Lijiang & Bluemoon Valley

7. bis 10. April ⋅ ☀️ 20 °C

Unsere Unterkunft befindet sich in der Altstadt, nicht weit vom Nordtor entfernt.
Diese Altstadt ist anders als die, die wir bisher kennengelernt haben.
Sie ist unglaublich verwinkelt und liegt zum Teil in einer Senke. Es geht also nicht nur nach rechts und links, sondern ständig auch bergauf und bergab.
Hier kann man sich wirklich verlaufen.

Zwei Mitarbeiter der Unterkunft holen uns samt Gepäck ab. Das ist auch gut so.
Denn die Unterkunft liegt ziemlich versteckt mitten in der komplett autofreien Altstadt. Es geht viele Treppen hinunter, dann um die eine Ecke und gleich wieder um die nächste. Schon nach kurzer Zeit verliere ich völlig die Orientierung.

Das Jungli Yusu Inn ist ein verwinkelter, traditioneller chinesischer Bau mit zwei Innenhöfen.
Nichts ist nachgebaut. Alles ist noch original. Genau wie die gesamte Altstadt. Natürlich wurde das Innere auf einen modernen Stand gebracht.

Das erste Zimmer tauschen wir allerdings. Es ist uns einfach zu eng. Schließlich bleiben wir drei Nächte hier.
Wir bekommen ein etwas größeres Zimmer. Das hat zwar keine Sitzgelegenheit, aber das ist halb so schlimm. Dafür findet sogar der Massagesessel seinen Platz.

Schade nur, dass die riesige freistehende Badewanne so viel Raum einnimmt. Freistehende Badewannen scheinen für viele Chinesen ein Ausdruck von Luxus zu sein. Uns würde eine großzügige Dusche völlig reichen.

Jingli Yisu Inn,Lijiang,Yunnan,China2026,born4travel.de

Draußen sieht es am ersten Abend nach Regen aus. Wir gehen trotzdem hinaus.
Die Hotelangestellte besteht darauf, dass wir einen Schirm mitnehmen.
Die engen, verwinkelten Gassen haben unendlich viel Flair. Sogar bei diesem trüben Wetter.
Wir laufen ziellos. Einfach so. Lassen uns treiben.
Alles ist schön. Alles ist fotogen.
Selbst der schmale Wasserlauf zwischen den Häusern trägt zu dieser besonderen Atmosphäre bei. Und überall grünt und blüht es. Üppiger geht es kaum.

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Die Freude ist groß, als wir diese Flaschen in der Auslage entdecken. Auch hier gibt es wieder diesen Joghurt.
Dass man diesen in Yunnan so häufig begegnet, ist kein Zufall. Vor allem im Nordwesten der Provinz, rund um Dali, Lijiang und Shangri-La, hat die Milchwirtschaft eine lange Tradition. Hier leben unter anderem die Bai, Naxi und Tibeter, bei denen die Haltung von Rindern und Yaks seit Jahrhunderten zum Alltag gehört.
Der Joghurt wird in diesen dekorativen kleinen Porzellanflaschen verkauft. Die sind einfach viel zu schade, um sie einfach wegzuwerfen. Deshalb kann ich es schon jetzt verraten: Am Ende unserer Reise wird nicht nur eine dieser hübschen Flaschen den Weg bis in unsere Küche nach Deutschland finden.

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In einem Café namens Anyun lassen wir uns nieder.
Eigentlich wurde es mir bei der Suche als Rooftop-Café angezeigt. Von einem Rooftop kann hier allerdings keine Rede sein. Das ist aber halb so schlimm, denn das Ambiente ist – ich verwende diesen Ausdruck wirklich nur selten – atemberaubend. Das beginnt schon im Eingangsbereich. Trompetenblüten in dieser Größe habe ich noch nie gesehen.

