleum of the First Qin Emperor, Xi'an,China2026,born4travel.de
Terracotta Army – Mausoleum of the First Qin Emperor, Xi'an,China2026,born4travel.de
Terracotta Army – Mausoleum of the First Qin Emperor, Xi'an,China2026,born4travel.de

Auf der weiteren Umrundung von Halle 1 verteilt sich die Menschenmasse etwas. Aber voll bleibt es trotzdem.
Im hinteren Teil der Halle bekommt man einen kleinen Eindruck davon, was die Archäologen eigentlich vorfinden. Neben bereits restaurierten Kriegern liegen zerbrochene Figuren und einzelne Körperteile, die erst noch zugeordnet und zusammengesetzt werden müssen. Manchmal sind es nur noch unzählige Bruchstücke, aus denen irgendwann wieder ein kompletter Krieger werden soll. Es wird gezeigt, wie unterschiedlich weit die Restaurierung fortgeschritten ist.

Terracotta Army – Mausoleum of the First Qin Emperor, Xi'an,China2026,born4travel.de
Terracotta Army – Mausoleum of the First Qin Emperor, Xi'an,China2026,born4travel.de

Pit 2 & 3

In den anderen beiden Gruben, in Pit 2 und 3, wird's ein wenig entspannter.
Hier sehen wir nicht nur das fertige Produkt nach der Restaurantion. Hier bekommen wir auch eine Vorstellung davon, welche unglaubliche Puzzlearbeit diese Ausgrabung mit sich bringt. Manche Figuren kommen zwar erstaunlich gut erhalten aus der Erde, aber andere sind total zertrümmert. Die Restauratoren müssen die einzelnen Teile zunächst zuordnen und anschließend Stück für Stück wieder zusammensetzen.
Dass das Monate dauern kann, zeigt, wie aufwendig diese Arbeit ist.

In Grube 2 ist die komplette Bandbreite der Qin-Armee vertreten.
Bogenschützen, Kavallerie, Streitwagen und Infanterie.
Hier wurden außerdem besonders viele farbig bemalte Figuren entdeckt.

Terracotta Army – Mausoleum of the First Qin Emperor, Xi'an,China2026,born4travel.de
Terracotta Army – Mausoleum of the First Qin Emperor, Xi'an,China2026,born4travel.de
Terracotta Army – Mausoleum of the First Qin Emperor, Xi'an,China2026,born4travel.de

Die Grube 3 ist dann deutlich kleiner. Dort wurden insgesamt 68 Krieger und ein Streitwagen mit vier Pferden gefunden.
Die Grube gilt aufgrund ihrer besonderen Anordnung als möglicher Kommandobereich bzw. Hauptquartier der Terrakotta-Armee.

Interessant ist - und das war uns vorher gar nicht bekannt - alle Krieger waren einst bunt bemalt und nicht so grau, wie wir sie heute sehen. Gerade in Grube 2 konnten viele dieser Farben und Bemalungen untersucht werden und liefern heute wichtige Informationen über die Kleidung und das Aussehen der Qin-Soldaten.

Und dann kommt noch ein ziemlich faszinierendes Detail dazu: Was wir heute sehen, ist keineswegs das Ende der Geschichte.
Zwischen 2009 und 2019 fand dort die dritte große Grabung statt. Selbst in Halle 1 wurde in jüngerer Zeit noch weiter ausgegraben. Dabei kamen unter anderem weitere farbig bemalte Krieger ans Licht. Deutlich mehr, als die Archäologen erwartet hatten.
Genau das ist eines der größten Probleme bei weiteren Ausgrabungen: Die Farben sehen unter der Erde zwar noch erstaunlich frisch aus, doch sobald die Figuren freigelegt werden, beginnt die empfindliche Farbschicht durch den Feuchtigkeitsverlust zu schrumpfen, sich aufzurollen und schließlich abzublättern. Innerhalb kürzester Zeit kann so ein großer Teil der ursprünglichen Bemalung verloren gehen.

Deshalb arbeitet man weiter an Methoden, die Farben direkt bei der Freilegung zu stabilisieren und dauerhaft zu erhalten. Erst wenn das zuverlässig möglich ist, möchte man weitere Bereiche großflächig öffnen. Schließlich soll die Entdeckung neuer Krieger nicht gleichzeitig bedeuten, dass ihre ursprünglichen Farben unwiederbringlich verloren gehen.

Die Arbeit an dieser Armee ist also tatsächlich noch lange nicht abgeschlossen. Und wer weiß, was unter dem Boden noch alles darauf wartet, entdeckt zu werden. UNESCO geht davon aus, dass auf dem Gelände noch Tausende weitere Figuren verborgen sein könnten.

Nach den drei Hallen führt unser Weg zunächst durch eine Art künstliches Terrakotta-Dorf. Eine komplette Geschäftsstraße reiht sich an die nächste. Terrakotta-Krieger in allen Größen, Souvenirs, Restaurants und jede Menge China-Kitsch. Irgendwie gehört das offenbar zum Gesamterlebnis dazu. 😉
So ganz böse sind wir darüber allerdings nicht. Denn eines steht fest: Zwei solcher Tonfiguren müssen als Andenken mit nach Hause. Wir finden einen Shop, der Krieger tatsächlich aus Ton – und nicht aus Plastikguss – anbietet und natürlich auch ein Zertifikat dazu liefert. Am Ende werden ein Soldier und ein Admiral transportsicher verpackt. Ach ja, ein Schachspiel mit Warrior-Figuren kommt ebenfalls noch mit.

