Von Hangzhou nach Shanghai

11. bis 16. Mai ⋅ ☀️ 30 °C

Unsere letzte Zugfahrt auf dieser Reise durch China bringt uns nach Shanghainan.
Trotz 1.Klasse gibt es kein „Geschenk“, also dieses Paket mit den kleinen Häppchen zum naschen nebst Wasser 😐
Was für ein enttäuschender Abschied!
Dabei sind wir doch solche Fans der Bahn geworden. Wir, die vor dieser Reise nicht gerade als leidenschaftliche Bahnfahrer bekannt waren. In China ist alles anders. Pünktlich, schnell, bequem und bestens organisiert. Bahnfahren kann richtig Spaß machen. Zumindest hier.

Shanghainan Railwaystation,China2026,born4travel.de

Das ist die Außenansicht des Bahnhofs Shanghainan.
„Nan“ bedeutet Süden. Das wissen wir inzwischen, ohne groß darüber nachdenken zu müssen. So können wir unsere momentane Lage gleich richtig einordnen.
Das Gebäude der Shanghai South Railway Station ist gigantisch. Auf dem Foto kommt seine tatsächliche Größe leider überhaupt nicht zur Geltung. Mit seinem gewaltigen runden Dach sieht der Bahnhof eher wie ein gelandetes Raumschiff aus.

Ich habe deshalb ein wenig im Netz recherchiert und dabei einige erstaunliche Zahlen gefunden:
"Nach Angaben der chinesischen Staatsbahn misst die runde Dachkonstruktion 278 Meter im Durchmesser und erreicht in der Mitte eine Höhe von 42 Metern. Das verantwortliche Architekturbüro AREP gibt die gesamte Dachfläche mit rund 60.000 Quadratmetern an.
Die Form ist übrigens nicht nur spektakulär, sondern auch symbolisch. In der chinesischen Kosmologie steht der Kreis für den Himmel, während der quadratische Wartesaal darunter die Erde verkörpert."

Shanghainan Railwaystation,China2026,born4travel.de

Der Didi-Abholpunkt befindet sich am Bahnhof Shanghainan leider nicht direkt im Gebäude. Wir müssen also zunächst den riesigen Bahnhof durchqueren und anschließend noch über eine lange Brücke laufen, bis wir endlich den Bereich erreichen, an dem die Didis halten dürfen.
Und ein bisschen ist es wie schon an anderen Orten: Kaum taucht man mit Gepäck auf, wird man von Taxifahrern bedrängt.

Just for the records: Vom Bahnhof bis zum Hotel zahlen wir knapp 90 CN¥, was etwas über 11 € sind. Diesen Preis haben wir für ein solches XL Komforttaxi bezahlt, der netterweise auch immer Wasserflaschen bereithält. 👍🏼

Shanghai ist eine Weltstadt. Und die Preise für eine Übernachtung sind alles andere als ein Pappenstiel.
Aber wie so oft bestätigt eine Ausnahme die Regel.
Ein Shanghai-Kenner hatte mir dieses Hotel empfohlen. Wir zahlen 140 Euro pro Nacht, ein sehr reichhaltiges Frühstück inklusive. Für Shanghai ist das beinahe ein Schnäppchen.
Denn das preiswerte China haben wir endgültig verlassen.

The Kunlun Jing An Hotel Shanghai,China2026,born4travel.de
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Die Lobby wirkt sehr westlich. Wir könnten jetzt genauso gut in einem großen Hotel einer amerikanischen Kette stehen. Und wie bei solchen Häusern üblich, ist alles eine Spur pompöser. Natürlich gibt es auch musikalische Begleitung. Eine Musikerin spielt live auf einer Guzheng, einer traditionellen chinesischen Zither. Wenigstens ein Hauch China zwischen all dem internationalen Hotelpomp.
Der Bellboy weiß sofort, was zu tun ist. Ganz ohne Hinweis und selbstverständlich auch ohne Tipp.
Beim Check-in spricht man ausgezeichnetes Englisch. Nun sind wir endgültig im internationalen China angekommen.

The Kunlun Jing An Hotel Shanghai,China2026,born4travel.de

Wir haben das Panorama-Zimmer gebucht. Und erhalten das Zimmer 25 in der 35. Etage.
Schon beim Eintreten fühle ich mich ein wenig in die USA versetzt. Es ist dieser typische Geruch des Teppichbodens.
Die etwas altmodischen Möbel passen perfekt dazu.
Auch das Bad… das ist so gar nicht China-like. Duschen in der Badewanne mit Vorhang 🙄
Wo gibt es so was noch?… 🙈 Ach ja… in good old America.
Das erleben wir auf dieser Reise durch China zum ersten Mal.
Na ja, wenigstens ist die Toilette intelligent.

