Von Beijing nach Zhangjiajie

5. Mai ⋅ ☀️ 27 °C

Nach fünf Tagen Beijing ziehen wir weiter.
Unser nächstes Ziel ist ein Ort, den ich irgendwann einmal bei einem meiner Follower entdeckt habe: Zhangjiajie.
Damals konnte ich den Namen weder aus dem Gedächtnis schreiben, geschweige denn aussprechen. Aber die Bilder fand ich faszinierend.

Aus Beijing gibt es an diesem Tag nur eine einzige Zugverbindung ohne Umstieg und die dauert ganze zwölf Stunden. Das wäre zwar machbar, aber wir entscheiden uns letztlich für die deutlich schnellere Variante und nehmen den Flieger. Den buche ich vorsorglich bereits Ende Februar, schließlich liegt unser Reisetermin mitten in der Feiertagswoche.
So weit, so gut.

Etwa zehn Tage vor dem Flug prüfe ich eher aus Langeweile während einer Zugfahrt noch einmal den Preis und stelle einigermaßen schockiert fest, dass er sich inzwischen halbiert hat.
Sehr gut 😵‍
Aber anstatt sofort zu handeln, verschiebe ich die Sache allerdings auf später. Am nächsten Morgen, als sie mir wieder einfällt, gibt es nur noch ein einziges Ticket zu diesem Preis. Also storniere ich kurzerhand einen der Flüge aus unserer Gesamtbuchung. Kostenlos.
Fünf Tage vor dem Abflug taucht dann tatsächlich noch einmal ein Ticket zum halben Preis auf. Also storniere ich erneut und bekomme auch diesmal den ursprünglichen Betrag vollständig zurückerstattet.

Schon beeindruckend, was bei Trip.com alles möglich ist.
Das zur Vorgeschichte.


Beijing Daxing International Airport

Bis zum Beijing Daxing International Airport brauchen wir etwa 70 Minuten.
Der Flughafen erstreckt sich über mehrere Ebenen und ist in Form eines riesigen Seesterns gebaut.

Entworfen wurde das spektakuläre Terminal von Zaha Hadid Architects und 2019 eröffnet.
Allein das Terminal umfasst rund 700.000 Quadratmeter und gehört mit seinen rund 47 Quadratkilometern Fläche zu den größten der Welt. Genauer gesagt, steht es in der Rangliste nach Größe momentan an siebter Stelle. 2025 wurden hier bereits rund 54 Millionen Passagiere abgefertigt.
Das eigentlich Geniale an der Seesternform ist aber nicht nur die Optik. Die fünf weit in alle Richtungen reichenden Arme sorgen dafür, dass trotz der gigantischen Dimensionen die Wege zu den Gates vergleichsweise kurz bleiben. Vom Zentrum des Terminals soll man das jeweils am weitesten entfernte Gate in weniger als acht Minuten zu Fuß erreichen können.
Zaha Hadid selbst erlebte die Fertigstellung dieses gigantischen Flughafens allerdings nicht mehr. Sie starb 2016.

Zaha Hadid ist in der Welt der Architektur keine Unbekannte. Ihren Bauwerken sind wir schon mehrfach begegnet. So zum Beispiel gleich zu Beginn unserer China-Reise. Da war die spektakuläre Guangzhou Opera. Aber auch das Galaxy SOHO, an dem wir erst vor ein paar Tagen mit dem Fahrrad durch Beijing vorbeigefahren sind.
Übrigens gibt es auch in Europa das ein oder andere Werk von ihr. Da wäre das MAXXI – Museum für zeitgenössische Kunst in Rom, das London Aquatics Centre für die Olympischen Spiele 2012. Aber auch in Deutschland wurde nicht gekleckert. Hadid entwarf das BMW Zentralgebäude in Leipzig, das phaeno Science Center in Wolfsburg und die Vitra Feuerwache in Weil am Rhein. Letztere war übrigens etwas ganz Besonderes: Die Vitra Feuerwache wurde 1993 fertiggestellt und war das erste Gebäude überhaupt, das nach einem Entwurf Zaha Hadids realisiert wurde.