Mit unseren neuen Mitbringseln im Gepäck geht es weiter zum Shuttle.
Jetzt verlassen wir das Areal der berühmten Terrakotta-Armee und fahren hinüber zum eigentlichen Mausoleumskomplex. Dieser Bereich rund um den Grabhügel des ersten Kaisers wird als Lishan Garden bezeichnet.

K9901 & Bronze Chariots Museum

Im weitläufigen Gelände wurden im Laufe der Jahre zahlreiche weitere Gruben und Fundstücke entdeckt. Die sind für die breite Besuchermenge (noch) nicht geöffnet.
Was für uns noch zugänglich ist, ist K9901.
Innerhalb dieser Grube befinden sich drei Grabgänge mit einer Gesamtfläche von 880 Quadratmetern. Sie gehören zu einer unterirdischen Tunnelanlage und weisen deutliche Spuren von Brand und Zerstörung auf. Dort wurden 28 Keramikfiguren, 2 Bronzegefäße, 1 halbkugelförmige Bronzevase, Keramiktöpfe, Bleiblöcke sowie ovale und quadratische Steine freigelegt. Die Keramikfiguren zeichnen sich durch ihre lebendige und einzigartige Formgebung aus und spiegeln das Unterhaltungsleben am Kaiserhof der Qin-Dynastie wider.
Die Entdeckung von K9901 liefert weitere wertvolle Funde und einen Einblick in die Qin-Kultur.

Zuletzt geht es zum Bronze Chariots Museum.
Wir sehen zuerst einen antiken Streitwagen mit Pferden und einem Kutscher aus Ton. Die grünliche Färbung auf den Figuren ist hierbei eine Illusion für den Besucher. Die Färbung soll durch eine künstliche Lichtprojektion den Fundzustand in der Ausgrabungsgrube visuell erfahrbar machen.

Terracotta Army – Mausoleum of the First Qin Emperor, Xi'an,China2026,born4travel.de

Im Herzen des Museums stehen die berühmten bronzenen Streitwagen.
Die beiden Wagen wurden 1980 nur etwa 20 Meter westlich des Grabhügels entdeckt und sind bis ins kleinste Detail nachgebaut. Sie sind zwar deutlich kleiner als die echten kaiserlichen Wagen, aber trotzdem unglaublich filigran.

Terracotta Army – Mausoleum of the First Qin Emperor, Xi'an,China2026,born4travel.de
Terracotta Army – Mausoleum of the First Qin Emperor, Xi'an,China2026,born4travel.de
Terracotta Army – Mausoleum of the First Qin Emperor, Xi'an,China2026,born4travel.de
Terracotta Army – Mausoleum of the First Qin Emperor, Xi'an,China2026,born4travel.de

Unser gesamter Rundgang dauert fast fünf Stunden.
Es bleibt dabei. Die Geschichte hinter all dem, was wir gesehen haben, beeindruckt mich weitaus mehr als das Gesehene.
Im Nachhinein kann ich sagen: Wir haben‘s mit den eigenen Augen gesehen. Nicht mehr.

Von den äußeren Ausgrabungsstellen fahren wir wieder mit einem Shuttlebus zurück zum Haupteingang. Wir sind mittlerweile so ziemlich durchgefroren. Nicht nur, dass es den ganzen Tag Strippen geregnet hat – nein, inzwischen ist es auch noch saukalt geworden. 6 °C zeigt das Thermometer auf dem Display über dem Fahrer. Das fühlt sich nach diesem nassen Tag definitiv wie tiefster Winter an.

Für restlichen Rückweg bis Xi'an nehmen wir wieder einen Didi. Wir sind erwartungsgemäß nicht die einzigen Besucher. Das dauert also bis auch wir bedient werden. Und zugegeben haben wir in diesem halb verfrorenen Zustand nicht verglichen, wie viel es auf dem Hinweg gekostet hat. Erst als wir wieder im Zimmer sind, fällt Rainer auf, dass die Fahrt deutlich mehr als auf dem Hinweg gekostet hat.
Wir vergleichen sogar die gefahrene Route. Aber nein – daran kann es nicht liegen.
Rainer eröffnet kurzerhand einen Chat mit Didi. Der Fall wird geprüft und tatsächlich wird der Endbetrag revidiert. Ja, auch das gehört zu China. 😉
Wahrscheinlich versucht man so etwas nur bei Ausländern, nach dem Motto: Die merken das sowieso nicht. Dumm nur, wenn die Rechnung nicht aufgeht. 😜


So geht es weiter

Xi’an hätte sich wettertechnisch einfach mal von seiner besseren Seite zeigen können. Stattdessen hat uns der Regen einen ziemlich großen Strich durch die Rechnung gemacht. Vieles blieb deshalb unbesucht. Das ist natürlich schade. Ob wir irgendwann noch einmal hierherkommen werden, steht in den Sternen.

Jetzt heißt es jedenfalls Abschied nehmen. Unser nächstes Ziel ist Pingyao. Darauf freue ich mich schon. Die kleine historische Stadt wird wohl der komplette Gegensatz zum modernen Xi’an.
Innerhalb Pingyao's gut erhaltener Stadtmauer soll sich eine der schönsten historischen Altstädte Chinas verstecken...