Grund zum Meckern? Nö. Das Zimmer ist sauber, eine Nespresso-Maschine steht bereit und Wasserflaschen gibt es mehr als genug. Auch der Kühli ist wie gewohnt mit kostenlosen Softdrinks gefüllt und wird täglich wieder zum „Free Flow“ aufgefüllt.

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Und dann kommt der Knaller: das Panoramafenster. Und was für eines!
Rainers erste Amtshandlung besteht darin, den großen Sessel vor das Fenster zu schieben, sich darin niederzulassen und den Ausblick auf sich wirken zu lassen. Ein wenig wie Captain Kirk auf der Brücke der Enterprise. Einfach nur wow!

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Der Blick ist noch besser, als ich es mir erhofft hatte. Bei der Buchung sieht man meist ein Zimmer, das einem gefällt und bekommt später irgendeine ähnliche Variante. Abgesehen davon, dass unser Zimmer auf den Fotos wesentlich heller wirkte - dieser Ausblick war dort garantiert nicht abgebildet.
Cool ist natürlich, dass die seitlichen, schmalen Fenster zu öffnen sind.

The Kunlun Jing An Hotel Shanghai,China2026,born4travel.de
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Nachdem sich die auch noch die restlichen zarten Wolken verzogen haben und bis zum Sonnenuntergang noch etwas Zeit bleibt, hält uns trotz des tollen Fensters nichts mehr im Zimmer. Fünf Nächte sind gebucht. Neben dem halben Anreisetag haben wir also noch vier volle Tage. Und die wollen wir maximal nutzen.
Draußen sind es trotz der späten Stunde immer noch über 30 Grad. Das ist genau, was wir lieben!

Mit Didi geht es zur wohl bekanntesten Attraktion und dem meist fotografierten Ort: Zum Bund.

The Bund

Der Bund ist Shanghais berühmte Uferpromenade am westlichen Ufer des Huangpu River.
Der Name klingt zwar ziemlich englisch, stammt aber ursprünglich aus dem Hindi. Das Wort „bund“ bezeichnet einen Damm oder eine befestigte Uferböschung. Britische Kaufleute brachten den Begriff im 19. Jahrhundert aus Indien mit nach Shanghai. Auf Chinesisch heißt die Promenade dagegen Waitan, was so viel wie „äußerer Strand“ bedeutet.

Seine Geschichte begann, nachdem Shanghai 1843 als Vertragshafen für den internationalen Handel geöffnet worden war. Entlang des Flusses ließen sich ausländische Banken, Handelshäuser, Reedereien, Versicherungen und Hotels nieder. Aus einer einfachen Uferstraße entwickelte sich nach und nach das wirtschaftliche Herz der Stadt. Die meisten der prächtigen Gebäude, die heute das Bild des Bund bestimmen, entstanden Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. Besonders in den 1920er- und 1930er-Jahren erhielt die Häuserzeile ihr bis heute bekanntes Gesicht.

Hier ist ein schöner Vergleich von Shanghai 1987 & 2013

Das Besondere am Bund ist vor allem der Kontrast. Auf der einen Seite stehen 52 historische Gebäude im Stil von Neoklassizismus, Barock und Art déco. Auf der anderen Seite des Huangpu ragen die futuristischen Wolkenkratzer von Pudong in den Himmel. Dazwischen fließt der breite Huangpu.

Und nun sind auch wir da:

The Bund Shanghai,China2026,born4travel.de

Einerseits ist es grandios hier zu stehen - andererseits sind wir beide überfordert, was man denn noch aufnehmen könnte. Gar nichts. Weil alles auf ein einziges Bild passt. Pudong sieht schon beeindruckend aus.
Anders kann man es nicht sagen. Doch die wahre Lichtershow beginnt erst nach 19 Uhr.

Bis dahin vertreiben wir uns die Zeit auf der autofreien Nanjing Road Pedestrian Street.
Hier sind Himmel und Menschen unterwegs. Es ist unvorstellbar voll.
Wir beide sind uns schon jetzt einig: Shanghai erinnert uns eher an Hongkong als an irgendeinen anderen Ort in China, den wir bisher gesehen haben. Nicht einmal mit Peking möchte ich diese Stadt vergleichen. Shanghai ist einfach anders. Vollkommen anders!