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Gefühlt Hunderte blühende Hortensien und unzählige andere Blumen in Töpfen und Eimern schmücken den Innenhof dieses typischen Naxi-Hauses. Alles ist mit unglaublich viel Liebe zum Detail dekoriert. Man fühlt sich wie in einem verwunschenen Garten. Hier wird wahrscheinlich mehr fotografiert als Kaffee getrunken. 😉
Natürlich sind auch hier wieder junge Frauen in den landestypischen Gewändern vergangener Zeiten unterwegs, die sich vor dieser traumhaften Kulisse fotografieren lassen.

Der Cappuccino schmeckt übrigens hervorragend. Dazu bestellen wir zwei verschiedene Kuchen. Und beide sind ein Traum.

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Lijiang

Nach Dali, Shaxi und Shangri-La ist Lijiang nun unsere letzte große Altstadt Yunnan's.
Und sie ist anders als alle anderen zuvor.

Die Geschichte der Stadt reicht mehrere Jahrhunderte zurück. Ihre besondere Bedeutung entwickelte Lijiang vor allem während der Ming- und Qing-Dynastien, als die Stadt ein wichtiger Handelsplatz an der legendären Tee-Pferde-Straße war. Händler, Reisende und verschiedene Kulturen prägten die Stadt und machten sie zu einem wichtigen Knotenpunkt zwischen den Regionen.

Unser erster abendlicher Spaziergang, der uns nicht einmal weit von unserer Unterkunft wegführt, begeistert uns sofort.

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Die historische Altstadt von Lijiang, vor allem der Bereich Dayan (historische Kern der Altstadt von Lijiang), umfasst etwa 3,8 Quadratkilometer und ist ein faszinierendes Labyrinth aus engen Gassen, kleinen Wasserläufen, Brücken und traditionellen Naxi-Häusern mit Innenhöfen. Anders als viele künstlich errichtete „Altstädte“ in China ist Lijiang über Jahrhunderte gewachsen und hat seine ursprüngliche Struktur weitgehend bewahrt.

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Noch heute leben Menschen in den alten Häusern der Altstadt. Obwohl viele Bewohner inzwischen in modernere Wohngebiete außerhalb der Altstadt gezogen sind und zahlreiche historische Gebäude eine neue Nutzung, zum Beispiel als Unterkunft oder Restaurant bekommen haben.

Das ist übrigens das Nordtor kein mittelalterliches Stadttor wie etwa in Xi'an oder Pingyao. Es ist ein in Neuzeiten angelegter Zugang zur historischen Altstadt und wurde im Zuge der touristischen Erschließung Lijiangs geschaffen. Lijiang besaß nämlich bei der Entstehung der Stadt keine typische Stadtmauer. Einer Legende nach verzichtete die damals herrschende Mu-Familie bewusst darauf, weil ihr Familienname 木 (Mu), von einer Mauer umschlossen, das Schriftzeichen 困 (kùn = eingeschlossen, gefangen) ergeben hätte. Und dies wäre ein schlechtes Omen.

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Blue Moon Valley

Am nächsten Tag fahren wir ins Blue Moon Valley. So ganz genau habe ich es nicht vorgeplant. Wieder einmal war es ein Foto bei Instagram, das mich angelockt hat.

Das Blue Moon Valley liegt am Fuß des Jade Dragon Snow Mountain (Yulong Xueshan) nördlich von Lijiang. Es gehört zur Jade Dragon Snow Mountain Scenic Area, einem der bekanntesten Natur- und Landschaftsgebiete in Yunnan. Der Bereich ist kein Nationalpark im klassischen Sinn, wie wir ihn aus Europa oder den USA kennen, sondern ein staatlich verwaltetes Landschaftsschutzgebiet. In China nennt man es Scenic Area. Seit 2007 gehört die Region zum UNESCO-Welterbe als Teil der „Drei parallel verlaufenden Flüsse von Yunnan“ (Three Parallel Rivers).
Seinen Namen verdankt das Tal dem türkisfarbenen Wasser des Baishui River, der durch mineralhaltiges Gestein diese außergewöhnliche Farbe erhält. Die weißen Kalkablagerungen im Flussbett erinnern an Schnee und bilden zusammen mit dem klaren Wasser, den grünen Wiesen und dem gewaltigen Gletscherberg im Hintergrund eine fast unwirkliche Landschaft.

