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Das Ende der Reise

Am aller-aller-letzten Nachmittag ziehen wir in ein Airport-Hotel. Wir dürfen spät auschecken. Das heißt: erst um 13 Uhr. Die Koffer stellen wir beim Storage ab und gehen noch ein wenig spazieren. Ein letztes Mal Shanghai-Luft schnuppern. Ein letztes Mal leckeren Kuchen essen und dazu diesen Yoghurt. Das tut gut.

Die Fahrt zum Airport macht uns dann doch ein bisschen traurig. Schön war's. Auch Shanghai. Oder vielleicht gerade Shanghai. Eine Stadt, die so anders ist als der Rest Chinas, den wir auf dieser Reise kennengelernt haben.

Ein letztes Mal fahren wir an den Skyscrapern vorbei. An Hochhäusern mit einer Architektur, die irgendwie niemals langweilig wird.
Wir schauen aus dem Fenster und versuchen, noch ein bisschen davon festzuhalten.
Und dann ist Schluss. Nach 62 Tagen China.

Shanghai China2026,born4travel.de
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Das Holiday Inn Pudong ist wahnsinnig stylisch. Das gefällt uns.

Gleich beim Check-in fragen wir nach unserer Sendung mit den Messern, die wir in Guangzhou aufgeben mussten. Doch sie ist nicht auffindbar. Irgendjemand hat es vermasselt. Es gibt sogar ein Protokoll, in dem die Entgegennahme bestätigt wurde. Trotzdem lässt sich nicht mehr rekonstruieren, wo die Sendung geblieben ist. Auch ein Mitarbeiter, der sich die Aufzeichnungen der Überwachungskameras ansieht, kann das Rätsel nicht lösen.

Schade eigentlich. Dabei sind wir gar nicht so sehr wegen der verlorenen Messer traurig. Viel mehr enttäuscht uns der Vorfall an sich. Nach all unseren guten Erfahrungen in China waren wir beide felsenfest davon überzeugt, dass die Messer hier auf uns warten würden.

Tja. Ausgerechnet auf den letzten Metern...

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Um Sieben checken wir aus.
Noch einmal fragen wir nach unserer Sendung. Noch einmal zeigt man sich überrascht.
Noch einmal will man die Nachweise sehen, dass die Sendung das Hotel erreicht hat.
Der Morgenchef und ich tauschen unsere WeChat-Kontakte und dann gehen wir.
Er will sich persönlich drum kümmern.

Das Holiday Inn ist perfekt gelegen. Direkt aus der 2.Etage des Hotels gibt es eine Verbindung zum Terminal.
Hier gibt es eine Sprengstoffkontrolle um überhaupt das Terminal zu betreten. Später noch weitere Kontrollen…
Am Check-in geben wir unsere Koffer und eine Tasche ab und müssen wie überall auf der Welt die weiteren Kontrollen passieren.

Die China Airlines Lounge ist riesig. Es gibt verschiedene Sitzgelegenheiten.
Leider vergesse ich eine Aufnahme zu machen.
Das Büffet bietet nichts besonderes. Mir reicht eine letzte Nudelsuppe. Rainer macht eins auf gesund - isst Salat.
Dann holt er noch fix die Mwst für einige Einkäufe ab. Somit haben wir am Ende der Reise zum ersten Mal doch noch chinesisches Bargeld in der Hand. Die Gebühr für den Umtausch ist verhältnismäßig hoch. Deshalb nehmen wir es mit. Vielleicht geht es irgendwann nochmals nach China.

Wir schlendern noch ein wenig durch unser Terminal. Ein paar Shops gibt es natürlich auch. Wie überall auf der Welt. Mit Kleidung, die kein Mensch braucht und die am Flughafen gleich mal total überteuert ist.

Interessanter sind da schon die Schlafkapseln direkt am Gate. Wer müde ist oder einen längeren Aufenthalt überbrücken muss, kann sich hier zurückziehen, die Tür hinter sich schließen und tatsächlich hinlegen. Kostenlos ist der kleine Rückzugsort allerdings nicht.

Eigentlich eine ziemlich clevere Idee. Und irgendwie auch typisch China: Für fast jedes Problem gibt es irgendwo eine technische Lösung.