Shanghai,China2026,born4travel.de
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In einer Seitenstraße entdecken wir eine Apotheke. Allerdings keine, wie wir sie von zu Hause kennen. Schon der Eingang im betörendem Rot, mit seinen unzähligen roten Schubladen sieht eher nach kaiserlicher Heilkunst als nach moderner Medikamentenausgabe aus.
Auf dem Schild steht Tong Ren Tang. Das traditionsreiche Unternehmen wurde bereits 1669 gegründet und belieferte ab 1723 fast zwei Jahrhunderte lang sogar den chinesischen Kaiserhof mit Arzneimitteln.

Hier gibt es keine Regale, aus denen man sich einfach eine Packung nimmt und damit zur Kasse geht. Wer etwas braucht, soll sich beraten lassen. Traditionelle chinesische Medizin, Kräuter und jahrhundertealtes Wissen spielen hier eine große Rolle. Das klingt alles ausgesprochen ehrwürdig.
Aber mein Anliegen ist absolut unspektakulär: Ich brauche einfach ein paar Tropfen für meine Ohren.

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Anschließend kehren wir bei einem Italiener ein. In dieser Lage ist das Restaurant wahrscheinlich vollkommen überteuert. Aber das ist uns so was von egal. Nach all den Wochen in China freuen wir uns einfach auf „richtiges“ westliches Essen.
Endlich mal einen Blattsalat zu essen, war das, was uns definitiv gefehlt hat.

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Pünktlich um 19 Uhr stehen wir wieder in der ersten Reihe am Bund. Und dann geht sie los, die große Show.
Nach und nach schaltet sich auf der gegenüberliegenden Seite die Beleuchtung der Wolkenkratzer ein. Fassaden beginnen zu leuchten und Farben wechseln. Pudong verwandelt sich innerhalb weniger Minuten in eine gigantische Lichtkulisse.

Unübersehbar ist der Oriental Pearl Tower, das ist dieser Fernsehturm mit seinen markanten rosafarbenen Kugeln - am Tag. Jetzt zeigt er sich fast wie eine Discokugel in ständig wechselnder Farbe.
Daneben stehen die drei Riesen von Shanghai: Der pagodenartige Jin Mao Tower, das Shanghai World Financial Center mit seinem charakteristischen Flaschenöffner an der Spitze und der 632 Meter hohe, spiralförmig gedrehte Shanghai Tower. Tagsüber ist diese Skyline schon beeindruckend. Beleuchtet wirkt sie noch einmal vollkommen anders.

The Bund Shanghai,China2026,born4travel.de
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Nicht nur Pudong bietet am Abend eine beeindruckende Show. Hinter uns stehen die historischen Gebäude des Bund.
Auch sie sind inzwischen beleuchtet, ihre Fassaden farbig und sehr kunstvoll in Szene gesetzt. Besonders markant sind das Peace Hotel mit seinem grünen Pyramidendach und das Bank of China Building, das direkt daneben steht.
Der Huangpu River bildet eine Art Grenze zwischen dem futuristisch bebauten Pudong auf der einen Flussseite und dem alten, mondänen Shanghai des Bund auf der anderen. Zwei vollkommen unterschiedliche Welten.

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Das war also unser erster halber Tag in Shanghai.
Viel mehr hätten wir in diesen wenigen Stunden kaum schaffen können.
Wir haben unser fantastisches Zimmer bezogen, den Bund kennengelernt und die wohl berühmteste Skyline Chinas bei Tag und bei Nacht gesehen. Unser erster Eindruck? Wir sind begeistert und freuen uns schon darauf, morgen mehr von dieser Stadt zu entdecken.


Shanghai – eine Stadt ohne Ende

Knapp 25 Millionen Menschen leben in Shanghai. Eine Zahl, die man sich kaum vorstellen kann. Allerdings zählt zu Shanghai nicht allein die dicht bebaute Innenstadt sondern auch Vororte, Dörfer, Felder, Wasserlandschaften und mehrere Inseln. Das gesamte Verwaltungsgebiet umfasst rund 6.340 Quadratkilometer und ist damit etwa siebenmal so groß wie Berlin.

So groß war Shanghai allerdings nicht immer. Noch 1949 umfasste das Stadtgebiet lediglich rund 660 Quadratkilometer. Im Jahr 1958 wurden zehn umliegende Landkreise der Provinz Jiangsu eingemeindet. Damit vergrößerte sich Shanghai auf fast das Zehnfache. Später wuchs vor allem die bebaute Stadt immer weiter nach außen.
Das spektakulärste Beispiel ist Pudong. Wo bis Ende der 1980er-Jahre noch niedrige Häuser, Lagerhallen und Industriebetriebe standen, entstand innerhalb weniger Jahrzehnte eine der berühmtesten Skylines der Welt.