Beim Check-in zuckt man trotz unseres deutlich übergewichtigen Gepäcks nicht einmal mit der Wimper. Auch bei der Personenkontrolle werden wir trotz Piepen einfach durchgewunken.
Bis hierhin also, läuft alles bestens.
Genau so hätte es weitergehen können.

Dann machen wir noch ein paar Aufnahmen vom Airport. Und ganz ehrlich? Irgendwie kann man es fotografisch nicht wirklich wiedergeben. Es sieht auf den Fotos ganz nett aus. In Natura ist es wesentlich imposanter!

Beijing Daxing International Airport,China2026,born4travel.de
Beijing Daxing International Airport,China2026,born4travel.de
Beijing Daxing International Airport,China2026,born4travel.de
Beijing Daxing International Airport,China2026,born4travel.de
Beijing Daxing International Airport,China2026,born4travel.de
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Na ja. Dann aber folgt die Gepäckkontrolle.
Welch ein Stress!

Sowohl mein Handkoffer als auch die Tasche mit den gekauften Souvenirs und den gesammelten Geschenken aus den Hotels werden aussortiert.
Natürlich auch die zwei kleinen Flaschen Spezialessig, die wir vom Hotel in Pingyao bekommen haben. Die habe ich tatsächlich vergessen, ins Aufgabegepäck zu packen. Obwohl die Flaschen jeweils nur 100 ml enthalten, werden sie uns abgenommen.
Diese Regelung gelte hier nämlich nur für Kosmetika, nicht für andere Flüssigkeiten, erklärt man uns. Theoretisch könnten wir den Essig noch als Gepäck aufgeben.
Meine Kamera darf ich nach kurzer Begutachtung immerhin behalten.

Rainer wiederum wird die Powerbank abgenommen.
Genau die Powerbank, mit der wir bereits von Lijiang nach Chengdu geflogen sind.
Das Problem: Sie ist „Made in China“ und trägt lediglich ein CC-Label. Erlaubt sei aber nur CCC. Wir können es kaum glauben und werden deshalb zu einem speziellen Counter geschickt. Immer wieder hören wir den Hinweis, die Powerbank sei „Made in China“.
Dabei kann ich mir die sarkastische Bemerkung nicht verkneifen und erwidere wiederholt, dass das doch eigentlich perfekt passe. Schließlich seien wir ja in China.
Das findet hier irgendwie niemand lustig.

Am Counter diskutiere nicht nur ich, um irgendwie an die so geliebten Helferlein zu kommen. Es sind viele. Wir alle haben Powerbanks ohne einem CCC Zertifikat. Und das reicht eben nicht in China. Aber irgendwann beendet die Beamtin sämtliche Diskussionen mit einem ziemlich eindeutigen:
„No way.“
Und zeigt auf den Aufsteller, der auf der Theke steht.
Also heißt’s: Auf Nimmerwiedersehen! Du warst uns stets ein treues und verlässliches Helferli in manch einer brenzligen Situation!

Währenddessen versucht Rainer noch, den Essig irgendwie ins Aufgabegepäck zu befördern. Dafür muss er die Sicherheitszone wieder verlassen. Trotz größter Bemühungen der Mitarbeiterin am Check-in würde es allerdings viel zu lange dauern, unsere bereits aufgegebenen Koffer wieder zurückzuholen. Irgendwann resigniert Rainer und schenkt ihr kurzerhand die beiden Flaschen Essig.

Am Ende sind wir also nicht nur um den Essig und die Powerbank ärmer, sondern verpassen auch noch den Aufenthalt in der Lounge.
Und genau die hätte ich wirklich gern gesehen.

Als wir schließlich am Gate ankommen, hat das Boarding schon begonnen.
Ich seh’s positiv: Einfach mal ohne jede Wartezeit direkt hineinzuspazieren, hat ja auch etwas.

Leider sitzen wir durch dieses Kuddelmuddel mit dem Ticketkauf nicht zusammen. Aber das habe ich vorab nicht so eng gesehen. Bisher gab es an Bord immer eine Möglichkeit dies zu regulieren. Mein Nachbarplatz ist zwar frei aber defekt. Ja es gäbe die Möglichkeit eines Ringtausches, aber ein Passagier zeigt sich ziemlich bockig und möchte seinen Platz nicht tauschen.
Nun gut. Dann sitze ich die zwei Stunden eben allein. Es gibt Schlimmeres

Der Flug soll um 13:55 Uhr starten.
Es ist exakt 13:55 Uhr, als wir abheben.