Uns bringt Didi hin.
Knapp eine Stunde dauert die Fahrt. Dafür zahlen wir 76,7 CN¥ – das sind 9,71 €.

Am Eingang des Landschaftsgebietes will man unsere Pässe sehen.
Hier wird der Eintritt kassiert. Wir zeigen unsere Pässe vor. Ein kurzer Blick der Rangerin reicht.
Sie weist uns darauf hin, dass wir nur die Hälfte zahlen müssen. Ü-60 eben.

Der Taxifahrer weiß, wo wir hinwollen, und setzt uns am richtigen Ort ab.
Ab hier läuft wieder alles wie am Schnürchen:
Busticket kaufen (natürlich zum halben Preis – das müssen wir gar nicht erwähnen) und anschließend bringt uns der Bus bis zum gewünschten Bereich.

Die Fahrt zu den Gletscherseen ist schon die Reise wert. Die Aussicht aus dem Bus ist der Knaller.

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Wir sind die einzigen Ausländer im Bus.
Leider verstehen wir deshalb auch nicht, wann wir aussteigen müssen. Eigentlich orientieren wir uns in solchen Fällen immer an den anderen Fahrgästen. Aber auch sie reagieren beim ersten Stopp nicht. Also fahren wir viel zu weit.
Das ist aber halb so dramatisch. Wir befinden uns immer noch mitten in dieser herrlichen Landschaft mit den kaskadenartigen Gletscherseen.

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Hier ist echt was los. Denn dieser Ort scheint die Nonplusultra-Location für Hochzeitsfotografie zu sein.
Aber dieser Platz ist auch wirklich wunderwunderschön und prädestiniert dafür. Mit Sonne wäre es natürlich perfekt, aber man kann nicht alles haben.
Wir sind trotzdem total geflasht von dieser Landschaft. Und eines ist sicher: Wir haben genug an für diese frischen Temperaturen.
Ganz anders als all die Bräute, die für das perfekte Foto offenbar bereit sind, sich den A... abzufrieren. 😉

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Zum Abschluss gehen wir zur etwas höher gelegenen Kaskade.
Es ist einfach nur traumhaft.

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Nach drei Stunden geht es zurück. Direkt in einen Massagesalon, den ich online rausgesucht habe.
Aber sie haben momentan keine Kapazität.
In Vietnam würde man vermutlich direkt vor Ort jemanden organisieren. Hier ist das nicht so.
In anderthalb Stunden hätten sie etwas frei. Das ist ok für uns. Wir chillen etwas auf dem Zimmer und stehen pünktlich zur vereinbarten Zeit wieder auf der Matte.
Die 90-minütige Massage soll Thai sein. Hm.
Ich würde sagen: Einiges kommt hin. Aber eigentlich ist es eher ein Mix aus Thai-Massage und Akupressur.
Wir liegen auf beheizten Matten. Die Augenmaske ist mit diesen sich selbst erwärmenden Granulaten gefüllt. Boah! Fühlt sich das gut an. Schon geistert mir der Gedanke durch den Kopf: So ein Ding muss ich mir besorgen und am besten gleich als Großpackung mit nach Hause nehmen. 😉


Impressionen aus Lijiang

Auch den letzten Tag verbringen wir in der schönsten aller Altstädte auf unserer Reise durch Yunnan.

Wir starten ziemlich planlos in Richtung des anderen Teils der Altstadt, den wir bisher noch nicht gesehen haben, und entdecken eine deutlich touristischere Seite Lijiangs.
Anfangs sind wir noch fast allein unterwegs. Die Gassen sind wunderschön und herrlich verwinkelt.
Jede Ecke ist ein Fotomotiv.
Nicht einmal Rainer kann sich zurückhalten.