Shanghai erkunden wir einfach so, wie uns gerade ist: Criss-cross und ohne ausgeklügelten Plan.
Wie immer habe ich mir ein paar Punkte bei A-Map notiert. Meist sind es Tipps, die ich bei Instagram gesehen habe und die mich irgendwie angesprochen haben. Das sollte reichen. Den Rest des Tages wollen wir uns vom Moment und von der Stadt inspirieren lassen.
„Alles zu sehen“ ist ohnehin eine Illusion.

Das Wetter meint es ausgesprochen gut mit uns. Die Sonne scheint und das Thermometer zeigt um die 30 Grad. So bleibt es fast während unseres gesamten Aufenthalts. Nur an einem Tag schwächelt das Wetter. Dann erleben wir geradezu frostige 22 Grad. Interessant, wie schnell man sich doch an die Wärme gewöhnt.

Unser Weg am ersten Tag führt uns durch die ehemalige Französische Konzession.
Hier gibt es kleine Cafés und ausgefallene Geschäfte neben alten Häusern und modernen Neubauten. Dazwischen gibt es immer wieder ruhige, grüne Ecken.
Wir laufen einfach los und entdecken unterwegs etliches mehr als auf jeder sorgfältig geplanten Route.

The Bund Shanghai,China2026,born4travel.de
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Xintiandi

Später erreichen wir Xintiandi.
Das ist ein ehemaliges Wohnviertel, das aufwendig modernisiert wurde. Die restaurierten Shikumen Houses haben einen modernen Look bekommen. Wieder fühlt sich das nicht nach China an. Jedenfalls nicht nach diesem, das wir bisher bereist haben.
In den alten Steinhäusern befinden sich heute Restaurants, Cafés und elegante Geschäfte. Die Shops und dessen Dekoration ist sehr westlich. Insgesamt wirkt alles sehr schick und sehr gepflegt.

Xintiandi Shanghai,China2026,born4travel.de
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Eigentlich soll sich hier am Ende der Promenade ein HARMAY befinden.
Das ist die chinesische Variante eines Sephora. Nur um Welten preiswerter. In Chongqing haben wir ihn zum ersten Mal besucht. Wegen des bevorstehenden Flugs auf der Reise wollte ich da nicht ungezügelt shoppen. Nun gäbe es aber kein Halten mehr... aber wir finden ihn nicht.

Dafür stehen an der Ecke diese skurrilen Gesichter. Auch die habe ich schon mal bei Insta gesehen, wusste aber nicht, wo genau sie sich befinden.
Eigentlich ist das ein Brillengeschäft. Da würde man nie drauf kommen.
Was wir als erstes sehen, sind die Gesichter. Die sind mindestens zwei Meter hoch, bewegen die Augen, blinzeln und ähneln erschreckend einem menschlichen Gesicht. Sie gehören zum Flagship-Store House Nowhere von Gentle Monster, eine südkoreanische Marke für Sonnenbrillen und optische Brillen. Das ist zugegeben ein ziemlich genialer und vor allem mal ein außergewöhnlicher Werbegag.

Gentle Monster in Xintiandi Shanghai,China2026,born4travel.de
Gentle Monster in Xintiandi Shanghai,China2026,born4travel.de

Ja, und einer Überraschung folgt die nächste.
Erst einmal wundern wir uns über die anderen Passanten, die gefühlt alle einen Getränkebecher in der Hand halten, an dessen Strohhalm sich ein niedliches kleines Bärchen festklammert.
„Wo gibt es bitte so etwas?“, fragen wir. Man zeigt uns in Richtung eines kleinen Getränkeshops.
Der vermeintliche Getränkeshop entpuppt sich als Café de 13 de Marzo. Dieses wiederum gehört zum danebenliegenden Shop der gleichnamigen chinesischen Mode- und Lifestylemarke, die die kleinen Bärchen zu ihrem Markenzeichen gemacht hat. An Jacken, Pullovern und Taschen – überall klammern sich solche Bärchen fest.
Ein weiterer ziemlich cleverer Werbegag.
Denn natürlich brauchen wir jetzt auch so ein Getränk. Nicht unbedingt wegen des Durstes. Wir wollen das Bärchen!
Bei diesem Anblick werden wir beide sofort wieder zu Kindern und freuen uns entsprechend.