Airport Pudong, Shanghai,China2026,born4travel.de

Genau wie schon der Hinflug ist auch der Rückflug ein Awardflug.
Gern wären wir wieder mit einer 747-8 der Lufthansa zurückgeflogen. Aber diese Option stand nicht zur Verfügung. Also geht es mit der Swiss zurück. Noch nie sind wir mit Swiss auf der Langstrecke geflogen und entsprechend neugierig sind wir auf die Sitze. Auf den Bildern sahen die fast noch bequemer aus als bei der Lufthansa.

In Natura aber wirkt das Ganze dann allerdings etwas ernüchternder. Auf meinem Sitz liegen bereits ein fluffiges Kissen, eine voluminöse Nackenrolle und eine ebenso voluminöse Decke.
Schön. Aber wo soll ich sitzen?

Überhaupt fühlt sich alles ziemlich eng an. Eine Ablage für die Schuhe gibt es nicht. Wir schauen uns um, machen es den anderen nach und verstauen sie oben im Gepäckfach.

Dafür gibt es einen Bügel. Wozu auch immer. Man könnte etwas daran aufhängen, das maximal 20 Zentimeter lang ist. Socken vielleicht?

Im Amenity Bag gibt es auf dem über 13 Stunden langen Flug weder Schlafmaske noch Latschen. Unabhängig voneinander denken wir beide sofort an unsere innerchinesischen Flüge. Selbst dort gab es Latschen. Und die wurden einem sogar noch ausgepackt und hingestellt. Einfach mal ein anderer Service.

Natürlich gibt es auch keinen Schlafanzug. Ist ja schließlich ein Tagflug.

Airport Pudong, Shanghai,China2026,born4travel.de
Airport Pudong, Shanghai,China2026,born4travel.de
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Wir starten mit einer halben Stunde Verspätung. Nicht, dass wir dadurch Probleme mit unserem Anschlussflug bekämen. Aber es verwundert uns trotzdem ein wenig. Denn in China sind unsere Flieger fast immer auf die Minute genau abgehoben.

Was mir fehlt ist Raumgefühl, weil die Mittelwand zwischen uns nicht versenkbar ist.
Wenn ich meinen Sitz zum Bett mache, verschwinde ich fast bis zur Hüfte unter der Ablage des Vordermanns. Fühlt sich ein bisschen an wie eingeschichtet im Schuhkarton.

Essen Swiss Air,born4travel.de

Na ja. Der Award-winning-Service, von dem ich vorher gelesen habe, scheint heute in einem anderen Flieger unterwegs zu sein. Unser Service spricht ausschließlich Englisch und tut seine Pflicht. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger.

Dafür ist die Aussicht zeitweise sensationell. Zuerst sehen wir ein letztes Mal diese gigantischen chinesischen Wohnanlagen unter uns. Vierzig Stockwerke dürften manche der Hochhäuser locker haben. Aus der Luft sehen sie aus wie auf die Seite gestellte Legosteine. Einer neben dem anderen. Und irgendwann verschwinden auch die letzten im Dunst.

China liegt hinter uns.

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Später türmen sich endlose schneebedeckte Bergketten unter uns.
Dabei sind das - so glaube ich - nur die nördlichen Ausläufer des Himalaya. Verzuckertes Gebirge, so weit das Auge reicht. Wir befinden uns über Kasachstan… Auch ein schönes Reiseziel 😉
Auch ein schönes Reiseziel. 😉

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Dreizehn Stunden können verdammt lang sein. Nach dem Mehrgängemenü habe ich einen gefühlt ausgedehnten Mittagsschlaf. Beim Blick auf den Schirm sind es dann immer noch neun Stunden 🤪
Der Flug ist zu etwa fünfzig Prozent ruhig. Die andere Zeit eher unruhig. Teils mit Anschnallzeichen.

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In ZRH haben wir knapp drei Stunden Aufenthalt, bevor es weiter nach Berlin geht.