Beijing Daxing International Airport,China2026,born4travel.de

Ich klebe beim Start natürlich an der Scheibe, in der Hoffnung, den riesigen Seestern einmal von oben zu sehen. Ich meine, einen Blick auf die Mauer würde ich auch nehmen.
Aber wir starten straight nach Süden.
Heute ist ganz offensichtlich nicht mein Wunsch-Tag. Also gibt es ein Bild, das ich im Netz gefunden habe.

Beijing Daxing International Airport,China2026,born4travel.de

Foto: 王之桐 / Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0

Auf diesem Flug gibt es sogar etwas zu essen.
Zur Auswahl stehen chinesische Nudeln oder ein chinesischer Snack. Letzteren kann die Flugbegleiterin allerdings nicht näher beschreiben. Und eigentlich würde ich auf das Essen gänzlich verzichten. Aber ich habe keine Ahnung, was uns heute Abend noch erwartet. Schließlich wohnen wir irgendwo in den Bergen.
Also nehme ich - eher aus Verzweiflung - die „chinesischen Nudeln“. Die aber entpuppen sich als Spaghetti Bolognese. Ein Gericht, das ich sonst eher nicht bestellen würde. Doch jetzt schmeckt es mir extrem gut. Wahrscheinlich auch deshalb, weil ich nicht ausschließen kann, dass ich in den nächsten Tagen nur noch chinesisches Essen bekommen werde.

In-flight meal on Air ChinaChina2026,born4travel.de

Ansonsten bin ich echt happy, dass wir so eine gute Sicht während dem Flug haben.
Und was ich sehen kann ist einfach nur spektakulär.

Around Nanyang / south Henan, CA 8609 Beijing to Zhangjiajie flight, China2026,born4travel.de

Hier wieder mal... In dieser zerklüfteten Bergwelt ein Viadukt, wie ein Kunstwerk.
Das können Chinesen offensichtlich.
Von hier oben sieht das ziemlich spektakulär aus.

Beijing to Zhangjiajie flight, China2026,born4travel.de

Je näher wir Zhangjiajie kommen, desto spektakulärer wird die Landschaft unter uns.
Nun überfliegen wir dicht bewaldete Berge, tiefe Schluchten und schmale Täler.
Diese Hängebrücke, die Zhanghua Lishui Grand Bridge, überspannt mit einer Länge von fast 1.200 Metern das Tal in einer Höhe von etwa 330 Metern.

Zhanghua Lishui Grand Bridge near Zhangjiajie CA 8609, China2026,born4travel.de
Zhanghua Lishui Grand Bridge near Zhangjiajie CA 8609, China2026,born4travel.de
Beijing to Zhangjiajie flight, China2026,born4travel.de
Beijing to Zhangjiajie flight, China2026,born4travel.de
Beijing to Zhangjiajie flight, China2026,born4travel.de

Beim Anflug stellt sich dann heraus, dass mein Platz gar nicht so schlecht ist. Ich sitze nämlich auf der richtigen Seite und habe den sensationellen Blick auf den Tianmen Mountain mit seinem riesigen „Loch“ im Felsen.
Diese Felsöffnung ist rund 131 Meter hoch, 57 Meter breit und 60 Meter tief und liegt auf etwa 1.300 Metern Höhe. Kaum zu glauben von hier aus dem Flieger.