Café 13DE MARZO in Xintiandi Shanghai,China2026,born4travel.de

By the way - am Ende kommen acht Bärchen mit nach Deutschland. Und ich kämpfe mit mir, ob ich ein einziges an unsere Enkel abtreten kann. Na mal sehen…

Shanghai lässt selbst uns, die schon viele asiatische Metropolen besucht haben, immer wieder staunen.
Alles hier ist ein wenig verrückter, aufgedrehter und vor allem immer wieder anders.

Eine längere Verschnaufpause können wir uns deshalb einfach nicht gönnen.
Kurz ausruhen, Beine hochlegen und schon geht es wieder auf Achse.
Dank DiDi, das selbst in dieser hochpreisigen Metropole immer noch recht günstig ist, erreichen wir unser nächstes Ziel schnell und vor allem ausgesprochen bequem.

Zum ersten Mal seit Chengdu haben wir wieder eine Frau als Fahrerin.
Eine, die sich mit Kleidung, Handschuhen und Visier sorgfältig vor den UV-Strahlen schützt.
Mittlerweile liebe ich solche Beobachtungen. Es ist so vollkommen anders als bei uns.
Aber na und? Wir wollten schließlich Land und Leute kennenlernen.
Die kleinen, ganz alltäglichen Unterschiede gehören eben auch dazu.

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The Louis - Visionary Journeys

Das nächste Highlight ist ein Museum - nur anders.
Mitten im Jing’an-Viertel an der Wujiang Road ist ein riesiges Schiff vor Anker gegangen.
Wobei „Schiff“ vielleicht ein wenig irreführend ist. Geschippert ist dieser Luxusliner garantiert noch nie.

Unsere Fahrerin setzt uns in einer Art Foyer einer Mall ab. Den Weg zur Außenansicht müssen wir uns selbst erarbeiten. Es sieht schon etwas strange aus. Wir drehen eine Runde und wechseln sogar die Straßenseite um diesen ungewöhnlichen Platz mit den eigenen Augen zu erfassen und dann aufs Bild zu bekommen.
Einfach verrückt. Anders kann man es nicht nennen.

The Louis - Visionary Journeys in Shanghai,China2026,born4travel.de
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Das Schiff „The Louis“, das an die Vergangenheit Shanghais als bedeutende Hafenstadt erinnern soll, ist 114,5 Meter lang und 30 Metern hoch.
Und wir haben so ein Glück. Denn dieser Koloss steht erst seit Ende Juni 2025 hier.
Ich kenne mich da nicht so aus. Ich dachte immer Louis Vuitton steht für Handtaschen. Falsch gedacht.
Es steht für Reisekoffer, die einst für lange Schiffsreisen gebaut wurden.

The Louis - Visionary Journeys in Shanghai,China2026,born4travel.de

Im Schiffsbauch befindet sich die Ausstellung „Visionary Journeys“.
Von einer Ausstellung über Koffer erwarte ich ehrlich gesagt nicht besonders viel. Aber wenn wir schon einmal hier sind, gucken wir sie uns selbstverständlich an! Der Eintritt ist kostenlos. Also fast kostenlos: Louis Vuitton besitzt jetzt meine E-Mail-Adresse. Aber damit kann ich gut leben.

Was wir hier zu sehen bekommen, habe ich allerdings nicht erwartet.
Die Ausstellung ist vom ersten Schritt an spektakulär. Ein regelrechter Overkill an Eindrücken.
Durch einen leuchtenden Tunnel aus unzähligen Koffern gelangen wir in eine perfekt inszenierte Markenwelt.

The Louis - Visionary Journeys in Shanghai,China2026,born4travel.de
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In einem der Räume wird Schritt für Schritt gezeigt, wie ein solcher Koffer entsteht und mit welcher Sorgfalt die Materialien ausgewählt und verarbeitet werden. Da wird uns auch klar, warum wir uns so ein gutes Stück wohl niemals leisten können. Aber immerhin liefert uns die Ausstellung eine ziemlich anschauliche Erklärung dafür, warum diese Dinge so verdammt teuer sind.

Wir sehen historische Gepäckstücke, alte Fotografien und Dokumente, Werkzeuge sowie ausgefallene Sonderanfertigungen. Selbst Ernest Hemingways sogenannter „Library Trunk“, eine transportable Mischung aus Schreibplatz und Bücherkoffer, gehört zur Geschichte. Auf zwei Etagen werden wir durch verschiedene Themenräume geführt. Und das ist tatsächlich gar nicht so uninteressant. Weiter geht es durch die Welt der Mode, Bücher, Sport und Parfums. Alles wofür die Marke steht.