Inzwischen habe ich eine Nachricht über WeChat. Unsere Messer sind wieder aufgetaucht! Sie liegen nun im Großlager der Transportfirma. Man würde sie uns sogar jederzeit und kostenlos zustellen. Wunderbar.
Es gibt nur einen kleinen Haken: Die Lieferadresse muss in China sein. Nach Deutschland funktioniert dieser Service leider nicht.
Na immerhin wissen wir jetzt, wo unsere Messer sind. Irgendwo in China. Wir dagegen sind schon in Zürich 😐

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Natürlich starten wir auch hier mit 30 Minuten Verspätung. Was sonst.
Aber wir fliegen mal ganz schnell. Und das müssen wir auch, denn wir setzen tatsächlich erst kurz vor Toresschluss am BER auf.
Schwager holt uns ab.
Ich bin total drüber.
Mehr als eine flüchtige Katzenwäsche ist an diesem Abend nicht mehr drin. Es sind inzwischen ziemlich genau 25 Stunden vergangen, seit ich morgens in Shanghai-Pudong aufgestanden bin.
Kurz vor eins fallen wir ins Bett. Ich kann mich nicht erinnern, jemals nach einem Flug so fertig gewesen zu sein. Dabei sind wir solche Strecken früher in der Eco geflogen und am nächsten Morgen ganz selbstverständlich zur Arbeit gegangen.
Ich werd’ einfach alt. 😎


Fazit

Das war’s also.
Insgesamt 62 Tage China. Eine wunderbare Rundreise mit einem einzigen „Schönheitsfehler“ in der Planungsfolge.
Aber insgesamt bin ich sehr zufrieden mit dieser Zusammenstellung. Würde ich die Reise noch einmal planen, würde ich keinen Ort weglassen. Würde jeden Punkt genauso wieder anfahren. Manches noch intensiver und länger erleben wollen.

China hat uns vom ersten Moment geflashed. Positiv überrascht.
Erwartet habe ich eher ein lautes Volk, ein eher ruppiges Volk. Nach all den Berichten im TV habe ich Härte und Disziplin erwartet. Weil es - wie immer betont wird - doch so überwacht wird, die Bürger ihren Score ständig im Sinn haben müssen. Städte mit extremen Smog habe ich erwartet.
Nun.
Es war glücklicherweise alles wirklich ganz anders.
Der enorme Einsatz von E-Mobilität hält den täglichen AQI (Airquality Index) sehr niedrig. Sehr oft habe ich den mit anderen Großstädten verglichen. Weltweit und den in Deutschland. Ich kann sagen: China hat die bessere Luft.
Auf den Straßen ist die Lärmbelastung dadurch auch deutlich geringer. Nicht müde werde ich zu betonen, wie sauber es auf den Straßen ist. Egal ob Klein-oder Großstadt. Auch das haben wir nicht erwartet.

China hat ein fantastisches Schienensystem. Zugfahren ist verlässlich pünktlich.
Die Züge sind sauber. Mehrfach während der Fahrt wird durchgewischt. Liegengelassene Abfälle eingesammelt.
Auch die Toiletten im Zug werden gesäubert. Nicht zu vergleichen mit den bei uns.
Die Tickets für den Zug kann man reservieren. Kaufen kann man sie aber erst vierzehn Tage im Voraus.
Es war unsere erste Reise und ich hab sie fast alle vorher reserviert. Das würde ich nicht wieder tun. Es gibt so viele Zugverbindungen auf einer einzelnen Strecke, dass man diese getrost auch ein paar Tage bis wenige Stunden ganz bequem online vorher erwerben kann.

Gefallen hat mir auch, dass man keine Reservierungen, keine monatelang vorher getätigten Permits für den Eintritt zu Nationalparks und zu all den Attraktionen benötigt. Nur der Zugang zur Verbotenen Stadt muss reserviert werden Letzteres übernimmt aber auch auf Wunsch das Hotel am Tag zuvor.

Der Reisepass (Chinesen nutzen stets ihre ID) ist das Wichtigste, das man stets griffbereit haben sollte. Alles ist an diesen Ausweis gekoppelt: Egal ob Eintritt zum Museum, zum Bahnhof oder zum Nationalpark. So wird auch blitzschnell entschieden, ob der Eintritt kostenpflichtig oder kostenlos ist. Ab dem 60 Lebensjahr zahlt man oft die Hälfte oder gar nichts mehr. Das hängt mit dem chinesischen Rentensystem zusammen. Chinas Frauen treten mit 55 und Männer ab dem 60.Lebensjahr in den Ruhestand ein. Mit einer Ausnahme galten diese Vergünstigungen beim Eintritt auch für uns Ausländer.