Beijing to Zhangjiajie flight, China2026,born4travel.de
Beijing to Zhangjiajie flight, China2026,born4travel.de
Beijing to Zhangjiajie flight, China2026,born4travel.de

Rainers Sicht ist aber auch nicht die Schlechteste:

Beijing to Zhangjiajie flight, China2026,born4travel.de

Was für eine Begrüßung! Blauer Himmel, dicke weiße Wolken und diese fantastische Bergkulisse. Und das bei 30 Grad Celsius. Für uns kann es bitte so bleiben!
😉

Beijing to Zhangjiajie flight, China2026,born4travel.de

Die Freude ist dann aber nur von kurzer Dauer, denn das nächste Problem lauert schon auf uns.
Die DiDi-App findet unsere nächste Unterkunft nicht. Also wählen wir kurzerhand eine andere Adresse in derselben Richtung. Das haben wir schon einige Male so exerziert. Deshalb sind wir auch gar nicht besorgt und bitten den Fahrer während der Fahrt darum, im Hotel anzurufen.
Aber alles gestaltet sich deutlich schwieriger als sonst. Denn überraschenderweise ist der Fahrer überhaupt nicht so kooperativ wie die anderen Fahrer von denen wir bisher chauffiert wurden. Er denkt nicht einmal daran.
Und dann sollen wir plötzlich 60 ¥ in einen Briefumschlag stecken… What?
Für mich ein ziemlich eindeutiges Zeichen, das Auto besser sofort mitsamt unserem Gepäck wieder zu verlassen.

Keine fünf Minuten später steht ein neu georderter DiDi vor uns. Inzwischen habe ich per WeChat die Adresse auf Chinesisch zugeschickt bekommen. Und zwanzig Minuten später erreichen wir endlich unser Ziel.

Unsere Unterkunft entschädigt uns dann aber für die etwas "holprige" Anreise.
Das Anwesen ist nicht nur wunderschön gelegen, der Hotelverwalter ist sehr aufmerksam, spricht Englisch. Die Lage kann - so glaube ich - nicht besser sein. Jedenfalls sind wir sehr zufrieden. Das Hotel ist ausgebucht und es macht den Anschein, dass mindestens die Hälfte der Gäste Deutsch sprechend sind.

Zhangjiajie,Flowers Valley,China2026,born4travel.de

Wir wohnen im Erdgeschoss. Das Zimmer ist sehr großzügig. Genau wie der Bad-und Duschbereich.
Einzig die Badewanne vor dem Fenster stört uns. Die bräuchten wir nicht. Zumal der Abfluss gar nicht angeschlossen ist. Na ja. Aber irgendwie scheinen die Chinesen auf Badewannen mit Aussicht zu stehen.

Zhangjiajie,Flowers Valley,China2026,born4travel.de
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Zwei vollverglaste Fronten direkt vor dem Bett lassen den Blick auf die sogenannten „Avatar-Berge“ zu. Und die Sicht ist zu jeder Zeit und bei jedem Wetter einfach nur spektakulär.

Zhangjiajie,Flowers Valley,China2026,born4travel.de
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Aber nicht nur unser Zimmer wartet auf uns. Auch ein kleines Päckchen liegt bereits bereit.
Absender beziehungsweise Initiatorin: Alice, die gute Seele aus unserem Hotel in Beijing. Sie hat mir - auf meinen Wunsch hin - noch etwas bestellt und kurzerhand dafür gesorgt, dass es uns nach Zhangjiajie hinterhergeschickt wird.
Schon irgendwie süß.

Und draußen geht es genauso spektakulär weiter. Vor dem Hotel liegt ein Pool, dahinter nichts als Berge. Was für eine Kulisse!
Nach dem ganzen Theater mit dem DiDi ist die Welt damit ziemlich schnell wieder in Ordnung.


So geht es weiter

Vier Nächte bleiben wir hier. Das sind drei volle Tage. Das ist mehr als die meisten hier einplanen. Aber das Wetter ist in Zhangjiajie ziemlich „unpredictable“ und es gibt so viel zu sehen, dass wir uns ganz sicher nicht langweilen werden. Und vor allem wollen nicht in Stress geraten. Denn wenn wir eines für Zhangjiajie brauchen, dann ist es einigermaßen brauchbares Wetter. Schließlich sind wir eigentlich wegen dieser berühmten Bergwelt hier.

Für morgen sieht es jedenfalls richtig gut aus. Und deshalb starten wir gleich mit einem der Highlights, auf das ich mich ganz besonders gefreut habe.
Es geht in den Nationalpark, in dem die berühmten „Avatar-Berge“ zu sehen sind.