Richtig eindrucksvoll ist der helle Parfümraum, in dem unzählige farbige Flakons wie in einem riesigen Setzkasten angeordnet sind. Danach wird es wieder dunkel, verspiegelt und beinahe futuristisch. Kleidungsstücke und Schaufensterfiguren stehen in gläsernen Röhren, vervielfachen sich in den Spiegeln und verschwimmen mit Licht und Reflexionen. Man weiß stellenweise kaum noch, wo der Raum aufhört und die Inszenierung beginnt.

The Louis - Visionary Journeys in Shanghai,China2026,born4travel.de
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Das war eine echt bereichernde Erfahrung.
Natürlich ist uns bewusst, dass alles eine einzige, äußerst aufwendige Werbung für Louis Vuitton ist.
Aber wenn Werbung so spektakulär, fantasievoll und dazu noch fotogen daherkommt, lassen wir uns ausnahmsweise ausgesprochen gern darauf ein.

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Draußen steht die Sonne bereits kurz vor dem Untergehen.
Ich versuche, noch ein paar Impressionen aus dieser Gegend einzufangen, bevor sie endgültig hinter den Häusern verschwindet.

Shanghai, China 2026, born4travel.de

Ein Foto gelingt mir noch. Und dann sehe ich das!
Auf dem Platz probieren sich Künstler, Musiker und Tänzer mit den unterschiedlichsten, teilweise ziemlich eigenartigen Vorführungen aus. Und mittendrin diese Tänzerin: Giftgrüne Strumpfhose, ein glitzerndes grünes Outfit und Schuhe, die aussehen, als hätte sie ein Stück Wiese um ihre Füße gewickelt.

Ich bin begeistert. Nicht unbedingt, weil ich verstehe, was genau sie uns mit ihrer Darbietung sagen möchte. Muss ich aber auch nicht. Es macht einfach Spaß, ihr zuzuschauen.
Ein bisschen verrückt, ein bisschen Kunst, ein bisschen Mode.
Das ist Shanghai. Ständig etwas Neues. Und manchmal sind's eben Moos-Pumps.

Nun lassen wir uns zur Fähre auf der Bund-Seite bringen.
An der Jinling East Road Ferry Station steigen wir in eine der einfachen Linienfähren. Die sogenannte Dongjin Line bringt uns für gerade einmal 2 Yuan, also etwa 26 Cent, über den Huangpu River zur Dongchang Road Ferry Station in Pudong.
Schon kurz nach dem Ablegen sind wir von unserer Wahl des Verkehrsmittels begeistert. Statt unterirdisch mit der Metro fahren wir entlang der berühmtesten Skylines der Welt.
Auf der einen Seite liegt der historische Bund, auf der anderen die Wolkenkratzer von Pudong. Für 26 Cent bekommen wir hier praktisch eine kleine Hafenrundfahrt. Viel besser kann man sein Geld kaum investieren!

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Duoyun Books im Shanghai Tower

Das ist der Shanghai Tower.
Mit seinen 632 Metern überragt er die gesamte Skyline von Pudong und ist das höchste Gebäude Chinas. Irgendwo dort oben, allerdings noch nicht einmal auf halber Höhe, befindet sich unser nächstes anvisiertes Ziel: Der Buchladen Duoyun Books in der 52. Etage.
Duoyun Books bedeutet übrigens sinngemäß „Bücher über den Wolken“.
Stimmt.

Shanghai Tower in Shanghai,China2026,born4travel.de
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Der Zugang zum richtigen Aufzug gestaltet sich schwierig. Sehr schwierig. Kein einziger fährt einfach „nur“ in die 52. Etage. Etwas resigniert fragen wir einen jungen Officer. Der wirkt, als hätte er nur auf uns gewartet. Zielgerichtet schleust er uns durch weniger öffentliche Bereiche, setzt uns schließlich an einem Aufzug ab und drückt sogar noch den richtigen Knopf für uns.