In zweiundzwanzig verschieden Hotels (zwei davon waren in BKK) haben wir genächtigt.
Von westlich bis traditionell war alles dabei. Immer waren sie sauber und hatten eine hervorragende Ausstattung.
Mit zwei, drei Ausnahmen gab es moderne Washlets, es gab aber immer einen Wasserkocher und oft eine Kapselmaschine dazu. Dass die Steuerung des Lichts und der Gardinen per Knopfdruck vom Bett aus möglich ist, ist nichts Ungewöhnliches.
Vom Trinken des Wassers aus dem Hahn wird abgeraten - damit aber Zähneputzen ist kein Problem. Im Zimmer stand stets genügend Wasser in Flaschen kostenlos zu Verfügung.
108€ war letztendlich der durchschnittliche Zimmerpreis auf unserer Reise durch China. Ein Wert den man sicher noch senken hätte können. Wenn ich die Hotelkategorie in den touristischen Orten Xi‘an, Beijing und Shanghai niedriger gewählt hätte. Bei der Abreise gab es oft zum Abschied ein kleines Geschenk. Oder ein paar Snacks nebst Getränken.

Als Reisende, die gewöhnlich mit dem Mietwagen unterwegs sind und sich so die absolute Individualität verschaffen, hatte ich etwas Bange um unsere „Freiheit“ ganz ohne eigenes Auto. Aber vor Ort erwies sich diese Befürchtung als vollkommen grundlos. Zum einen gibt es ja den Zug und zum anderen das Taxi. Letzteres ist ungemein preiswert und jederzeit und überall verfügbar. Selbst für Strecken auf der es keine Zugverbindungen gab, haben wir uns gegen den Buss und für ein Taxi entschieden. Für zwei Stunden Fahrt haben wir dann immer noch deutlich weniger gezahlt als für die Entfernung von unserem Zuhause am Rand Berlins bis zum Flughafen.
Für Fahrten innerhalb der Stadt betrug der Fahrpreis meist um einen Euro. Manchmal auch bis zu fünf. Das hätten wir mit dem eigenen Mietwagen nie so hinbekommen, wenn man bedenkt, dass wir keinen Parkplatz finden mussten.
Alles in allem haben wir den Transport auf diese Weise sogar als sehr angenehm empfunden.

Zum Abschluss noch ein paar rein subjektive Aspekte:

SONDERBARES:
… Tomaten werden in China meist als Obst definiert und so auch auf dem Obstteller platziert
… im Aufzug ganz vorn an der Tür stehen und dennoch als letzte zum aussteigen zu kommen. Ohne geschubst zu werden. Chinesen nutzen den Platz einfach „effektiver“😆

WAS ICH JETZT SCHON VERMISSE:
… Zugfahren. Ein so verlässlich pünktliches Transportmittel und alles was mit dem Zugfahren zusammenhängt. Angefangen beim Ticketkauf bis zur Info der App, dass wir gleich das Ziel erreichen werden
… die E-Autos und E-Roller. Die machen den Straßenverkehr so angenehm ruhig.
… die Nudelsuppe zum frühen Morgen
… die allgemeine Sicherheit. Wo sonst auf der Welt kann man das Handy als Zeichen für einen reservierten Tisch liegen lassen ohne Sorge zu haben, dass jemand anderes Gefallen an ihm findet? Die Tasche bleibt unangetastet - selbst im größten Gedränge
… die Offenheit der neuen digitalen Welt gegenüber
… bargeldloses zahlen mit Alipay bzw. WeChat
… die Sauberkeit auf den Straßen, auf den Bahnhöfen und im Zug. Dabei sind es nicht immer die Chinesen, die so sauber sind. Es gibt tatsächlich noch den Job des Straßenkehrers, der sich unentwegt um das Erscheinungsbild kümmert.

WAS ICH GAR NICHT MOCHTE:
… dass überall, wo‘s erlaubt ist, massiv geraucht wird
… das Rotzen, das Hochziehen des Schleims aus der tiefen Lunge und es direkt vor sich auszuspucken (fast immer nur durch die männliche Welt)

Zum Abschluss ein paar Zahlen:
(Inklusive Bangkok)

Benötigtes Bargeld: Null
Gelernte chinesische Vokabeln: 9
Mitbringsel: so viel wie noch nie

  • Reise in Kilometern
    22.500 km ✈️
    5.900 km 🚅
    1.600 km 🚖
    101 km 🚶‍♀️🚶‍♂️
    67 km 🚌
    23 km 🏍️
    5 km 🚠

  • Unterkünfte:
    13 x Booking.com
    8 x Trip.com
    2 x Hotels.com

    Davon übernachtet in
    10 klassischen Hotels
    12 Homestays

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