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Irgendwann aber erreichen wir den Yùhé, den „Jadefluss“. Er ist einer von vielen Wasserläufen, die sich wie ein Netz durch die Altstadt ziehen und vom Schmelzwasser des Jade Dragon Snow Mountain gespeist werden.
Hier wird deutlich, dass Lijiang längst kein Geheimtipp mehr ist. Die vielen Geschäfte, Cafés und Restaurants zeigen, wie stark der Tourismus Einzug gehalten hat. Besonders an den typischen Instagram-Hotspots wird es haarig. Hier wollen alle dasselbe Foto mit genau demselben Hintergrundmotiv machen.

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Was auffällt sind die Shops mit Kleidung aus blau-weißen Stoffen.
Diese traditionelle Indigofärbung hat in Yunnan eine lange Geschichte. Besonders die Naxi rund um Lijiang und die Bai in der Region Dali pflegen dieses alte Textilhandwerk. Mit Indigo und traditionellen Färbetechniken entstehen die typischen weißen Muster auf blauem Grund – heute natürlich auch als beliebte Souvenirs, aber ursprünglich ein echtes regionales Handwerk.

Wir spazieren noch bis zum Large Water Wheel.
Am Wetter kann man heute nicht meckern. Vom weitläufigen Platz ist sogar die Bergkette des Jade Dragon Snow Mountain zu sehen. Hier erreichen wir auch den westlichen Rand der Altstadt.

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Hinter dem Westtor beginnt sofort das "Hustle & Bustle" einer ganz normalen Großstadt.
Ein Shoppingcenter reiht sich an das nächste.
Bei Watsons hole ich mir dann endlich diese Self-Heating Steam Eye Masks. Diese Dinger müssen einfach mit nach Deutschland. Am besten natürlich gleich als Großpackung.
Zum Schluss geht es noch in den Supermarkt. Wir kaufen etwas Obst für zwischendurch.
Die Präsentation der Waren in der Obst- und Gemüseabteilung ist eine echte Augenweide. Alles sieht unglaublich frisch aus, die Auswahl ist riesig und die Preise sind erstaunlich niedrig. Hätten wir hier eine Unterkunft mit Küche, würde ich am liebsten den Einkaufswagen voll packen.

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Eigentlich wollen wir am letzten Abend irgendetwas Westliches essen.
Wir wären sogar mit einer Pizza zufrieden - was normalerweise nicht so unser Ding ist. Vom chinesischen Essen brauchen wir erst einmal eine kleine Pause. Das, was uns in Deutschland als chinesisches Essen serviert wird, hat mit dem, was wir hier in Yunnan kennengelernt haben, nur wenig gemeinsam. Meist kämpfen wir mit den oft sehr scharfen Speisen.
Was uns allerdings am meisten stört: Das Fleisch wird nicht vom Knochen gelöst. Stattdessen wird es mitsamt den Knochen in kleine Stücke zerteilt. Das ist übrigens in vielen Teilen Asiens üblich.
Hier nervt es uns allerdings irgendwann, nicht entspannt essen zu können, sondern ständig die kleinen Knochenstücke aus dem Mund sortieren zu müssen.
Am Ende wird das Hotpot wohl unser letztes in China gewesen sein. Zumindest hat uns die Variante hier in Yunnan deutlich weniger überzeugt als die Hotpots, die wir aus Singapur oder Thailand kennen.

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Mit dem Aufenthalt in Lijiang endet auch unsere Zeit im wunderschönen Yunnan.
Eine Provinz voller landschaftlicher Höhepunkte, faszinierender Kulturen und unvergesslicher Begegnungen.
In Vorbereitung auf die Reise habe ich viel über das faszinierende Yunnan gelesen. Hier vor Ort wurden meine Erwartungen mehr als erfüllt. Die schönen Erinnerungen an diese abwechslungsreiche Provinz werden mein persönliches Highlight auf dieser Reise sein.


So geht es weiter

Als Nächstes geht es weiter in den Norden. Nach Chengdu in die Provinz Sichuan.
Dort wartet schon eine beeindruckend moderne City auf uns und die wohl bekanntesten Bewohner Chinas.