Oben angekommen geht's erst einmal in den Buchladen. Der befindet sich rund 239 Meter über der Stadt. Neben jeder Menge Literatur gibt es hier auch ein Café mit ziemlich exklusiver Aussicht. Und nur deshalb sind wir hier. Bücherläden auf normaler Ebene gibt es wie Sand am Meer

Shanghai Tower in Shanghai,China2026,born4travel.de

Wir wollen die Aussicht praktisch für Lau. Aber zum umlaufenden Bartresen direkt an den Fenstern gelangt man nur, wenn man etwas konsumiert. Einen Kaffee und ein Stück Kuchen reichen da schon. Allerdings muss jede Person etwas kaufen. Einfach nur Platz nehmen, gucken und wieder verschwinden funktioniert hier also nicht.
Das wird strengstens kontrolliert. Unser Kassenbon bekommt sogar ein Stempli.
Wahrscheinlich damit wir morgen nicht einfach noch einmal damit auftauchen.

Die eigentliche Aussichtsplattform des Shanghai Towers befindet sich in der 119. Etage.
Und der Besuch dort kostet ordentlich Geld.
Leider ist aber auch die Sicht heute Abend nicht optimal.
Außerdem spiegeln die Scheiben und der Blick ist längst nicht so spektakulär wie erwartet.
Damit ist aber auch unsere Entscheidung gefallen: Den deutlich teureren Besuch der Aussichtsplattform in der 119. Etage sparen wir uns. Noch weiter oben werden die Häuser ja auch nicht wieder größer. Shanghai von oben können wir hiermit abhaken.

Shanghai Tower in Shanghai,China2026,born4travel.de

Ein letzter Blick nach oben...

Shanghai Tower in Shanghai,China2026,born4travel.de

Zum Abschluss des Tages fahren wir noch einmal nach Xintiandi. Also dorthin, wo wir bereits am Mittag waren. Beim Flanieren war uns ein Italiener aufgefallen, den wir uns für den Abend gemerkt hatten. Die Plätze draußen waren alle besetzt. Für uns immer ein gutes Zeichen.

Tatsächlich finden wir das Lokal wieder. Es ist das Il Teatro.
Ein Italiener mit grandiosen Gerichten und fantastischem Aperol Spritz.
Das Beste: Es schmeckt hier tatsächlich wie in Italien.
So gut, dass wir während unseres Aufenthalts gleich an drei Abenden hier einkehren.


Am nächsten Tag ist das Wetter eher diesig und richtig warm. Eigentlich sehr unangenehm für längere Außenaktivitäten.

Wir lassen uns deshalb auf Shopping in einer Outlet-Mal ein.
Der Besuch des Florentia Village Shanghai Designer-Outlet in Gestalt einer italienischen Stadt ist für uns enttäuschend. Zugegeben ist die Anlage wirklich gelungen. Pastellfarbene Fassaden, Arkadengänge, Säulen und plätschernde Brunnen sollen uns direkt nach Italien versetzen. Ein bisschen Florenz, ein bisschen Rom und das Ganze ordentlich auf Hochglanz poliert.
Nun ja. Mit Outlets hatten wir noch nie Glück. In keinem Land der Welt. Vielleicht liegt es auch an uns.
Uns macht Gucci-Pucci nicht glücklich.

Florentia Village Shanghai Designer-Outlet  Shanghai, China 2026, born4travel.de

Die Shoppingmall liegt nicht weit vom Flughafen Pudong entfernt.
Das passt ganz gut, denn dort startet auch der Shanghai Maglev.
Diese Magnetschwebebahn wollten wir unbedingt einmal ausprobieren, wenn wir schon in Shanghai sind. Dumm nur, dass ihre Strecke so gar nicht zu unseren anderen Unternehmungen passt. Aber da wir ganz in der Nähe des Airports sind, wollen wir uns die Gelegenheit nicht entgehen lassen.
Also fahren wir zunächst zum Flughafen und "fliegen" anschließend einen Teil des Rückwegs mit dem Maglev zurück.

Maglev Shanghai, China 2026, born4travel.de

Die rund 30 Kilometer lange Strecke verbindet den Flughafen Pudong mit der Station Longyang Road und ist seit Anfang 2004 regulär in Betrieb. Ganz nebenbei steckt darin ein gutes Stück Deutschland. Die Bahn basiert auf der Transrapid-Technik von Siemens und ThyssenKrupp. Einst raste sie im regulären Betrieb mit bis zu 431 km/h durch Pudong. Bei unserer Fahrt zeigt der Tacho allerdings „nur“ 300 km/h an. Da der Zug berührungslos mit etwa einem Zentimeter Abstand über der Fahrbahn schwebt, erwarten wir eine ausgesprochen sanfte Fahrt.

Maglev Shanghai, China 2026, born4travel.de

Rund zwölf Euro kostet uns beide diese Erfahrung.
Wir stellen uns vor, wie draußen alles nur so vorbeischießt, während die Wasseroberfläche in unserer Flasche vollkommen glatt bleibt. Nichts davon trifft zu. 300 km/h sind natürlich schnell. Aber nachdem wir mit der China Railway bereits 350 km/h gefahren sind, hält sich unser Geschwindigkeitsrausch in Grenzen. Vom sanftem Schweben ist das Gefühl während der Fahrt weit entfernt.
Nach etwa acht Minuten erreichen wir Longyang Road.
Nun können wir immerhin behaupten, einmal mit dem Transrapid gefahren zu sein. Noch einmal müssen wir das allerdings nicht haben. Na ja.

Ach ja. Ein Foto von der Bahn zu machen haben wir einfach mal vergessen. Im Nachhinein wird das wohl ein Zeichen gewesen sein, dass die Fahrt mit dem Maglev keinen bleibenden Eindruck hinterlassen hat.

Inzwischen ist das Wetter grandios geworden.
Wir skippen den Plan jetzt ins Hotel zu gehen und fahren bis in den modernen Teil Pudong's.

Lujiazui

An der Metrostation Lujiazui fahren wir mit der Rolltreppe wieder ans Tageslicht. Offensichtlich haben wir unbewusst genau den richtigen Ausgang gewählt. Die Fahrt auf der Rolltreppe ist filmreif!
Vor uns "wachsen" die drei berühmtesten Wolkenkratzer Pudongs in den Himmel:
Da ist der pagodenartige Jin Mao Tower, dahinter das Shanghai World Financial Center mit seinem „Flaschenöffner“ an der Spitze und rechts der spiralförmig gedrehte Shanghai Tower.

Mit seinen 632 Metern sieht der Shanghai Tower aus dieser Perspektive noch gewaltiger aus als vom Bund.
Dort waren die Drei nur ein Teil der Shanghai Skyline.
Hier stehen wir direkt unter ihnen. Das ist dann doch eine ganz andere Ansicht.

Lujiazui Skywalk Shanghai, China 2026, born4travel.de
Lujiazui Skywalk Shanghai, China 2026, born4travel.de
Lujiazui Skywalk Shanghai, China 2026, born4travel.de
Lujiazui Skywalk Shanghai, China 2026, born4travel.de
Lujiazui Skywalk Shanghai, China 2026, born4travel.de

Unser Weg führt uns zunächst über den Lujiazui Skywalk.
Die rund 5,5 Meter über der Straße verlaufende Fußgängerbrücke zieht sich wie ein riesiger Ring um den großen Kreisverkehr. Von hier oben können wir einerseits den Verkehr beobachten, andererseits die umliegenden Wolkenkratzer bestaunen. Diese Skywalk ist eine tolle Sache für Touries wie uns, die sich nicht um den Verkehr scheren wollen, sondern nur um die grandiose Architektur.

Lujiazui Skywalk Shanghai, China 2026, born4travel.de
Lujiazui Skywalk Shanghai, China 2026, born4travel.de
Oriental Pearl Tower Shanghai, China 2026, born4travel.de
Oriental Pearl Tower Shanghai, China 2026, born4travel.de

Anschließend verlassen wir den erhöhten Fußweg und laufen weiter zum Lujiazui Central Green Space.
Ein schöner Park mitten im Finanzzentrum. Eine kleine Verschnaufpause tut gut.
Mich beeindruckt am meisten der Blick von hier unten auf diese rote Discokugel des Oriental Pearl Towers.
Ein wenig hat sie schon die Ähnlichkeit mit dem Berliner Fernsehturm.
Wir überlegen vielleicht jetzt hoch zu gehen. Haben aber momentan keine Meinung dazu.
Vielleicht doch lieber heute Abend? Oder morgen?

Oriental Pearl Tower Shanghai, China 2026, born4travel.de
Oriental Pearl Tower Shanghai, China 2026, born4travel.de
Oriental Pearl Tower Shanghai, China 2026, born4travel.de

Letztendlich wird alles anders.
Nach einer Pause im Zimmer - ja die brauchen wir einfach zwischendurch - können wir uns für nichts anderes aufraffen als nur nach zu unserem Italiener Il Teatro nach Xintiandi zu fahren und den Tag bei einem herrlichen Essen revue passieren zu lassen.

Italian Restaurant Il Teatro Shanghai, China 2026, born4travel.de

So geht es weiter

Auch der dritte und vierte Tag werden nicht ruhiger...